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20.06.2011 12:00

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LUXUS

Wein-Aktien: Gute Geschäfte mit Genuss

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Hawesko gilt als Deutschlands Weinhändler Nummer 1
Das Faible der Chinesen für Bordeaux und ein seidiges Konsumklima im Inland machen Hawesko zu einem Renditeerlebnis für Aktionäre.

von Stephan Bauer, €uro am Sonntag

Wahre Experten erkennen eine Hausse an ihrem Bouquet. „Der 2009er- und 2010er-Bordeaux sind Spitzenjahrgänge mit unglaublicher Qualität – allerdings auch zu sehr hohen Preisen“, sagt Alexander Margaritoff, Chef von Hawesko. Binnen 30 Jahren an der Spitze der Hamburger Weinhandelsgruppe hat der 59-Jährige schon Zigtausende edler Tropfen fachmännisch durch den Mund gespült – um sie anschließend auszuspucken. Als Weinexperte kann man sich eben keinen Rausch erlauben.

Wenn der nüchterne Hanseat auf die neuen Bordeaux-Weine zu sprechen kommt, ist die Euphorie jedoch nicht fern. „Solche Jahrgänge gibt es sehr selten. Ich kann nur empfehlen, sich einen solchen Tropfen in den Keller zu legen und ihn in vielleicht zehn, 15 Jahren mit seinen Kindern zu genießen“, sagt Margaritoff.

Es ist sicher auch die Freude am ­Geschäft, die den Weinliebhaber von den Franzosen schwärmen lässt – schließlich kosten manche Gewächse aus berühmten Weingütern wie ­Château Margaux, Château Lafite Rothschild oder Pétrus vierstellige Eurobeträge je Flasche.

Das Geschäft von Deutschlands Händler Nummer 1 für gehobenen Wein – so bezeichnet sich Hawesko selbst – läuft auch dank der Jahrhundertjahrgänge aus Frankreich hochprozentig. Im ersten Quartal kletterten Umsatz und Gewinn um 15 ­respektive 16 Prozent.

Auch über das zweite Quartal weiß Margaritoff Erfreuliches zu berichten. „Das Geschäft lief in den ersten fünf Monaten prozentual gesehen wie im ersten Quartal“, sagt der Chef und Großaktionär. Die Stagnation aus der Zeit der Wirtschaftskrise ist endgültig Vergangenheit. Die Stimmung auf der Hauptversammlung am heutigen Montag dürfte gelöst sein – nicht nur wegen der ausgeschenkten Weine.

Schließlich hat Hawesko seit dem Jahr 2002 regelmäßig die Ausschüttung erhöht – und gelegentlich noch einen Sonderbonus draufgepackt. Nicht zuletzt wegen seiner 30 Prozent Anteile legt der Firmenchef selbst allergrößten Wert auf diese ­Tra­dition. „Wir wollen auch im nächsten Jahr eine reguläre Dividende mindestens auf Niveau des laufenden Jahres zahlen. Wenn es gut läuft, wird es etwas mehr“, so Margaritoff.


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Die Vorliebe der Chinesen für französischen Roten sollte das Erreichen dieses Ziels spürbar erleichtern. ­Chateaux Classic, eine Großhandelstochter, die das Gros des Umsatzes im Ausland erzielt, feiert neuerdings rauschende Geschäftsabschlüsse in China. „Wir werden hier dieses Jahr 15 bis 20 Millionen Euro Umsatz erzielen“, sagt Margaritoff. Die kaufkräftigen Kunden aus dem Reich der Mitte schnappen Europäern die teuren Bordeaux inzwischen vor der Nase weg – und lassen den Markt Schätzungen zufolge pro Jahr um 15 bis 20 Prozent wachsen.

Margaritoff denkt deshalb nicht nur über eine Dependance in China nach, sondern sieht im Ausland auch das größte Wachtums­potenzial für das Unternehmen. Die Firma macht zwar noch fast 85 Prozent des Umsatzes in Deutschland, der Auslandsanteil soll jedoch stetig steigen. Schließlich werden 90 Prozent des weltweit erzeugten gehobenen Weins außerhalb von Deutschland konsumiert.

Doch auch der heimische Markt hat sich trotz typisch deutscher Bierseligkeit gemausert. Seit einigen Jahren geben die Deutschen mehr Geld für Wein aus als für Bier. Zwar dominieren immer noch Billigweine – im Schnitt kostet die Flasche hierzulande gerade mal 2,20 Euro –, doch auch das Segment über sechs Euro pro Flasche, auf das sich Hawesko konzentriert, wächst. Es ist pro Jahr rund 1,2 Milliarden Euro schwer.

Ausländer lassen sich den Weingenuss wesentlich mehr kosten. Die Schweiz etwa kommt – bei rund einem Zehntel der Bevölkerung – auf eine dreiviertel Milliarde Euro Marktvolumen in der gehobenen Abteilung. Entsprechend erfolgreich entwickelte sich der Schweizer Weinhändler Globalwine, den Hawesko vor zwei Jahren kaufte. „Wir haben den Umsatz seit unserem Einstieg verdreifacht“, sagt der Chef.

Vor 30 Jahren übernahm der Betriebswirt mit Abschluss an der Universität von Sussex die elterliche Firma. Wegen der Krankheit des Vaters absolvierte Margaritoff eine Art Crashkurs, probierte über Jahre mindestens 20 Weine am Tag. Inzwischen hat der Chef die Firma von zehn Mitarbeitern auf über 700 ­Angestellte ausgebaut. Margaritoff brachte Hawesko 1998 an die Börse – und nahm die Internationalisierung in Angriff. Schon damals wiegelte der Vorstand Forderungen von Analysten nach einer raschen Auslandsexpansion ab.

Auch heute will Margaritoff nichts überstürzen. Im fragmentier­ten Markt sei eine Expansion eben schlecht planbar – und Fehler seien teuer. Dennoch ist Margaritoff Übernahmen sehr zugeneigt: „Ich denke, dass wir innerhalb der nächsten zwölf ­Monate noch das eine oder andere Geschäft machen werden.“

Derzeit bauen die Hamburger einen Versandhandel in Schweden auf und erweitern in Österreich und den Benelux-Ländern. Der Einstieg in den britischen Markt, mit rund sechs Milliarden Euro Volumen einer der größten der Welt, klappte indes nicht wie geplant. Hawesko hatte 2008 Anteile an Majestic Wine gekauft, dem größten Filialisten der Insel – laut Margaritoff die „Perle unter den britischen Händlern“. Den ange­strebten substanziellen Anteil bekamen die Hamburger jedoch nicht. 2010 ver­kaufte Margaritoff – mit Gewinn, wie es sich für einen konservativen Hanseaten gehört. Den Plan hat er jedoch nicht aufge­geben: „Wir sind auf Brautschau – auch in Großbritannien. Wir sehen uns im Großhandelsbereich um.“

Gut für die Hamburger, dass auch das nationale Geschäft inzwischen seidig läuft. Weinkenner Margaritoff hat hier seinen eigenen In­dikator für das Konsumklima: den Absatz von Markenchampagner. „Die Konsumenten kaufen wieder sehr hochwertige Ware“, sagt der Chef.

Auch deshalb setzt Hawesko auf die Expansion seines margenträchtigsten Geschäftszweigs, der Einzelhandelskette Jacques’ Wein-Depot. 274 Filialen gibt es derzeit, langfristiges Ziel sind 400. „Wir haben noch genug Potenzial, um zu wachsen“, sagt Margaritoff. Der typische Kunde von Jacques’ ist gebildet, verdient gut und kauft sich seinen Wein gern nach Feierabend per Auto. Die Filialen liegen deshalb stets verkehrsgünstig an Ausfallstraßen, „auf der rechten Seite mit Parkplatz davor“. Jacques’ Kunden müssen aber noch auf den 2009er-Bordeaux warten. Erst 2012 dürfte der phänomenale Rote in die Filialen kommen. Im Internetversand der Hamburger Gruppe Hawesko gibt es die hochgelobten Gewächse bereits. Dafür müssen Genießer kein Vermögen bezahlen – ein ordentlicher Château Lafite der Domaine Rothschild ist schon für knapp zehn Euro zu haben.

Investor-Info

China macht die Weinhausse
Weinliebhaber sind in Aufregung: Erst der phänomenale 2009er-Jahrgang, laut Experten wegen der idealen Wetterbedingungen einer der schönsten und ausgeglichensten Bordeaux der jüngeren Zeit, dann 2010 wieder ein Jahrgang, der nicht ganz an den Vorgänger heranreicht, aber doch zu den besten seit vielen Jahren zählt. Ein hervorragendes und vor allem knappes Angebot – schließlich sind die Weingüter in der Fläche begrenzt, geerntet wird einmal im Jahr – trifft auf eine steigende Nachfrage, vor allem aus Fernost.
2010 importierte China erstmals mehr Bordeaux als Groß­britannien und Deutschland. Die Nachfrage wächst wegen der steigenden Kaufkraft der Chinesen und ihrem Hang zum Luxus kräftig weiter. Das Ergebnis lässt sich im Liv-Ex 100 ablesen, dem Index der 100 renommiertesten Weine der Welt, der zu über 80 Prozent aus Bordeaux besteht. In den vergangenen fünf Jahren ist das Weinbarometer um 130 Prozent gestiegen und hat damit die Entwicklung bei Gold und Öl übertroffen.

Inzwischen sprechen manche Experten von einer Blase im Markt, so etwa der US-Kritikerpapst Robert Parker. Professionelle Weinhändler warnen, auch im Handel mit Spitzenweinen gehe es nicht immer nach oben. „In der Vergangenheit sind die Preise für Bordeaux stark gestiegen. Das heißt aber nicht, dass sich die Entwicklung künftig fortsetzen muss“, sagt beispielsweise Hawesko-Chef Alexander Margaritoff.

Hawesko
Starker Großhandel

Das Weinhandelshaus profitiert vom soliden Konsum im Inland und dem langfristigen Trend zu höherwertigen Weinen. Die steigende Nachfrage nach Luxusweinen vor allem aus China belebt das größte Segment, den Großhandel, der zuletzt um über 30 Prozent wuchs. Die Aktie ist nicht mehr billig, bleibt aber ein Langfrist­investment im Bereich Konsum. Ex Dividende wird das Papier ab Dienstag gehandelt. Bei Kursschwäche kaufen.

Majestic Wine
Britische Nummer 1

Großbritannien zählt neben China und den USA zu den größten Märkten für gehobene Weine weltweit. Majestic Wine ist der größte Weinfilialist der Insel, erzielt mit knapp acht Prozent eine recht üppige operative Marge. Vorstandschef Steve Lewis hat soeben eine Wachstums­offensive angekündigt. Lewis will die Zahl der Filialen auf 330 verdoppeln. Der Gewinn legte zuletzt um knapp 30 Prozent, der Umsatz um zehn Prozent zu. Geschätztes Gewinnplus 2012: 15 Prozent. Spekulativ, nur mit Limit!

Bildquellen: iStockphoto/Getty Images/Thinkstock

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