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26.06.2010 06:00

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KOPF DER WOCHE

Goldman Sachs-Indienstratege: „Mehr Rendite als in anderen Ländern“



Prashant Khemka, Indien-Chefinvestmentstratege für die US-Bank Goldman Sachs
Trotz Sparquoten von über 35 Prozent geben Inder mehr Geld für Konsum aus. Wie die Wirtschaft des Landes tickt, weiß Prashant Khemka. Der Inder ist in seiner Heimat Chefinvestmentstratege der US-Bank Goldman Sachs.

von Klaus Schachinger, Euro am Sonntag

Prashant Khemka ist in seiner Heimat Indien Chefinvestmentstratege für die US-Bank Goldman Sachs. Auf seinem jüngsten Flug nach München traf er zufällig den Gründer und Chef einer der größten Holzverarbeitungsunternehmen in Indien. „Sicher hätte der Mann, von dem ich das Holz für mein Haus in Indien gekauft habe, sich auch locker ein Businessclass-Ticket leisten können. Dennoch flog er Economy“, erzählt Khemka.

Der Banker sagt das mit Stolz über den Unternehmer: „Der Mann setzt damit die Standards für die anderen Manager in seinem Unternehmen.“ Kostendisziplin sei bei eigentümergeführten Konzernen in Indien oberste Tugend. Unternehmer und deren Familien hätten bei den meisten börsennotierten Konzernen in Indien noch immer das Sagen. „In dieser Hinsicht ist die indische Wirtschaft dort, wo Länder wie die USA oder Deutschland vor 100 Jahren waren“, sagt Khemka Er meint es positiv. Der starke Einfluss der Familien trage dazu bei, dass Firmenkapital sehr effizient investiert werde.

Euro am Sonntag: Herr Khemka, wie stark wird der Abbau der indischen Konjunkturprogramme die Konjunktur nach Überwindung der globalen Wirtschaftskrise jetzt bremsen?
Prashant Khemka: Während der globalen Wirtschaftskrise lag der Tiefpunkt des Wachstums der indischen Wirtschaft im Vorjahresvergleich über alle Quartale hinweg bei 5,8 Prozent. 2009, im schlimmsten Jahr der Krise, waren es 6,7 Prozent. Aktuell sind es wieder zwischen acht und zehn Prozent. Eine starke Phase also, in der Überschüsse angehäuft werden. Deshalb wird der Auslauf der Förderungen eine untergeordnete Rolle spielen. Die Auswirkungen werden durch das Wachstum aufgefangen und sind in den Prognosen für 2011 bereits berücksichtigt..

 

Allerdings soll auch der Leitzins bis Jahresende kräftig angehoben werden. Im Vergleich zum Jahresbeginn könnten es bis zu 300 Basispunkte mehr werden, sagen Experten voraus.
Über einen Zeitraum von zwölf bis 18 Monaten könnte der Leitzins um 200 und 300 Basispunkte, also um zwei bis drei Prozentpunkte, steigen. Seit Jahrsbeginn wurde der Zins bereits um einen halben Prozentpunkt angehoben. Diese Schritte führen jedoch von dem sehr niedrigen Zinsniveau während der Krise auf ein normales Maß zurück, das für eine Volkswirtschaft wünschenswert ist, die auch weiter stark zulegen wird.

Wie stark wird die Aufwertung der Rupie das Exportgeschäft belasten?
Der Einfluss wird auf wenige Branchen beschränkt sein. Der prozentuale Exportanteil an der Wirtschaftsleistung Indiens ist verglichen mit den meisten anderen asiatischen Ländern, wesentlich geringer. So waren zwischen 2003 und 2007 knapp zwanzig Prozent Aufwertung der Rupie gegenüber dem Dollar bei acht bis zehn Prozent jährlichem Wirtschaftswachstum kaum zu spüren. Wir erwarten, dass es trotz einer weiteren Aufwertung der Rupie, so bleibt.

Zuletzt gab es häufiger Expansionsversuche indischer Konzerne in ausländische Märkte, bei Rohstoffen oder in der Telekommunikation, wo Bharti Airtel in Südafrika eine Fusion mit MTN anstrebt. Bietet der indische Milliardenmarkt nicht mehr ausreichend großes Potenzial?
Nein. Die Möglichkeiten für Wachstum sind für die meisten indischen Unternehmen im Heimatmarkt weiterhin am größten – allerdings mit einigen Ausnahmen. Und dazu gehört der Telekommunikationssektor.

Warum?
Trotz des starken Wachstums im Telekommunikationssektor ist die Anzahl der Wettbewerber zu hoch, um dort ausreichend hohe Renditen zu erwirtschaften. Mit einem Zukauf im Ausland versucht Bharti Airtel nach unserer Einschätzung, sein Engagement in profitablere Märkte auszudehnen.


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Die vor Kurzem beendete Versteigerung von Lizenzen für schnellen Mobilfunk (UMTS) hat der indischen Regierung mit knapp 23 Milliarden Dollar das Dreifache der zuvor geschätzten Einnahmen eingebracht. Wird die mobile Datennutzung mit Smartphones in Indien jetzt ähnlich stark steigen wie in anderen Ländern?
Über einen gewissen Zeitraum hinweg kann das so kommen. Sprache und Kurznachrichten (SMS) werden den Unternehmen in Indien jedoch auf absehbare Zeit weiterhin die meisten Einnahmen bringen. Solange sich sechs bis zehn Unternehmen in jeder Stadt den Markt teilen, wird es für die Konzerne schwierig werden, Erträge zu erwirtschaften, die ihre Kapitalkosten decken. Höhere Profitabilität ist erst dann möglich, wenn es nicht mehr als drei bis fünf Wettbewerber gibt.

Also wird der schnelle Mobilfunk wie etwa in den USA jetzt zu Übernahmen führen?
Das wäre aus Sicht einer höheren Profitabilität erstrebenswert. Allerdings ist die Regulierung des Markts eine Hürde auf dem Weg dahin. Außerdem verhindert das starke Ego der Gründerfamilien mögliche Fusionen.

Zumindest gibt es aber, anders als bei der Einführung von UMTS in Europa, bereits Handys, die mobiles Surfen im Internet einfach machen. Könnte dies eine schnelle Verbreitung im bevölkerungsreichen Indien bewirken?
Ich würde nicht so schnell damit rechnen. Vor Kurzem fragte mich jemand, ob der Mangel an günstigen Smartphones mit Zugang zum Breitbandinternet die Produktivität indischer Unternehmen schwächen könnte. Ich musste lachen. Das wäre so, als ob man sich Sorgen darüber machte, dass die in Indien noch nicht so stark verbreiteten Klimaanlagen oder Waschmaschinen das Wirtschaftswachstum bremsen, während zunehmend mehr Inder Ventilatoren oder Glühbirnen kaufen. Es gibt in Indien wesentlich größere Stellschrauben für die Erhöhung der Produktivität und des Wirtschaftswachstums als Smartphones.

Schwierigkeiten mit der Profitabilität scheint es in Indien auch im Einzelhandel, bei Metro, Carrefour und anderen Ketten zu geben. Während der Krise schlitterten die indischen Konzerne durch die Kaufzurückhaltung der Kundschaft schnell in die roten Zahlen.
Das lag weniger an der Kaufzurückhaltung der Inder als an der Zählebigkeit und Konkurrenzstärke der indischen Tante-Emma-Läden. Die Besitzer, ihre Familien und deren Angehörige arbeiten sieben Tage pro Woche von morgens bis spätnachts in den kleinen Läden. Meistens besitzen sie auch das Grundstück und die Immobilie. Also zahlen sie keine Miete. Gerade die Mieten sind während der vergangenen Jahre kräftig gestiegen, weil es in Indien für den Einzelhandel -bisher nur wenige hochwertige Flächen gibt. Die Familienunternehmen sind kostenbewusst und werden von großem Arbeitseifer angetrieben. Damit haben sie trotz geringer Größe und Marktpräsenz einen großen Vorteil gegenüber Konzernen.

Bildquellen: Wolfgang Kriegbaum
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