15.02.2013 08:08
Bewerten
 (0)

Bei der Commerzbank brennt es an allen Ecken und Enden

Kein Bonus für Blessing
Die teilverstaatlichte Commerzbank kommt nicht in Gang. Das zeigt nun vorgelegte ausführliche Bilanz des Frankfurter Instituts. Der Chef des Instituts zieht seine Konsequenzen und verzichtet auf Bonuszahlungen.
Operativ hat sich das Ergebnis in nahezu allen Sparten halbiert. Nur im Mittelstandsgeschäft läuft es noch rund. Commerzbank-Chef Martin Blessing zieht die Konsequenzen aus dem schwachen Ergebnis und verzichtet auf seine Boni für 2012. Er nimmt damit der Kritik den Wind aus den Segeln, dass er sein Gehalt erhöht und gleichzeitig die Bank vor einem massiven Stellenabbau steht.

   Umbaukosten und Steuer-Abschreibungen haben den Gewinn der Commerzbank im vergangenen Jahr einbrechen lassen. Für 2013 ist keine Besserung in Sicht. Das Institut rechnet auch im laufenden Jahr mit großen Belastungen. Allein für den Abbau von bis zu 6.000 Stellen erwartet das Institut im ersten Quartal Kosten in Höhe von einer halben Milliarde Euro. Gleichzeitig sieht die Commerzbank Druck auf die Erträge und eine leicht steigende Risikovorsorge. Konkretere Angaben zum Ausblick traut sich die Bank nicht zu.

   Wegen außerordentlicher Belastungen von fast einer Milliarde Euro waren 2012 nur sechs Millionen Euro Gewinn übrig geblieben - im Vergleich zu 638 Millionen Euro im Vorjahr. Trotz des Gewinneinbruchs kann der Steuerzahler erstmals seit der Dresdner-Übernahme mit einer Zinszahlung für das geliehene Kapital rechnen, da die Bank auch nach HGB einen Gewinn erzielt.

   Der nur kleine Jahresgewinn ist das Resultat eines schwachen Schlussquartals. Die Commerzbank hatte bereits Anfang Februar mitgeteilt, im vierten Quartal mit rund 720 Millionen Euro überraschend tief in die Verlustzone geraten zu sein. Millionenabschreibungen auf die ukrainische Tochter Bank Forum, die die Commerzbank mit einem Verlust verkauft hatte, sowie Verlustvorträge verhagelten der Bank den Jahresschluss.

   Das Institut kann nicht mehr davon ausgehen, die gemachten Verluste mit zukünftigen Gewinnen zu verrechnen. Aus einem einfachen Grund: Es fällt viel weniger Gewinn ab als ursprünglich geplant, da die Commerzbank viele Geschäftsfelder nicht mehr betreibt. Die Einnahmen der ukrainischen Tochter etwa fallen ebenso weg wie die aus der Schiffsfinanzierung, das die Commerzbank eingestellt hat. Auch das Geschäft mit der Staatsfinanzierung wickelt die Bank ab. Entsprechend stieg die Risikovorsorge auf knapp 1,7 Milliarden Euro im Vergleich zu 1,4 Milliarden Euro im Vorjahr. Auch 2013 wird die Risikovorsorge weiter steigen, wenn auch nur leicht.

   Zudem wirft auch das laufende Geschäft nicht mehr so viel ab wie erhofft. Selbst das traditionell gut laufende Geschäft mit dem Mittelstand wird sich wegen der Konjunkturabschwächung voraussichtlich verlangsamen. Die Retailbank wird im Zuge des Umbaus 2013 voraussichtlich rote Zahlen schreiben. Nun läuft die Genesungskur der Commerzbank unter dem Motto: Abspecken, wo es nur geht.

   Die Bank befindet sich seit der Übernahme der Dresdner Bank in einer Schieflage. Sie musste teilverstaatlicht werden und tausende Stellen streichen. Auch die langfristig gemachten Prognosen konnte Vorstandschef Martin Blessing nicht erfüllen.

   Blessing versucht nun durch die Schließung von Filialen, die sich nicht mehr rechnen, das Ruder umzudrehen. Seine Strategie lautet: Mehr Online, weniger Präsenz. Damit reagiert er auf die Technisierung der Welt, in der auch Bankkunden lieber Online Geschäfte abwickeln als in eine Filiale zu gehen.

   Auch andere Institute kämpfen mit gesunkenen Einnahmen. Europaweit bauen daher sowohl Privat- als auch Investmentbanken Stellen ab und versuchen, die Kosten zu senken.

   Baustellen gibt es viele: Den Banken machen strengere regulatorische Vorgaben im Zusammenspiel mit einer lahmenden Wirtschaft zu schaffen. Erschwerend kommen Kreditausfälle hinzu sowie schleppende Geschäfte im hart umkämpften Privatkundengeschäft und mittlerweile auch im Investmentbanking. Hohe Abschreibungen, für Rechtsstreitigkeiten oder den Abbau von Risiken, belasten zusätzlich.

   Mitarbeit: Ulrike Dauer

  Dow Jones Newswires

Von Madeleine Nissen

Bildquellen: Julia Schwager/Commerzbank AG
Artikel empfehlen?

Nachrichten zu Commerzbank

  • Relevant
  • Alle
  • vom Unternehmen
  • Peer Group
  • ?
Um Ihnen die Übersicht über die große Anzahl an Nachrichten, die jeden Tag für ein Unternehmen erscheinen, etwas zu erleichtern, haben wir den Nachrichtenfeed in folgende Kategorien aufgeteilt:

Relevant: Nachrichten von ausgesuchten Quellen, die sich im Speziellen mit diesem Unternehmen befassen
Alle: Alle Nachrichten, die dieses Unternehmen betreffen. Z.B. auch Marktberichte die außerdem auch andere Unternehmen betreffen
vom Unternehmen: Nachrichten und Adhoc-Meldungen, die vom Unternehmen selbst veröffentlicht werden
Peer Group: Nachrichten von Unternehmen, die zur Peer Group gehören

Analysen zu Commerzbank

  • Alle
  • Buy
  • Hold
  • Sell
  • ?
22.05.2015Commerzbank buyDeutsche Bank AG
12.05.2015Commerzbank NeutralNomura
11.05.2015Commerzbank VerkaufenDZ-Bank AG
11.05.2015Commerzbank HaltenIndependent Research GmbH
11.05.2015Commerzbank buyDeutsche Bank AG
22.05.2015Commerzbank buyDeutsche Bank AG
11.05.2015Commerzbank buyDeutsche Bank AG
08.05.2015Commerzbank buyDeutsche Bank AG
07.05.2015Commerzbank kaufenNorddeutsche Landesbank (Nord/LB)
29.04.2015Commerzbank buyHSBC
12.05.2015Commerzbank NeutralNomura
11.05.2015Commerzbank HaltenIndependent Research GmbH
11.05.2015Commerzbank NeutralCitigroup Corp.
08.05.2015Commerzbank NeutralBNP PARIBAS
30.04.2015Commerzbank NeutralGoldman Sachs Group Inc.
11.05.2015Commerzbank VerkaufenDZ-Bank AG
08.05.2015Commerzbank ReduceKepler Cheuvreux
08.05.2015Commerzbank SellJoh. Berenberg, Gossler & Co. KG (Berenberg Bank)
07.05.2015Commerzbank ReduceKepler Cheuvreux
28.04.2015Commerzbank ReduceKepler Cheuvreux
Um die Übersicht zu verbessern, haben Sie die Möglichkeit, die Analysen für Commerzbank nach folgenden Kriterien zu filtern.

Alle: Alle Empfehlungen
Buy: Kaufempfehlungen wie z.B. "kaufen" oder "buy"
Hold: Halten-Empfehlungen wie z.B. "halten" oder "neutral"
Sell: Verkaufsempfehlungn wie z.B. "verkaufen" oder "reduce"

mehr Commerzbank Analysen

Heute im Fokus

DAX schließt mit Verlust -- Dow Jones im Minus -- Kommt Apples neues iPhone früher als erwartet? -- Ifo-Geschäftsklima sinkt erstmals seit sieben Monaten -- Deutsche Bank im Fokus

US-Anleihen: Überwiegend schwächer nach Verbraucherpreisen und Yellen-Aussagen. Kein Ende der Debatte über Kohleabgabe in Sicht. Wintershall soll Interesse an Öl- und Gasassets in Libyen haben. Erneuter Streik der Amazon-Mitarbeiter in Leipzig. Fed-Chefin Yellen hält sich bei Zinswende weiter bedeckt. Bayer-Chef will Staatsgelder für Antibiotika-Forschung. IPO: Niederlande bringen verstaatlichte Bank ABN Amro an die Börse. EnBW will Windenergiefirma Prokon für 550 Millionen Euro übernehmen.
Titans

Diese Städte stellen die attraktivsten Märkte in Europa dar.

Diese Firmen zahlen Amerikas höchste Gehälter

Die 5 beliebtesten Top-Rankings

Die rasende Welt der Elektroautos

Die wundersame Welt von Google

Was verdient man bei Apple?

Die größten deutschen Kapitalvernichter

10 Patente, die Apple für die Zukunft bereithält

mehr Top Rankings

Umfrage

Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger spricht sich für die Abschaffung des Bargelds aus. Was halten Sie von diesem Vorschlag?