Der Maschinenbau bleibt in der Wohfühlzone
Trotz rückläufiger Frühindikatoren erwartet der Konjunkturexperte des Maschinenbauverbands VDMA Olaf Wortmann keinen Einbruch für die Branche. Die Gründe.
Euro am Sonntag: Herr Wortmann, der Geschäftsklima-Index des Münchner ifo-Instituts fiel stärker als erwartet. Der dritte Rückgang in Folge gilt als Signal für eine Trendwende. Wie robust ist die Inlandsnachfrage im Maschinenbau?
Olaf Wortmann: Das Ifo-Geschäftsklima ist ein wichtiger Frühindikator für unseren Inlandsabsatz. Deswegen können wir für die kommenden Monate Minusraten im Vorjahresvergleich für die Inlandsbestellungen auch nicht ausschließen. Von Januar bis Mai sank die Nachfrage aus Deutschland um neun Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Nach den aktuellen VDMA-Zahlen hat die Nachfrage aus Nicht-Euro-Ländern im Mai ihren Tiefpunkt überwunden. Kann diese Nachfrage den Rückgang innerhalb der Euro-Zone ausgleichen?
Das ist in der Tat gelungen. Die Unternehmen haben schwächere Orders aus dem Euro-Raum mit mehr Aufträgen aus Nicht-Euro-Ländern sogar überkompensieren können. So hat sich das Auftragsniveau seit Ende 2011 von Monat zu Monat leicht erhöht. Die deutschen Maschinenbauer machen 56 Prozent ihrer gesamten Umsätze mit Nicht-Euro-Ländern und die Nachfrage aus diesen Ländern ist im Kurvenverlauf wieder angestiegen. Dazu dürften die USA und einige lateinamerikanische und asiatische Länder maßgeblich beigetragen haben. Auch osteuropäische Länder wie Ungarn, Tschechien oder die Slowakei bleiben stark. Für einen störungsfreien Aufschwung sind die Unsicherheiten rund um die Staatsschuldenkrise allerdings zu groß. Die weitere konjunkturelle Entwicklung wird daher holprig verlaufen.
Was bedeutet das für die Jahresprognose des VDMA?
Von Januar bis Mai lag das Plus in der Produktion deutscher Maschinen und Anlagen bei 4,3 Prozent gegenüber Vorjahr. Im Juli waren die Produktionskapazitäten zu 86,7 Prozent ausgelastet. Das liegt leicht über dem langjährigen Branchendurchschnitt. Damit bleibt der deutsche Maschinenbau zunächst in der Wohlfühlzone. Wir stellen uns für die zweite Jahreshälfte auf die ein oder andere Minusrate in der Produktion ein. Der bisherige Bestelleingang war im Vorjahresvergleich insgesamt leicht rückläufig. Es bleibt deshalb bei der bisherigen Prognose: Nullwachstum für die Produktion im Gesamtjahr 2012.
Wie entwickeln sich die Exporte in große, hoch verschuldete Länder wie Italien und Spanien?
Die Exporte nach Italien gingen um zwei Prozent zurück, Spanien legte sogar um zwei Prozent zu. Insgesamt hat der Export deutscher Maschinenbauer in die Euro-Zone bis Ende Mai um sechs Prozent zugelegt. Damit hält sie sich bisher sehr gut. Für das zweite Halbjahr rechnen wir jedoch mit einer schwächeren Entwicklung, den die Geschäftsaussichten haben sich eingetrübt. Allerdings dürfte es für die Ausfuhr in einige für den deutschen Maschinenbau wichtigen Kundenländer in der Euro-Zone wie Frankreich, Österreich, Belgien oder Niederlande weiterhin Wachstumschancen geben.
Die Sorgen um Griechenland sind zuletzt wieder gestiegen. Welche Folgen hätte ein Austritt des Landes für die Branche?
Griechenland steht für nur 0,2 Prozent der deutschen Maschinenexporte. So gesehen kann unsere Branche das Geschehen insgesamt gelassen betrachten. Den generellen Folgen eines Ausscheidens Griechenlands für die Stabilität der Finanzmärkte und die internationale Konjunkturentwicklung könnten wir uns natürlich nicht entziehen. Ob diese Folgen überwiegend negativ wären, ist keineswegs ausgemacht. Der Abschied Griechenlands vom Euro könnte sich auch als Befreiungsschlag für alle erweisen.
Obwohl sich Banken günstig refinanzieren werden Firmenkredite immer weniger in Anspruch genommen. Wie stark wird das Wachstum der Unternehmen davon beeinflusst?
Kaum. Der zyklische Investitionsboom ist ausgelaufen, es werden zur Zeit wenig neue Kapazitäten aufgebaut. Dazu kommt, dass sich der Trend zur Innenfinanzierung verstärkt hat. Die Firmen fahren ihre Abhängigkeit von Banken beständig zurück.
Erwarten Sie eine Zunahme der Insolvenzen als Folge der Euro-Krise?
Nein. Die meisten Firmen stehen auch finanziell gut da. Für das erste Halbjahr erwarten wir weniger als hundert Insolvenzen. Da in der Insolvenzstatistik alle Unternehmen unabhängig von ihrer Größe erfasst werden, muss die Zahl der Insolvenzen auch auf alle Unternehmen bezogen werden. Im Maschinenbau sind das über 20.000. Die Insolvenz-Quote liegt fast auf einem historisch niedrigen Niveau.








