31.10.2012 18:00
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Lufthansa überrascht mit Gewinnsprung - Sparkurs verschärft

Lufthansa-Aktie hebt ab
Höhere Ticketerlöse und gute Geschäfte mit der Bordverpflegung haben der Lufthansa im Streiksommer 2012 einen überraschenden Gewinnsprung beschert.
Weil die Aussichten für das Passagier- und Frachtgeschäft mau bleiben, dreht Europas größte Fluggesellschaft aber erneut an der Kostenschraube. Zusätzlich zum laufenden Sparprogramm "Score" soll das Streckennetz der Kernmarke Deutsche Lufthansa noch einmal auf den Prüfstand. Für das laufende Jahr erwartet die Konzernführung um Vorstandschef Christoph Franz weiterhin einen operativen Gewinn im mittleren dreistelligen Millionen-Euro-Bereich, wie das Unternehmen am Mittwoch in Frankfurt mitteilte.

    Bei der Prognose hat Franz allerdings die Kosten für die Umstrukturierungen herausgerechnet, die in diesem Jahr nun unter 100 Millionen Euro bleiben sollen. Mit einem operativen Gewinn von 628 Millionen Euro in den ersten neun Monaten ist Lufthansa dafür auf Kurs. Für den Konzernüberschuss traut sich das Management aber noch keine Prognose zu.

AKTIE AN DAX-SPITZE

     Die Aktie des DAX-Konzerns reagierte am Mittwoch mit einem Kurssprung auf die Nachrichten. Am Vormittag sprang sie um knapp 7 Prozent bereits an die Spitze des DAX. Analyst Robert Czerwensky von der DZ Bank lobte die Gewinnentwicklung. Angesichts der sehr guten Zahlen dürften die Verhandlungen mit den Gewerkschaften über die angekündigten Einschnitte härter werden, vermutet der Experte.

     Von Juli bis September lief es für die Lufthansa trotz des Flugbegleiter-Streiks und hoher Treibstoffkosten besser als erwartet. Der Umsatz legte um sechs Prozent auf 8,3 Milliarden Euro zu. Der operative Gewinn stieg um sechs Prozent auf 648 Millionen Euro, während Analysten mit einem Rückgang gerechnet hatten. Der Überschuss kletterte um 30 Prozent auf 642 Millionen Euro. Dazu trugen auch die vollzogene Trennung vom Verlustbringer BMI sowie Bewertungseffekte bei Treibstoffgeschäften bei.

 STREIK-EFFEKT AUFGEFANGEN

 Im Passagiergeschäft profitierte die Gesellschaft vom schwachen Euro, der die Tickets der deutschen Fluggesellschaft in Nicht-Euro-Ländern billiger machte. Weil jedes Ticket im Schnitt 4,5 Prozent mehr Umsatz brachte, konnte die Kernmarke Lufthansa den Streik-Effekt im Sommer mehr als ausgleichen. Der Ausstand der Flugbegleiter Ende August und Anfang September kostete das Unternehmen 33 Millionen Euro. Dennoch verdiente die Marke mit dem Kranich 80 Millionen Euro und damit gut ein Viertel mehr als ein Jahr zuvor. Auch bei der Catering-Tochter LSG Sky Chefs lief es besser, während vor allem die Frachtsparte Cargo unter der schwächeren Weltwirtschaft zu leiden hatte.

    Zufrieden ist die Konzernspitze mit den Ergebnissen nicht, auch wenn sie die Zahlen immerhin "respektabel" nannte. "Wir haben nicht die Ertragskraft erzielt, die wir brauchen, um notwendige Investitionen tätigen zu können", sagte Franz. Das Umfeld wird aus Sicht des Vorstands nicht besser: Für den Rest des Jahres erwartet die Konzernspitze größere Unsicherheiten beim Ticketabsatz. Schon warteten die Kunden immer länger mit der Buchung ihrer Flüge.

 SPARPROGRAMM WIRD AUSGEWEITET

   Das laufende Sparprogramm, das den operativen Gewinn bis 2015 um 1,5 Milliarden Euro verbessern soll, reicht nach Ansicht des Managements nicht aus. Weitere Maßnahmen sollten "einen nachhaltigen Turnaround in der Ergebnisentwicklung" erreichen, heißt es im Geschäftsbericht. Dazu soll der Umfang des Flugangebots bei der Kernmarke erneut auf den Prüfstand, ebenso das Streckennetz. Außerdem sollen geschäftliche Strukturen weiter vereinfacht werden.

   Die Lufthansa will bereits 3.500 Stellen in der Verwaltung abbauen und rund 700 Jobs aus Deutschland ins Ausland verlagern. Außerdem trifft die geplante Verlagerung des Europa-Direktverkehrs zur Billigtochter Germanwings auf Widerstand bei den Arbeitnehmern.

    FRANKFURT (dpa-AFX)

Bildquellen: Jorg Hackemann / Shutterstock.com
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