23.01.2013 03:00
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Shoppen auf der Madison Avenue: Ob sich der Aktien-Einkauf lohnt

Das Reisegepäck von Louis Vuitton ist stets begehrt
Luxusgüter-Aktien
Die Madison Avenue in New York ist das Schaufenster der Branche. Welche Titel der Nobelmarken derzeit angesagt sind.
€uro am Sonntag

von Tim Schäfer, New York

Die Madison Avenue in New York ist die bedeutendste Nobelmeile Nordamerikas. Sie ist 1,5 Meilen lang, reicht von der 57. bis zur 86. Straße. Nirgendwo sonst gibt es mehr Designerkleidung, Weltklasse-Galerien, Edelfriseure. Im Gegensatz zur Fifth Avenue, die parallel verläuft, wird die Madison Avenue nicht von Menschenmassen bevölkert. Dafür haben die Kunden tiefe Taschen.

David Rockefeller, Rupert Mur­doch, Robert Bass, Sumner Red­stone und Ronald Perelman residieren in diesem Viertel. „60 Prozent des Umsatzes der Läden entfallen auf die Bewohner, 40 Prozent auf die Besucher“, sagt Matthew Bauer, Chef des Gewerbefördervereins der Madison Avenue. Laut „Forbes“ kostet eine Wohnung im Schnitt 6,5 Millionen, die Ladenmieten beginnen ab einer Million Dollar pro Jahr. J P Morgan betreibt eine Villa speziell für die privaten Bankgeschäfte der Superreichen. In den Wolkenkratzern mit den Hausnummern 660 und 667 residieren führende Hedgefonds. Designerläden, die hier ihre Türen öffnen, sind weltweit der Renner.

Während in Asien die Nachfrage nach Luxus in den vergangenen Jahren explodierte, stagnierte im Westen der Absatz. Schuld waren die Finanzkrise, das ungewisse Rennen um das Weiße Haus, der Streit um die Fiskalklippe und der drohende Zerfall des Euro — all das verunsicherte die Verbraucher.

Nun ist mit einem neuen Schwung aus den USA zu rechnen, die Stimmung unter den Verbrauchern hellt sich auf. Hoffnung verbreitet der sich belebende Jobmarkt. So erreichte die Arbeitslosigkeit mit 7,8 Prozent das niedrigste Niveau seit 2008. Die Immobilienpreise ziehen in vielen Regionen an.

Touristen aus China willkommen
Zum weltweit führenden Käufer von Luxusgütern ist aber China aufgestiegen. Laut der Consultingfirma Bain & Company gehen 25 Prozent des globalen Absatzes inzwischen in China über den Tresen, gefolgt von den USA mit 20 Prozent. Kein Wunder, dass Touristen aus China nicht nur in New York umgarnt werden. An etlichen Boutiquen der Madison Avenue klebt an der Eingangstüre das Logo von UnionPay, das ist die offizielle Kreditkarte von Besuchern aus dem Riesenreich.

Die Oberschicht im Westen hat allerdings einen Trumpf im Ärmel: Ihr hilft der Anstieg an den Weltbörsen. Ein großer Teil ihres Privatvermögens ist am Aktienmarkt investiert. Je höher die Kurse marschieren, desto lockerer sitzt das Portemonnaie, erklärt der Chef des Edelkaufhauses Saks, Steven Sadove, Inves­toren gern den Zusammenhang. Schließt der Dow-Jones-Index auf einem neuen Hoch, klingeln noch am selben Tag die Kassen bei Saks. Befindet sich die Börse dagegen auf Talfahrt, landen weniger Lederschuhe und Samtblusen im Einkaufskorb.

Vom neuen Schwung aus Nordamerika dürfte besonders der PVH-Konzern profitieren, der zu 60 Prozent vom Heimatmarkt USA abhängt. Seit dem Jahr 2003 steigerte die Textilfirma von der Madison Avenue den Umsatz im Schnitt um 16 Prozent, das Ergebnis um 23 Prozent. Was die Holding in Schwung brachte, waren die Zukäufe von Calvin Klein und Tommy Hilfiger. Beide Ikonen tragen 70 Prozent zum Umsatz bei. Vorstandschef Emanuel Chirico nimmt allein für die Calvin-Klein-Werbung 300 Millionen Dollar jährlich in die Hand. Was ihm auf der Kostenseite hilft, sind die niedrigen Baumwollpreise, die auf ein Mehrjahrestief gefallen sind.

Margen fallen, Umsatz steigt
Bereits im November kündigte die Kosmetikgruppe Estée Lauder an, eine neue Frische im Luxusmarkt zu erkennen. Zuversichtlich ist auch Edelschneider Ralph Lauren, der gleich mehrere Boutiquen am nördlichen Ende der Madison Avenue betreibt. Der Hauptsitz befindet sich im Süden der Prachtstraße. Dort geht der 73-jährige Gründer und Vorstandschef Lauren, der Ende der 60er-Jahre die Marke „Polo“ schuf, täglich ein und aus. Seine Modefirma notiert nahe am Allzeithoch vom vorigen Jahr. Heute hat die Gruppe 25 000 Mitarbeiter, 379 Filialen, 6,8 Milliarden Dollar Umsatz.

Trotz der neuen Goldgräberstimmung in der Branche warnt Standard & Poor’s vor übertriebenem Optimismus. Die Ratingagentur veröffentlichte eine Studie mit dem Titel „Der Glanz der Luxusgüterbranche wird 2013 verblassen, aber nicht verschwinden“. Die Autoren gehen auf Dickschiffe wie LVMH oder PPR, beide aus Frankreich, ein. Diese dürften ihren Umsatz im hohen einstelligen Bereich steigern, während die Margen leicht fielen. Sorgen ­machen um die Luxusgüterhersteller und -verkäufer muss sich jedoch niemand.

S & P-Analystin Caroline Duron lobt die Edelhäuser für ihre beeindruckenden Margen, die innerhalb des Konsumgütersektors die höchsten bleiben sollten. Kaufargumente für die Aktien seien die hohen Cashflows und die stabilen bis positiven Ausblicke. Die Wirtschaftskrise in den USA haben die Nobelanbieter ohnehin gut überstanden. Die Vorstände stutzten während der Rezession ihre Investitionen, sie schonten die Kassenbestände, sie kauften eigene Aktien zurück.

Wichtigste Kunden aus Asien
LVMH, der Gigant aus Paris, hat eine besonders breite Produkt- und Markenpalette im Nobelbereich — ob Champagner oder Lederwaren, ob Kosmetik oder Parfüm, Uhren oder Schmuck. 3040 Filialen verteilen sich rund um den Globus. Einst spielte Europa die dominierende Rolle, die USA waren eine wichtige Komponente. Doch hat sich das Geschäft inzwischen auf die Schwellenländer verlagert. Asien steuert heute 27 Prozent zum Umsatz bei. Inklusive Japan sind es gar 35 Prozent. Der Anteil, der auf Frankreich entfällt, sinkt kontinuierlich, 2011 waren es noch zwölf Prozent, 21 Prozent machte das restliche Europa aus, 22 Prozent die USA. In der Kategorie Schmuck und Uhren ist Asien mit ­einem Anteil von 40 Prozent bereits das wichtigste Absatzgebiet für LVMH geworden.

Nach Angaben des Schweizer Uhrenverbands hängen die rund 200 eidgenössischen Marken, lange eines der Statussymbole der Wall-Street-Banker, inzwischen auch schon zu 30 Prozent vom Export nach China und Hongkong ab. Was die Nachfrage zusätzlich treibt: Chinesen, die im Ausland Armbanduhren erwerben, können erheblich Steuern sparen. Im Inland fallen beim Erwerb gleich drei Steuerarten an, darunter eine Luxussteuer.

Zurück auf die Madison Avenue. Matthew Bauer, der als Lobbyist des lokalen Einzelhandels die Straße wie seine Westentasche kennt, möchte partout nicht sagen, wo die Stars und Sternchen wohnen. Er ist eben ein New Yorker. Die sind der Ansicht, die Promis sollen ungestört ihr Leben — und das Shoppen — in der Metropole genießen, ohne dabei von Paparazzi oder Autogrammjägern belästigt zu werden.

Investor-Info

Ralph Lauren
Dividende mit Potenzial
Edel sind bei dem Modehersteller die Margen, operativ bleiben 15 Prozent vom Umsatz hängen. In den zurückliegenden Jahren kaufte Vorstandschef Ralph Lauren massiv Aktien zurück. Das stützt den Kurs. Bei der Dividende, die mit einem Prozent rentiert, besteht Potenzial. Die Börsenbewertung mit dem 2,2-Fachen des Umsatzes ist zwar nicht günstig. Aber Qualität hat bekanntlich ihren Preis. Kaufen.

ISIN: US7512121010

LVMH
Hocheffizientes aus Paris
Von erster Güte sind die Eigenkapitalrendite mit fast 17 und die operative Marge mit mehr als 21 Prozent. Angesichts des starken Portfolios mit Marken wie Moët & Chandon, Veuve Clicquot, Louis Vuitton, Dior oder Kenzo besteht bei der Preisfestsetzung im Einzelhandel kein Druck. Der Kurs befindet sich in ­einem hartnäckigen Seitwärtstrend — mit der Chance für einen Ausbruch nach oben. Kaufen.

ISIN: FR0000121014

PVH Corp
Mutterkonzern von Hilfiger
Zum Textilkonzern von der Madison Avenue gehören Labels wie Calvin Klein, Tommy Hilfiger oder Timberland, dazu zahlreiche Lizenzen für hochwer­tige Hemden oder Krawatten. Im vergangenen Geschäftsjahr stieg der Umsatz von PVH von 4,6 auf 5,8 Milliarden Dollar. Der Überschuss kletterte von 53 auf 317 Millionen Dollar. Die Bewertung mit dem 1,4-fachen Umsatz ist günstig.

ISIN: US6936561009

Estée Lauder
Teure Cremes und Parfüm
Der traditionsreiche New Yorker Kosmetikhersteller baut Umsatz und Ergebnis regelmäßig aus. Die Margen sind prächtig, der Ausblick stimmt. Die Bewertung mit dem 2,5-fachen Jahresumsatz ist aber ambitioniert. Bei der Dividende — nur 18 Prozent vom operativen Cashflow werden ausgeschüttet — besteht ein großer Erhöhungsspielraum. Halten.
ISIN: US5184391044

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