aktualisiert: 23.11.2012 19:49
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The Gap: Aktie wieder groß in Mode

Gap: Gewinnprognose angehoben
Lust auf guten Stoff
Die Amerikaner kaufen wieder bessere Kleidung. Die US-Modekette Gap, Inbegriff schicker Freizeitmode, profitiert vom Trend - und fallenden Baumwollpreisen. Das tut auch der Aktie gut.
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von Stephan Bauer, Euro am Sonntag

Zahlreiche Moden hat Glenn Murphy, seit sieben Jahren an der Spitze des US-Konzerns The Gap, kommen und gehen sehen. Die neueste aber dürfte dem Kanadier ausgesprochen gut gefallen. Die Amerikaner geben wieder mehr Geld für Kleidung aus — und kaufen Besseres ein.

Jüngsten Zahlen des US-Branchenverbands American Apparel & Footwear Association zufolge werden im größten Modemarkt der Welt zwar immer weniger Textilien verkauft. Doch dafür geben die Amerikaner wieder mehr für ihre Pullis und Hosen aus. Im Schnitt ließen sie sich ihre 62 Kleidungsartikel im Jahr 910 Dollar kosten — fünf Prozent mehr für fünf Prozent weniger Ware.

Beobachter sehen darin eine Renaissance von hochwertigeren Textilien. Hippe Billigklamotten, die nur wenige Waschgänge überstehen, seien out — das stellen die Experten fest. „Bekleidung in gehobener Qualität kommt gut an. Zu teuer darf sie allerdings nicht sein“, sagt etwa David Wolfe, renommierter Marktforscher der Doneger Group.

Casual Chic statt Hippieklamotte
Die neue Mode im konjunkturell aufstrebenden Amerika kommt The Gap offenbar entgegen. Schon Ende der 60er-Jahre setzte Gründer Donald Fisher in seinem ersten Laden im Hippie-beseelten San Francisco auf einfache, aber robuste Kleidung abseits klassischer Businessmode. Der Name The Gap spielte clever auf das Schlagwort des „Generation Gap“ an, der Verständnislücke zwischen den Generationen. Fisher traf damit den Nerv der Kunden ebenso zielsicher wie sein Angebot aus Jeans und Sweatern.

Firma und Qualität der Ware wuchsen im Lauf der Zeit mit den Ansprüchen der Kunden. The Gaps „Casual Chic“ darf sich durchaus im Büro sehen lassen — und ist offenkundig einer der großen Profiteure der neuen Lust an besseren Stoffen.

Auf dem Heimatmarkt, wo das Unternehmen fast 70 Prozent des Umsatzes erwirtschaftet, ziehen die Geschäfte stark an. Um sechs Prozent stieg der Umsatz in den Monaten Juli bis September — allein in den Filialen, die schon ein Jahr oder länger geöffnet sind. Der sogenannte Umsatz auf vergleichbarer Fläche gilt als eine der wichtigsten Wachstums­kennziffern in der Branche.

Die Nachrichten wird Vorstandschef Glenn Murphy genießen. Schließlich setzten noch im vergangenen Jahr hohe Baumwollpreise den Gewinnmargen des weltweit drittgrößten Textilkonzerns mächtig zu. Murphy griff zur Kostenschere. Zahlreiche der 3.000 Filialen wurden geschlossen.

Neben hohen Ausgaben hatte er indes noch ein gravierenderes Pro­blem zu lösen: Die Marke erschien vielen jüngeren Kunden eher altbacken als trendy. Der Kanadier stand vor der Aufgabe, die Kreativkraft des ­Labels wieder erstarken zu lassen. Chefdesigner Patrick Robinson wurde gefeuert, die Designerteams komplett neu aufgestellt.

Kreativkraft vom Konkurrenten
Erst Mitte September fand das ­Unternehmen den passenden Kopf für die wichtige Kreativabteilung. Murphy heuerte die langjährige H & M-Managerin Rebekka Bay als verantwortliche Produktdesignerin an. Die 42-Jährige könnte die richtige Fachfrau sein in Zeiten, in denen Kunden wieder zu besseren Pro­dukten greifen. Beim schwedischen ­Modekonzern führte Bay erfolgreich eine höherwertige Marke ein.

2012 ist für die Firma zweifelsfrei ein Jahr des Aufbruchs. The Gap investiert nicht nur in Köpfe, sondern auch in die internationale Expansion. Die Präsenz in Südamerika wurde mit Filialen in Panama und Mexiko erweitert. In China, dem weltweit zweitgrößten Modemarkt, soll es Ende Januar 45 Filialen geben.

Parallel treibt Murphy die Online­offensive voran. In China, Indien und in Japan können Kunden seit Kurzem via Internet ihre Ware des auf Familien zielenden Labels Old Navy oder der exklusiveren Marke Banana Republic erstehen. Und nach verlustreichem Rückzug im Jahr 2004 beackern die Amerikaner den deutschen Markt via Web erfolgreich von Großbritannien aus.

Exakte Zahlen über ihren Onlinebereich veröffentlichen die in Bezug auf Geschäftsdetails zugeknöpften Amerikaner zwar nicht. Experten gehen aber davon aus, dass fast ein Fünftel des Geschäfts aus dem Web stammt — und dass das Onlinebusiness pro Jahr um ein Fünftel wächst.

Drastisch gesunkene Rohstoffkosten geben dem Konzern den nötigen Spielraum für Investitionen. Die Kosten für Baumwolle sind in den vergangenen zwölf Monaten um fast 70 Prozent gesunken. The Gap meldet auch deshalb im dritten Quartal einen Gewinnsprung um 60 Prozent. Der Aufwind beim Profit dürfte sich fortsetzen. Und auch dieser Trend sollte Chef Glenn Murphy durchaus entgegenkommen.

Investor-Info

The Gap Inc.
Hoch mit der Marge

Ins laufende Jahr startete der weltweit drittgrößte Textilkonzern mit relativ schwachen zehn Prozent Gewinnmarge. Analysten rechnen im zweiten ­Halbjahr mit einer Steigerung um vier bis fünf Prozentpunkte. Angesichts stark gesunkener Baumwollpreise sollte sich der Trend fortsetzen, zumal The Gap kaum Lagerbestände hat und wenig Preisabschläge zu erwarten sind. Die Gewinnprognose für das Geschäftsjahr wurde soeben angehoben.

Bildquellen: VIPDesignUSA / Shutterstock.com
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