ROM/FRANKFURT (Dow Jones)-- Zur Eröffnung des Handels brach die
Aktie um fast 30 Prozent ein, um sich dann allerdings wieder etwas zu erholen. Am späten Vormittag beträgt das Minus noch 18 Prozent auf 1.847 Pence.
Am Freitagabend war die Costa Concordia mit 4.229 Menschen an Bord vor der Insel Giglio auf einen Felsen gelaufen und war gekentert. Betreiber des havarierten Schiffes ist das italienische Kreuzfahrtunternehmen Costa Crociere mit Sitz in Genua. Im Jahr 2000 war es von der britisch-amerikanischen Carnival Corporation & plc, dem größten Kreuzfahrtveranstalter der Welt, übernommen worden. Unter diversen Tochtergesellschaften und Marken wie P&O, Cunard and Princess Cruises vertreibt das in New York und London börsnennotierte Unternehmen weltweit mehr als 100 Schiffe.
Carnival selbst bezifferte den entgehenden Gewinn durch das Unglück und damit den Verlust des Schiffes inzwischen auf 85 bis 95 Millionen US-Dollar. "Dazu kommen weitere Kosten, die zum gegenwärtigen Zeitpunkt aber unmöglich zu beziffern sind", ließ das Unternehmen weiter wissen. Der Selbstbehalt für Schiffschäden belaufe sich auf annähernd 30 Millionen Dollar und für Haftpflichtschäden auf bis zu 10 Millionen. Auch der komplette Verlust des Schiffes sei versichert. Derzeit würden die Schäden noch geschätzt, die Costa Concordia dürfte aber mindestens für die restliche Zeit des Fiskaljahres ausfallen.
Carnival trifft das Unglück nach einem bereits sehr schwachen Börsenjahr. 2011 hatte sich der Wert des Unternehmens um ein Drittel verringert vor dem Hintergrund von Sorgen über steigende Kraftstoffpreise und eine schwache Nachfrage nach Kreuzfahrten.
Unterdessen haben die ersten Analystenreaktionen nicht lange auf sich warten lassen. Morgan Stanley stufte am Montag die Carnival-Aktie auf "Equalweight" herunter von zuvor "Overweight" und senkte das Kursziel auf 1.800 von 2.700 Pence. Sollten die Ermittlungen ergeben, dass die Sicherheitsvorschriften verschärft werden müssten oder Passagiere längere Zeit ausbleiben, dürfte die Ertragsschmälerung noch höher ausfallen als nun erwartet, sagen die Analysten.
Numis Securities glaubt allerdings, dass die Buchungszahlen nur kurzfristig von der Katastrophe belastet werden. In der Vergangenheit hätten sich diese nach ähnlichen Unfällen rasch erholt. Der Deutschen Bank zufolge verringert sich nach dem Unglück die Gesamtkapazität im Kreuzfahrtgeschäft um 1,5 Prozent. Da das betroffene Schiff innerhalb der Flotte nicht auffällig profitabel zu Buche geschlagen habe, dürften die Kostenauswirkungen aber gering bleiben. Am stärksten dürfte der Schaden aufgrund möglicherweise ausbleibender Buchungen ausfallen.
Mit im Boot sind bei dem Unglück auch deutsche Versicherer. Wie eine Sprecherin der Hannover Rück zu Dow Jones Newswires sagte, handelt es sich um einen Großschaden im Transportschadensbereich, in dem das Unternehmen gut vertreten sei. Die Hannover Rück definiert ein Ereignis als einen Großschaden, wenn die Schadenshöhe bei über zehn Millionen Euro liegt.
Unter die Transportschäden fallen laut der Sprecherin rückversicherte Kaskoschäden für das relativ neue Schiff sowie Rückversicherungen für Haftpflichtschäden, zu denen nicht nur die geschädigten über 4.000 Passagiere zählten, sondern auch die zu erwartenden Bergungskosten. Für eine genauere Schätzung der Kosten sei es aber noch zu früh, so die Sprecherin.
Sprecher der Munich Re und der Allianz wollten aus dem gleichen Grund am Morgen keine Schätzung zu möglichen Schäden abgeben.
-Von Steffen Gosenheimer, Dow Jones Newswires;
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January 16, 2012 05:35 ET (10:35 GMT)
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