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26.06.2010 06:00

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KOPF DER WOCHE

Goldman Sachs-Indienstratege: „Mehr Rendite als in anderen Ländern“


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Wie hoch ist die Eigentümerquote bei börsennotierten Unternehmen in Indien?
Im Durchschnitt sind es 55 Prozent, häufig aber 70 bis 90 Prozent. In dieser Hinsicht ist Indien in der Entwicklung der Eigentumsverhältnisse erst dort, wo Länder wie die USA oder Deutschland vor 100 Jahren waren. Allerdings trägt der starke Einfluss der Gründerfamilien auch dazu bei, dass Kapital dort sehr effizient investiert wird. Die Kapitalrenditen börsennotierter indischer Unternehmen sind höher als in anderen Ländern. Die durchschnittliche Rendite liegt seit 1995 bei 18 Prozent. In den anderen Ländern, auch in -Industrieländern, sind es im besten Fall zwölf Prozent.

Das indische Bankensystem hat die Wirtschaftskrise gut überstanden. Zudem haben Banken im Vergleich zu anderen Ländern großen Einfluss auf die Preise in der Finanzbranche. Warum?
Der Zuwachs des verfügbaren Einkommens der indischen Bevölkerung ist deutlich höher als das starke Wirtschaftswachstum. Das Geschäft der Banken legt deshalb ebenfalls stärker zu als das Bruttoinlandsprodukt Indiens. Zudem sind die Zutrittsbarrieren in den Markt hoch. Die Zentralbank hat in den vergangenen zehn Jahren keine Banklizenzen vergeben, obwohl es in Indien immer noch zu wenig Banken gibt. Das erklärt aber die starke Preismacht der Institute. Zudem sind ihre Kapitalrenditen im Vergleich zu den moderaten Risiken in den Bilanzen sehr hoch.

Und das alles funktioniert stabil und gut, weil Indien mit Banken unterversorgt ist?
Ja. Die indische Notenbank stellt sehr hohe Anforderungen an die Ausstattung der Institute mit Eigenkapital. Kompromisse durch höhere Kredithebel zulasten der Qualität der Bilanzwerte werden nicht geduldet. Das ist auch einer der Gründe, warum das indische Bankensystem die Wirtschaftskrise gut überwunden hat.

Wie ist es möglich, dass der Konsum in Indien trotz der hohen Sparquote von 35 bis 40 Prozent künftig wesentlich mehr zum Wachstum der Wirtschaft beitragen soll?
Das verfügbare Einkommen der Bevölkerung steigt jährlich um 15 Prozent, deutlich stärker als das Bruttoinlandsprodukt. Von diesem Zuwachs wird ein großer Teil in langlebige Wirtschaftsgüter wie Autos oder Immobilien investiert. In Industrieländern ist die Bremswirkung der hohen Sparquoten auf den Konsum wesentlich stärker, weil das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts dort nur noch sehr gering ist.

Bis 2020 sollen sich die Investitionen in Indiens Infrastruktur auf 1,5 Billionen Dollar verdoppeln. Vor dem Ausbruch der globalen Wirtschaftskrise hatte Indien über den Finanzplatz London versucht, dafür auch Kapital von Finanzinvestoren zu bekommen. Woher soll das Geld jetzt kommen?
Wegen der hohen Sparquoten gehen wir davon aus, dass indische Versicherungen, Fondsgesellschaften und Banken mehr Geld in die Finanzierung von Projekten lenken werden. Und solange die Wirtschaft ihr hohes Tempo halten kann, sehen wir keine Anzeichen dafür, dass ausländisches Kapital angesichts der hohen Investmentrenditen in Indien knapp werden könnte.

Trotzdem bleibt die unzureichende Infrastruktur eine Bremse für das Wachstum.
Es ist wichtig, nicht immer nur die Probleme zu sehen, sondern auch Tempo und Richtung, wie sich Probleme und Hindernisse auflösen. Beginnend mit dem Bau neuer Flughäfen, die den internationalen Standards entsprechen, bis zur Entwicklung des Sports zum Wirtschaftszweig ist viel in Bewegung.

Sport ist in Indien ein Wirtschaftszweig?
Ja. Zumindest Cricket. Während der 80er-Jahre mussten indische Profisportler in England spielen, um ausreichend zu verdienen. Heute kommen ausländische Spieler in die indische Premier League, weil sie dort weltweit am meisten verdienen. Finanziert wird das durch den Werbemarkt, der durch mehr als 300 TV-Kanäle, darunter zahlreiche Sportkanäle, inzwischen ein schnell wachsenden Geschäft mit Umsätzen im Milliardenbereich ist.

Im Verhältnis zu den Industrieländern aber auch zu China, hat Indien eine junge Bevölkerung. Wie stark beeinflusst dieser demographische Faktor die Wirtschaftsleistung des Landes?
Sehr positiv. Denn Indien hat eine sehr junge Bevölkerung. Und von 300 Millionen Menschen, die während der nächsten zehn Jahre die erwerbstätige Bevölkerung global erhöhen werden, kommen zwei Drittel, also 200 Millionen Menschen in Indien dazu.

Vita Prashant Khemka

Goldman Sachs Chefstratege für Indien
Der gebürtige Inder kam vor zehn Jahren zu Goldman Sachs. Bis 2006 war Khemka als Portfoliomanager Kochef des Goldman-Sachs-Fonds-Teams für Wachstumsmärkte. Er studierte an der Uni in Bombay Maschinenbau. Für seine Fachkenntnisse als Analyst wurde Khemka von der Owen Graduate School of Management mit dem Matt Wiggington Leadership Award ausgezeichnet.

Bildquellen: Wolfgang Kriegbaum
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