5000 Investoren, Analysten und Journalisten fühlten den Vorständen von 300 Small- und Micaps auf den Zahn. Mit drei Redakteuren war €uro am Sonntag auf der Investorenkonferenz vertreten. Exklusiv wird analysiert, bei welchen Unternehmen es richtig gut läuft und von welchen Aktien Anleger besser die Finger lassen.
von Jens Castner, Lars Winter und Joachim Spiering
An allen drei Tagen war das Eigenkapitalforum von fallenden Kursen begleitet, was erheblich auf die Stimmung der Konferenzteilnehmer drückte. Sorgen um die Konjunktur, den Euro und die hohe Staatsverschuldung in der westlichen Welt waren die beherrschenden Themen auf den Fluren. Auf der anderen Seite zeigten sich Analysten, Fondsmanager und Privatinvestoren nach den Präsentationen und Einzelgesprächen jedoch auch zuversichtlich, im aktuellen Marktumfeld das eine oder andere Schnäppchen machen zu können. Denn an aussichtsreichen, deutlich unterbewerteten Aktien herrscht derzeit kein Mangel im Nebenwertesegment.
Seven Principles
Eines der Highlights des letzten Tages war die Präsentation des IT-Spezialisten Seven Principles. Vorstandschef Jens Harig berichtete über weiter steigende Auftragseingänge, sowohl aus dem Mobilfunk- aus auch aus dem Bankensektor. Harig geht deshalb nicht von einem Krisenjahr 2012 aus, zumal auch erst ein größeres Unternehmen aus der Branche von einem schwächeren Marktumfeld berichtet hatte. Die Prognose fürs laufende Jahr (95 Millionen Euro Umsatz und 6,3 Millionen Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen) steht. Und – falls es nicht zu einer veritablen Krise kommt – können Aktionäre auch 2012 mit überproportionalem Ergebniswachstum rechnen. Im Aktienkurs hat sich das noch nicht bemerkbar gemacht, obwohl die Bewertung mit einer Börsenkapitalisierung von gerade mal einem Drittel des Jahresumsatzes und einem einstelligen Kurs-Gewinn-Verhältnis für einen Wachstumswert unangemessen niedrig erscheint.
Wizcom
Unmittelbar von der Veranstaltung profitieren konnte dagegen Wizcom. Die Aktie des israelischen Technologieunternehmens befindet sich seit zehn Jahren – mal mehr, mal weniger heftig - auf Talfahrt. Inzwischen ist der Kurs bei 14 Cent angekommen, der Börsenwert liegt bei nur noch 1,7 Millionen Euro. Nach zwei Kapitalerhöhungen und der Rückkehr einiger ehemaliger Manager könnte beizeiten jedoch Besserung in Sicht sein. Das Unternehmen stellt Textscanner her, die beispielsweise Menschen mit Leseschwäche helfen, Gedrucktes zu verstehen. Auch einen Übersetzungsstift („Quicktionary“) hat das Unternehmen seit den Zeiten des Neuen Marktes im Programm. Die bisherigen Verkaufserfolge waren jedoch bescheiden, der Jahresumsatz pendelt um die Marke von fünf Millionen US-Dollar.
In Zeiten von iPhone, iPad und Co könnte jedoch ein Markt für die Produkte entstehen, zumal kolportiert wird, Wizcom habe eine „technische Revolution“ in der Pipeline. Diese wird dem Vernehmen nach allerdings erst im Juni 2012 vorgestellt, die morgige Präsentation um 15.45 Uhr dient vornehmlich dazu, sich ins Gedächtnis der Investoren zurückzurufen. Die Aktie ist ein extrem heißes Eisen mit allen Chancen und Risiken und daher nur Zocker mit viel Mut geeignet. Immerhin: Einige Besucher des Eigenkapitalforums griffen sowohl am Dienstag als auch am Mittwoch beherzt zu.
Invision Software
Etwas nervenschonender, allerdings auch sehr spekulativ, ist das Papier von Invision. Der Softwarespezialist für Personaleinsatzplanung (vornehmlich in Call-Centern) ist gerade dabei, sein Geschäftsmodell umzustellen, wie Vorstandschef Peter Bollenbeck anlässlich seines Vortrags am Morgen erklärte. Statt des Lizenzverkaufs soll das Geld künftig in der Cloud verdient werden, Software as a Service (SaaS) ist für Bollenbeck das Gebot der Stunde. Die neue Strategie hat den Vorteil, dass auch kleinere Kunden, die die Investition in Softwarelizenzen bisher gescheut haben, künftig versorgt werden können. Der Personalplanungssoftware-Service soll neun Euro pro Monat und Arbeitsplatz kosten.
Umsatzausfälle und auch ein negatives Ergebnis während der Umstellungsphase nimmt Bollenbeck in Kauf, um das Geschäftsmodell in Zukunft weniger zyklisch zu machen. Der Umbau soll im zweiten Halbjahr 2012 abgeschlossen sein, dann ist auch wieder mit schwarzen Zahlen zu rechnen. Bis dahin allerdings wird der Nachrichtenfluss eher spärlich ausfallen.
Update Software
Deutlich weiter fortgeschritten ist die Umstellung des Geschäftsmodells auf SaaS bei Update Software. Der österreichische Spezialist für Customer Relationship Management (CRM)fährt allerdings im Unterschied zu Invision zweigleisig. Kunden haben die Wahl zwischen Mietsoftware auf Fremdservern (Cloud Computing) und dem Erwerb von Lizenzen. Mit diesem Mischmodell schaffte es die Technologiefirma, den Umsatz im dritten Quartal um 27,9 Prozent auf 8,3 Millionen Euro zu steigern und ein leicht positives Ergebnis vor Steuern und Zinsen von etwa 200.000 Euro zu erwirtschaften. 45 Prozent der Umsätze stammten bereits aus dem SaaS-Angebot „Update.Revolution“.
Wie der neue Finanzvorstand Uwe Reumuth im Gespräch mit €uro am Sonntag erklärte, hat sich die Schwäche des europäischen Bankensektors im Auftragseingang bisher nicht bemerkbar gemacht, bleibt aber ein Risiko. Update hat sich auf die Branchen Finanzdienstleistungen, Pharma/Life Sciences und Industrie fokussiert. Derzeit arbeiten die Entwickler in Wien daran, vorhandene Lösungen wie „Cosmic“ für den immer mehr an Bedeutung gewinnenden Kundendialog über soziale Netzwerke zu optimieren, auch eine iPad-Version sei in Vorbereitung. Die derzeit niedrigen Kursen werden konsequent zum Rückkauf eigener Aktien genutzt. Der Titel dürfte vor allem Langfristinvestoren interessieren. Denn die Transformation des Geschäftsmodells soll mindestens fünf Jahre lang für zweistelliges Umsatzwachstum sorgen – und ab 2013 auch für die Rückkehr zu zweistelligen Margen.
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Bildquellen: Wolfgang Kriegbaum, BMU/Rupert Oberhaeuser