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aktualisiert: 19.10.2011 11:37

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KOPF DER WOCHE

Mike Volpi: Facebook ist eine Ausnahme

Facebook zu myNews hinzufügen Was ist das?



Mike Volpi, Index Ventures
Mike Volpi ist als Investor ständig auf der Suche nach neuen Tech-Trends. Ein Gespräch über den Hype im Internet und das Duell Google gegen Apple.

von Klaus Schachinger, €uro am Sonntag

Index Ventures tut dieser Tage das, was zum Geschäftsmodell der Firma gehört. Geld ausgeben. Vor wenigen Tagen hat die Schweizer Risikokapitalfirma zusammen mit anderen Investoren zwei Millionen Dollar für die Berliner Firma Amen lockergemacht. Und das, obwohl es noch kein vorzeigbares Produkt gibt. Amen will im Internet eine Meinungsplattform aufbauen. Immerhin, im Firmenteam sind Topleute wie Florian Weber, ­einer der früheren Chefentwickler des ultraerfolgreichen Mikrobloggingdienstes Twitter. „Auch europäische Firmen werden die Entwicklung in Web-Märkten wie Soziale Netzwerke prägen“, sagt Index-Ventures-Mann Mike Volpi.

Seit 2009 arbeitet der Ex-Strategiechef von Cisco für die 1996 gegründete Venture-Capital- Firma, die 1,5 Milliarden Euro Vermögen verwaltet. Volpi spürt Wachstumsfirmen auf in der Hoffnung, sie später teuer verkaufen zu können. Zum Portfolio gehörte auch eine Beteiligung am Internettelefonieanbieter Skype, dessen Verkauf an Microsoft für 8,5 Milliarden Dollar als profitabelster Deal der Private-Equity-Branche gilt. Die 2008 gegründete Firma Cloud.com, ein Spezialist für Datenspeichertechnologie im Web, wurde vor wenigen Tagen für geschätzte 200 bis 250 Millionen Dollar an den Citrix-Konzern verkauft.

€uro am Sonntag: Herr Volpi, bis Sie Cisco 2007 verließen, haben Sie über 70 Übernahmen verantwortet. Was hat sich seitdem geändert?
Mike Volpi:
Eines der großen Themen ist heute das mobile Web. Im Vergleich zum Internet mit festen Datenleitungen ist das ein größeres und breiteres Universum für Wachstumsfirmen. Die Folge ist, dass sogar Unternehmen, die nicht an der Börse notiert sind, eine Größe und Position erreichen, die es ihnen erlaubt, selbst Firmen zu kaufen. Das beste Beispiel sind Soziale Netzwerke (Social Web) mit Branchenführer Facebook. Bis nach der Jahrtausendwende konnten Firmen außerhalb der Börsen nicht in diese Dimensionen wachsen.


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Es gibt also jenseits der Börsen ausreichend Kapital, um Firmen länger zu finanzieren?
Ja, es steht sehr viel Geld zur Verfügung. Wie stark das in Zusammenhang mit den Turbulenzen an den Börsen steht oder ob Investoren über Firmenbeteiligungen generell breiter investieren wollen, kann ich allerdings nicht sagen.

Das erklärt auch Facebooks Wachstum zu einem Konzern mit fast 10 000 Mitarbeitern binnen weniger Jahre?
Nein. Die Position im Markt und die Größe, die Facebook erreicht hat, bedeuten nicht, dass andere Unternehmen Ähnliches erreichen ­können. Weil das vielen Firmengründern klar ist, vor allem bei Sozialen Netzwerken, gehen nun immer mehr an die Börse, um dort Geld einzusammeln. Dass sich Facebook abseits der Börse genauso gut finanzieren kann wie als börsennotiertes Unternehmen ist eine seltene Ausnahme.

Wenn sich Facebook mit einem jetzt schon ähnlich profitablen Geschäftsmodell wie Google außerhalb der Börse sehr gut finanzieren kann, warum will man dann schon bald an die Börse?
Bei Facebook geht es beim IPO wohl vor allem darum, den Handel mit Mitarbeiteraktien zu verbessern, der außerbörslich umständlich geworden ist.

Ist die Zeit, die für den Aufbau einer Marke benötigt wird, ein Grund dafür, dass Firmen längere Zeit der Börse fernbleiben?
Nein. Eine börsennotierte Firma muss mehr Bürokratie bewältigen. Außerdem wird erwartet, dass die Quartalsberichte zumindest die Erwartungen des Marktes erfüllen, am besten sogar übertreffen. Das Geschäftsmodell muss deshalb gut eingespielt sein, sodass gute Ergebnisse auch über einen längeren Zeitraum erreicht werden. Auch hier glaube ich, dass Facebook als künftig börsennotierte Firma die größte Erfolgsstory schreiben wird. Bei Firmen, die statt einem Börsengang verkauft werden, ist es oft so, dass die Eigner Bedenken haben, nach dem IPO längere Zeit ausreichend stabile Gewinne und Umsätze einzufahren.

Die horrenden Bewertungen von Facebook und Co sagen uns doch vor allem eines: Wir sehen eine neue Spekulationsblase.
Schwer zu sagen. Social-Web- Firmen sind hoch bewertet. In anderen Märkten sehe ich das nicht.

Sie haben vor Kurzem gesagt, dass Googles Betriebssystem Android auf Smartphones und Tablets eine ähnlich ­dominante Rolle spielen wird wie Microsofts Windows-Betriebssystem auf Computern. Investiert Index Ventures bevorzugt in Firmen, die Apps für Android-Geräte schreiben?
Nein. Wir investieren sowohl in Firmen, die Software für Android entwickeln, als auch in jene, die Mini­programme (Apps) für Apple-Geräte schreiben.

Warum?
Die Strategien von Google und Apple unterscheiden sich stark. Android ist ein offenes, lizenzfreies Betriebssystem, während Apple seine Software vollständig kontrolliert. Weil Android mit über 36 Prozent Marktanteil das führende Smartphone-Betriebssystem ist, hat eine Firma, die sich zum Beispiel auf ­Sicherheitssoftware für Android-Handys spezialisiert, gute Chancen, diesen Markt schneller als Konkurrenten aus der PC-Welt zu erobern.

Wie viel Platz bleibt für die Konkurrenz von Apple und Google in der Welt der Betriebssysteme für die begehrten Apps?
Nicht sehr viel. Die Frist, in diesem Markt noch eine lukrative ­Nische zu besetzen, läuft bald ab. Microsoft hat durch seine Allianz mit Nokia noch eine Chance. Allerdings nur dann, wenn das Betriebssystem von Firmen, die Miniprogramme (Apps) entwickeln, ausreichend unterstützt wird. Das Gleiche gilt für den Blackberry-Hersteller Research in Motion (RIM). RIM hat zwar eine sehr loyale und immer noch große Kundschaft, allerdings wächst sie kaum noch. Für den Erfolg in der App-Welt ist entscheidend, wie groß und wie vielfältig die Entwickler­gemeinde für das jeweilige Betriebssystem ist. Diese Prüfung haben Microsoft und RIM aus meiner Sicht noch nicht bestanden.

Apple hat im PC-Markt gezeigt, dass man auch bei einem geringen Marktanteil sehr gut verdienen kann. Bei Smartphones und Tablets ist der Konzern sogar Marktführer. Was bedeutet das für die Konkurrenz?
Apple und Google haben jeweils eine Strategie, mit der sie hohe Margen einfahren. Apple gelingt es, seine Geräte dank einer bedienungsfreundlichen und wenig störungsanfälligen Software teuer zu verkaufen. Für Google bringt der Einsatz des lizenzfreien Android-Betriebssystems schon jetzt mehr als eine Milliarde Dollar Umsatz durch Werbung auf mobilen Geräten. Für Firmen wie ­Nokia oder HTC, die in erster Linie Handys und Smartphones herstellen, werden die Gesetze aus der alten PC-Welt gelten. Das heißt: Geld wird mit geringen Margen und hohen Produktionsvolumen verdient. Der gleiche Markt wird für Nokia und HTC eine andere Welt als für Apple und Google sein.

Wie schätzen Sie die Chancen für den Chip-Riesen Intel ein, der in den Wachstumsmärkten Smartphones und Tablets fehlt?
Für Intel ist diese Abwesenheit für die langfristige Strategie ein großes Risiko. Der Konzern wird viel tun, um den Fuß in diese Märkte zu bekommen. Sehen Sie: Jährlich werden über 400 Millionen Computer verkauft. Bei den mobilen Geräten mit computerähnlicher Software sind es aber mehr als eine Milliarde, und die Wachstumsraten sind hoch.

Im PC-Markt verdienen Intel und Microsoft den Löwenanteil der Gewinne. Wie wird sich das beim mobilen Web entwickeln?
In dieser komplexeren Welt wird es mehr Gewinner mit einem ­erheblichen Einfluss auf den Markt geben – fünf bis zehn Unternehmen. Apple und Google, dessen Betriebssystem in fünf Jahren auf über 50 Prozent der mobilen Geräte installiert sein wird, sind gesetzt. Facebook mit mehr als 600 Millionen Nutzern im Social Web, die den Dienst häufig mobil nutzen, ist auch in einer guten Position. In der Nutzung der Infrastruktur des mobilen Webs liegt Twitter vorn.

Nach Android wagt Google mit dem Laptop-Betriebssystem Chrome die nächste ­Revolution. Weil die Software für den Betrieb nicht auf den Rechnern installiert ist, wird auf sie via Internet zugegriffen. Ist die Abhängigkeit von einer permanenten Internetverbindung ein Nachteil?
Nein. Auch beim Start von Android gab es viel Kritik. Entscheidend ist, ob die Kunden die Geräte, ähnlich wie Tablets, als neue Kategorie sehen, zusätzlich zu Smartphones und leistungsfähigen Notebooks. Erst dann sind sie auch für Softwareentwickler interessant, deren Programme diese Laptops wertvoller machen. Wir beschränken uns bei Google aber bis auf Weiteres auf ­Firmen für Android-Software.

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