20.11.2012 18:48
Bewerten
 (0)

ACS-Manager Verdes wird neuer HOCHTIEF-Chef

Keine Zerschlagung geplant
ACS nimmt HOCHTIEF enger an die Leine: Der langjährige ACS-Manager Marcelino Fernandez Verdes übernimmt mit sofortiger Wirkung das Ruder beim Baukonzern HOCHTIEF. Weitere Pläne.
Der Aufsichtsrat des Essener Baukonzerns stimmte seiner Berufung zum Vorstandsvorsitzenden zu. Verdes übernimmt den Posten von Frank Stieler, der am Samstag überraschend seinen Rückzug angekündigt hatte.

Der spanische Baukonzern ACS, der etwas über 54 Prozent an HOCHTIEF hält, verstärkt damit seine Macht bei den Essenern. Verdes, der zuvor im HOCHTIEF-Vorstand das Amerika-Geschäft verantwortet hat, gilt als enger Vertrauter des ACS-Chefs Florentino Perez. Auch der Chefsessel im Aufsichtsrat wird neu besetzt. Thomas Eichelmann wird Manfred Wennemer nachfolgen, der sein Amt zum Jahresende aufgibt.

Verdes kündigte in einer ersten Stellungnahme an, den Baukonzern verstärkt auf Wirtschaftlichkeit trimmen zu wollen. "Meine Priorität für die kommenden Jahre ist es, die Profitabilität zu erhöhen und das nachhaltige Wachstum von HOCHTIEF fortzusetzen", sagte der Manager. "Wir müssen die Zusammenarbeit innerhalb von HOCHTIEF stärken und unsere Wettbewerbsfähigkeit steigern."

Dabei soll auch das Unternehmen selbst unter die Lupe genommen werden. Der Aufsichtsrat trat jedoch Spekulationen entgegen, HOCHTIEF könne zerschlagen werden. Zwar würde das Gremium zusammen mit dem Vorstand innerhalb der kommenden drei bis vier Monate "die Strategie für den Konzern weiterentwickeln". Eine Zerschlagung oder eine Filetierung sei jedoch kein Element davon. HOCHTIEF bleibe ein börsennotiertes deutsches Unternehmen mit Sitz in Essen.

Nach dem unerwarteten Abgang Stielers am Wochenende waren Spekulationen ins Kraut geschossen, die Rochade im HOCHTIEF-Management könnte der Auftakt für einen tiefgreifenden Umbau sein. Befürchtungen, HOCHTIEF könnte zerschlagen werden, gibt es bereits seit dem Übernahmekampf, an dessen Ende ACS Anfang vergangenen Jahres die Mehrheit an HOCHTIEF erreichte. Als warnendes Beispiel wurde immer der spanische Baukonzern Dragados genannt, an dem ACS zunächst einen Anteil und später die Mehrheit übernahm und der letztendlich filetiert wurde.

Die hochverschuldeten Spanier schreiben Verluste und benötigen dringend Geld. Mit der Übernahme von HOCHTIEF hatte sich ACS eigentlich unabhängiger vom Heimatmarkt machen und das internationale Geschäft ausbauen wollen. Der Baukonzern hat sich noch nicht von der geplatzten Immobilienblase in Spanien erholt und die Geschäfte zu Hause laufen im Zuge der Eurokrise weiter mehr schlecht als recht. Zudem verspekulierte sich das Unternehmen mit einer Beteiligung am spanischen Energiekonzern Iberdrola.

Analysten hielten es daher für möglich, dass ACS nun versuchen würde, Zugriff auf die Kasse von HOCHTIEF zu bekommen. Auch ein Verkauf von HOCHTIEF-Vermögensteilen sahen sie als wahrscheinlich an. Im Mittelpunkt der Begehrlichkeiten sahen sie die australische Leighton oder Töchter in den USA.

Für ACS hat sich die Übernahme bislang nicht so ausgezahlt wie gedacht, wofür es gleich mehrere Faktoren gab. Stieler scheiterte etwa wie sein Vorgänger Herbert Lütgestratkötter damit, das Geschäft mit Flughafenbeteiligungen zu versilbern, da Interessenten nicht die geforderten Preise zahlen wollten. Auch die Immobilientochter Aurelis wurde er nicht los. Damit entgingen HOCHTIEF Milliardenerlöse.

Und dann verhob sich die wichtigste Ertragsperle, die australische Tochter Leighton, mit zwei Milliardenprojekten, musste darauf hohe Abschreibungen und eine Kapitalerhöhung vornehmen. Das bescherte HOCHTIEF im vergangenen Jahr selbst hohe Verluste, die Dividende wurde gestrichen. Dann kämpfte der MDAX-Konzern mit Verzögerungen für den Bau der Hamburger Elbphilharmonie und musste Rückstellungen darauf vornehmen.

Der Aktienkurs von HOCHTIEF ist seit der Übernahme durch ACS deutlich gefallen, die Papiere nur noch fast die Hälfte wert. Der Wertverlust ist schmerzlich für ACS, ebenso wie die fehlenden Ergebnisbeiträge, mit denen die Spanier, die HOCHTIEF in ihrer Bilanz konsolidieren, eigentlich gerechnet hatten.

Zuletzt ging es jedoch wieder aufwärts bei HOCHTIEF. Das Unternehmen schrieb im dritten Quartal schwarze Zahlen und konnte auch den im ersten Halbjahr aufgelaufenen Verlust ausgleichen. Leighton hat die Schwierigkeiten mittlerweile verdaut. Die zwei Problemprojekte, eine Mautautobahn nahe Brisbane sowie eine Entsalzungsanlage in Victoria, sind mittlerweile fertiggestellt oder weit fortgeschritten. Die Australier haben bei HOCHTIEF wieder ihre Rolle als Gewinnbringer eingenommen. Zweitgrößter Ertragsgarant, wenn auch mit deutlichem Abstand, ist das Geschäft in Nordamerika.

Dagegen fällt das Geschäft von HOCHTIEF Europe ab. Hier sind alle europäischen Aktivitäten gebündelt, Bau, Projektentwicklung, Dienstleistungen und die öffentlich-privaten Partnerschaften. Das Geschäft entwickelt sich hier derzeit schlechter als erwartet und der Bereich analysiert. Beschlüsse gibt es HOCHTIEF zufolge jedoch noch nicht. Medienberichten zufolge könnten 700 Stellen gestrichen werden.

Kontakt zum Autor: natali.schwab@dowjones.com

  DJG/nas/sha  Dow Jones Newswires   November 20, 2012 11:01 ET (16:01 GMT)  Copyright (c) 2012 Dow Jones & Company, Inc.- - 11 01 AM EST 11-20-12 Von Natali Schwab

Nachrichten zu HOCHTIEF AG

  • Relevant
  • Alle
  • vom Unternehmen
  • Peer Group
  • ?

Um Ihnen die Übersicht über die große Anzahl an Nachrichten, die jeden Tag für ein Unternehmen erscheinen, etwas zu erleichtern, haben wir den Nachrichtenfeed in folgende Kategorien aufgeteilt:

Relevant: Nachrichten von ausgesuchten Quellen, die sich im Speziellen mit diesem Unternehmen befassen

Alle: Alle Nachrichten, die dieses Unternehmen betreffen. Z.B. auch Marktberichte die außerdem auch andere Unternehmen betreffen

vom Unternehmen: Nachrichten und Adhoc-Meldungen, die vom Unternehmen selbst veröffentlicht werden

Peer Group: Nachrichten von Unternehmen, die zur Peer Group gehören

Analysen zu HOCHTIEF AG

  • Alle
  • Buy
  • Hold
  • Sell
  • ?
21.09.2016HOCHTIEF HoldJoh. Berenberg, Gossler & Co. KG (Berenberg Bank)
16.09.2016HOCHTIEF HoldJoh. Berenberg, Gossler & Co. KG (Berenberg Bank)
31.08.2016HOCHTIEF ReduceCommerzbank AG
19.08.2016HOCHTIEF HaltenNorddeutsche Landesbank (Nord/LB)
19.08.2016HOCHTIEF HaltenBankhaus Lampe KG
28.07.2016HOCHTIEF buyS&P Capital IQ
11.03.2016HOCHTIEF kaufenBankhaus Lampe KG
01.03.2016HOCHTIEF buySociété Générale Group S.A. (SG)
29.02.2016HOCHTIEF kaufenBankhaus Lampe KG
26.02.2016HOCHTIEF kaufenDZ-Bank AG
21.09.2016HOCHTIEF HoldJoh. Berenberg, Gossler & Co. KG (Berenberg Bank)
16.09.2016HOCHTIEF HoldJoh. Berenberg, Gossler & Co. KG (Berenberg Bank)
19.08.2016HOCHTIEF HaltenNorddeutsche Landesbank (Nord/LB)
19.08.2016HOCHTIEF HaltenBankhaus Lampe KG
29.07.2016HOCHTIEF HaltenDZ-Bank AG
31.08.2016HOCHTIEF ReduceCommerzbank AG
12.08.2016HOCHTIEF ReduceKepler Cheuvreux
28.07.2016HOCHTIEF ReduceCommerzbank AG
17.06.2016HOCHTIEF UnderperformMerrill Lynch & Co., Inc.
18.05.2016HOCHTIEF ReduceCommerzbank AG
Um die Übersicht zu verbessern, haben Sie die Möglichkeit, die Analysen für HOCHTIEF AG nach folgenden Kriterien zu filtern.

Alle: Alle Empfehlungen
Buy: Kaufempfehlungen wie z.B. "kaufen" oder "buy"
Hold: Halten-Empfehlungen wie z.B. "halten" oder "neutral"
Sell: Verkaufsempfehlungn wie z.B. "verkaufen" oder "reduce"

mehr Analysen
Anzeige
Börse Stuttgart Anlegerclub
Unterschätzte Aktienperlen
Peter Lynch wurde als Fondsmanager des Magellan Fonds zu einer Legende. Er erzielte im Zeitraum 1977 bis 1990 eine durchschnittliche jährliche Rendite von 29,2%. Eines seiner Erfolgsgeheimnisse: Lynch setzte auf einfache und verständliche Geschäftsmodelle und bevorzugt dann, wenn sie für die meisten anderen Börsianer als langweilig erschienen. In der neuen Ausgabe des Anlegermagazins werden drei Unternehmen vorgestellt, die solche unterschätzte Aktienperlen sein könnten.

Heute im Fokus

DAX rutscht ab -- ifo-Geschäftsklima hellt sich auf -- Deckte Winterkorn Manipulationen? -- LANXESS will Chemtura übernehmen -- Deutsche Bank-Aktie auf Rekordtief: Merkel will nicht helfen

K+S-Aktie verliert - Deutsche Bank stuft K+S auf "Sell" ab. Oculus-Gründer bedauert Folgen der Unterstützung für Trump. Aareal Bank zu weiteren Übernahmen bereit. NRW-Finanzbehörden nehmen internationale Banken ins Visier. Feuer auf Öltanker vor Mexikos Küste.
Das sind die reichsten Nichtakademiker in Europa
Diese Aktien stehen auf den Kauflisten der Experten
Der Gehaltsreport

Die 5 beliebtesten Top-Rankings

Die Eigenzulassungen 2015
Diese Firmen sind innovativ
In diesen Städten stehen Sie am längsten im Stau
Das sind die besten Universitäten
Die wertvollsten Marken 2016
mehr Top Rankings

Umfrage

Kanzlerin Merkel will der Deutschen Bank im Streit mit der US-Justiz nicht helfen. Was halten Sie von dieser Einstellung?