22.07.2013 12:30

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Sartorius: In allen Laboren daheim



Sartorius: In allen Laboren daheim
Mit Spritzen, elektronischen Pipetten oder Reinwassersystemen verdient der Laborausrüster Sartorius blendend. Der TecDAX-Wert könnte morgen seine Jahresprognose erhöhen.

von Stefan Riedel, Euro am Sonntag

Wer im Internet eine Pipette kaufen will, ist schon mit 75 Cent dabei. Dafür erhält man ein hübsches Glasröhrchen, geeignet für eine 10-ml-Flasche, und der Sauger ist blau. Wer bei Sartorius eine Pipette ordert, erhält zwar auch ein Dosierungsgerät. Doch mit der handelsüblichen Pipette haben die elektronischen Geräte außer dem Namen so gut wie nichts gemein. Sie sind absolute Hightechgeräte, die feinste Dosierungsmöglichkeiten bieten — und einen stolzen Preis haben. Zum Teil weit über 1.000 Euro kosten die Hightechpipetten des deutschen Laborausrüsters.

Das Beispiel zeigt, dass in speziellen Nischen schöne Geschäftsmodelle heranwachsen können. Womöglich hebt Sartorius morgen seine Wachstumsprognose abermals an. Bisher will Konzernchef Joachim Kreuzburg dieses Jahr den Umsatz um sechs bis acht Prozent steigern, bei einer operativen Marge von bis zu 19,5 Prozent. Die Profitabilität wäre damit klar im Aufwind, im Vorjahr kam der Konzern auf 16 Prozent. In den ersten drei Monaten hatten Auftragseingang und operativer Gewinn mit rund zehn und neun Prozent stärker zugelegt als der Umsatz, der um etwa vier Prozent auf 214 Millionen Euro wuchs. Das lässt Raum für Spekulationen.

Die guten Zahlen verdankt Sartorius vor allem seiner starken Stellung bei Einwegprodukten für die Pharmaindustrie. Für die Hersteller von Arzneimitteln ist es beispielsweise günstiger, Einwegfilter zu verwenden, als Stahlbehälter aufwendig zu reinigen. Das Einweggeschäft steht für mehr als die Hälfte des Konzernumsatzes. Zum Sortiment zählen eine Vielfalt von Beuteln und Spritzen, aber auch sogenannte Bioreaktoren für die Fermentierung biologischer Substanzen. Die Laborsparte mit ihren Laborwaagen, Reinwassersystemen, elektronischen Pipetten und Verbrauchsmaterialien rundet das Produktportfolio ab.

Die Investitionen in die Fertigungs­technologie sind hoch — das schafft hohe Eintrittsbarrieren für die Konkurrenz. Erst nach hohen Investitionen entfaltet sich der Skaleneffekt in der Produktion — mit dem entsprechenden Hebel bei den Margen für Marktführer wie Sartorius. „Die Firma ist als Nischenplayer mit einem Mix aus breiter Produktpalette und Service international sehr gut aufgestellt“, sagt Theresa Dick, Analystin beim Bankhaus Lampe.

Künftig dürften sich insbesondere in der Biotechnologie Wachstumsmöglichkeiten auftun. Als relativer Neuling im Markt kam Sartorius in der ersten Welle der biotechno­logischen Prozessentwicklung noch nicht zum Zuge. „Umso mehr wird die Gesellschaft jetzt davon profitieren, wenn die ersten biotechnologischen Patente ablaufen und Technologien für die Herstellung von Nachahmermedikamenten auf biologischer Basis benötigt werden.“

Schon jetzt ist die Biotechnologie zu einem der größten Gewinntreiber avanciert. Die Zahl an Medikamenten auf Basis von Proteinen und Anti­körpern steigt kontinuierlich — und fordert von den Herstellern, strenge regulatorische Vorschriften einzuhalten. Dementsprechend groß ist die Bindung an die Zulieferer, denn auch das Laborequipment muss den Anforderungen genügen.

Weiterhin günstig bewertet
Chef Kreuzburg hat dennoch ein Problem: Seit geraumer Zeit versucht der Vorstand, das kleinste Segment, Laborwaagen, zu verkaufen. Mangels Synergien mit den anderen beiden Bereichen zählt die Sparte nicht mehr zum Kerngeschäft. Anfang Juli kam überraschend die ­Mitteilung, dass das Unternehmen den Verkaufsprozess vorläufig ein­gestellt habe.
Doch Experten sehen das gelassen. Die Sparte generiere viel Cash, erfordere geringe Investitionen und könne deshalb ohne Weiteres fortgeführt und bei einem verbesserten Marktumfeld erneut zum Verkauf angeboten werden. 

Investor-Info

Sartorius Vz.
Neuer Anlauf

Über Jahre fristete die Aktie ein Schattendasein. 2012 gab es wegen mehrerer Prognoseerhöhungen ein Kursfeuerwerk. Dies zu wiederholen dürfte schwer werden. Gemessen am KGV und dem erwarteten Gewinnwachstum ist die Aktie fair bewertet. Sollte es am Dienstag jedoch zu einer Prognose­anhebung kommen, könnte die Aktie bis in den Bereich von 100 Euro vorstoßen.

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