Die große Euphorie am Markt blieb aber aus. Dabei ist das Institut dadurch erneut einen großen Schritt vorangekommen – und ein weiterer erheblicher Unsicherheitsfaktor fällt nun weg.
Ursprünglich hatte die EU im Gegenzug für die Zustimmung zur staatlichen Rekapitalisierung der Commerzbank gefordert, dass sie die Eurohypo verkaufen müsse. Angesichts der Tatsache, dass die Eurohypo aber noch in einem gewaltigen Umfang notleidende Kredite und Staatstitel in den Büchern stehen hat, war daran aber nicht zu denken. Letztlich lenkten die Aufsichtsbehörden nun ein. Gegen neue Auflagen kann das Institut die inzwischen faktisch manövierunfähige Tochter nun selbst abwickeln – und darf dabei sogar noch einen kleinen Teil des Immobilienfinanzierungs-Geschäfts weiterbetreiben. Dadurch wird das Institut einen weiteren erheblichen Belastungsfaktor los.
Die Auflagen sind verkraftbar Am Aktienmarkt wurde dies am Freitag mit einem Kursgewinn von rund 3 Prozent goutiert. Dass die Marktreaktion nicht noch besser ausfiel, lag wohl zum einen daran, dass im Zuge der Abwicklung weitere erhebliche Abschreibungen anfallen werden. Zum anderen wurden der
Commerzbank im Gegenzug neue Auflagen gemacht. Beispielsweise darf das Institut bis März 2014 keine Zukäufe vornehmen – aber wer wäre angesichts der Probleme, die das Institut nach wie vor hat, schon davon ausgegangen, dass in naher Zukunft bereits wieder große Übernahmeaktivitäten stattfinden?
Auf dem Weg zur Gesundung Und auch der weitere Abschreibungsbedarf sollte eigentlich niemanden mehr überraschen, und für die Commerzbank selbst verkraftbar bleiben. Im Gegenzug wird die Gesellschaft das Damokles-Schwert los, das bisher stets über den Restrukturierungsanstrengungen und über dem Aktienkurs hing. Das Ende der Eurohypo hat viele tragische Aspekte, bringt aber die Commerzbank einen weiteren Schritt nach vorn auf dem Weg zur Normalisierung, der aus dem Unternehmen in absehbarer Zukunft wieder einen ganz gewöhnlichen – und in erster Linie gesunden - Finanzkonzern machen sollte.
Ein entsprechend normales Kapitalmarktumfeld ohne neuerliche Strukturkrisen vorausgesetzt, sollte die
Aktie der Commerzbank deshalb auf mittlere Sicht noch über Kurspotenzial verfügen.
EMFIS.COM - Frankfurt 02.04.2012