06.06.2013 06:59
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Kommission plant EU-Aufsicht für Skandalzins Libor

   Von Tom Fairless

   BRÜSSEL--Nach dem großen Libor-Manipulationsskandal will die Europäische Kommission sämtliche wichtigen europäischen Interbankenzinsen unter europäische Aufsicht stellen. Wie die Kommission am Mittwoch vorschlug, sollen die London Interbank Offered Rate (Libor), der Euribor und andere "kritische Leitmarken der Union" künftig unter die Kontrolle der Europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) fallen.

   Bis vor kurzem war der Interbankenzins Libor noch komplett unreguliert, was ihn anfällig für Manipulation von Banken gemacht hat. Im vergangenen Jahr verabschiedete die britische Regierung ein neues Gesetz, wonach die Zinsrate seit kurzem unter der Aufsicht der britischen Finanzmarktbehörde Financial Conduct Authority steht. Diese prüft nun auch die Angaben, die Banken regelmäßig zu ihren geschätzten Refinanzierungskosten untereinander machen.

   Nach Angaben gut unterrichteter Personen ist es unwahrscheinlich, dass die britische Regierung dem Kommissionsvorschlag in der jetzigen Form und einer europäischen Aufsicht zustimmen wird. Das britische Finanzministerium wollte sich dazu nicht äußern.

   EU-Vertreter, darunter auch der EU-Kommissar für Binnenmarkt und Dienstleistungen, Michel Barnier, haben mehrfach gefordert, den Euribor und andere Leitgrößen unter EU-Aufsicht zu stellen. Barnier will nun "ein Rahmenwerk" errichten, um diese Referenzzinssätze zu kontrollieren. Es soll auch "Sanktionen für die Nichtbeachtung geltender Grundsätze" geben, sagte Barnier in einer Stellungnahme.

   Er warnte davor, dass "Zweifel an der Präzision und Integrität von Referenzindizes das Vertrauen der Märkte unterwandern könnten und Verbrauchern und Investoren wichtige Verluste verursachen sowie der Realwirtschaft schaden könnten".

   Der Euribor bleibt nach wie vor im Prinzip unreguliert, aber der europäische Bankenverband European Banking Federation, der die Rate zurzeit verwaltet, hat sich bereits offen gezeigt für eine Kontrolle durch eine europäische Behörde. Am Mittwoch hatte die Zeitung Financial Times erstmals über den Vorstoß berichtet.

   (Diesen Bericht und weitere tiefergehende Meldungen und Analysen zu aktuellen Wirtschafts- und Finanzthemen finden Sie auf WSJ.de, dem deutschsprachigen Online-Angebot des Wall Street Journal.)

   Kontakt zum Autor: konjunktur.de@dowjones.com

   DJG/WSJ/apo

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