Von Herbert Rude
Die Krise in der Euro-Zone bremst die Bullen an den Börsen zum Auftakt der neuen Woche weiter aus. Der Dax verlor 0,3 Prozent auf 6.388 Punkte, und der Euro-Stoxx-50 gab um 0,3 Prozent auf 2.228 Punkte nach. "No Country for Old Bulls", titeln die Anlagestrategen von Merrill Lynch. Zwar kommt von der Zinsseite weiter Unterstützung, für die nächste Woche wird am Geldmarkt sogar mit negativen Zinsen gerechnet. Die Aktienmärkte dürften davon laut Merrill Lynch aber erst profitieren, wenn die Euro-Krise abebbt.
Und eine Problemlösung ist weiterhin nicht in Sicht. Die Rendite der zehnjährigen Bonds stieg schon wieder an die Marke von 7 Prozent, über der Griechenland, Irland und Portugal unter den Rettungsschirm geflüchtet waren. Die Versicherungsprämien gegen einen Ausfall spanischer Staatsanleihen stiegen fast auf das Rekordniveau von Mitte Juni. "Mit den hohen Prämien preist der Markt das Risiko eines Auseinanderbrechens der Euro-Zone ein", so ein Kreditanalyst.
Zwar seien die Weichen unter längerfristigen Gesichtspunkten nun richtig gestellt. Mit einer Regulierungsbehörde für die Banken sei aber erst etwa in einem Jahr zu rechnen, mit einem gemeinsamen Insolvenzrecht in zwei bis drei Jahren und mit einer gemeinsamen Einlagensicherung erst in drei bis fünf Jahren. Ob der Markt dem Euro diese lange Zeit als Bewährungsprobe gebe, sei angesichts politischer Risiken wie möglicher Kurswechsel nach Wahlen zweifelhaft. "Wir haben eine neue Woche, aber die Probleme sind die alten", sagt Chris Beauchamp von IG Index in London.
Damit spielte der Analyst auch auf das Treffen der Finanzminister am Abend an, das aller Voraussicht nach "mit einer Absichtserklärung und sonst nicht viel mehr" enden dürfte. Die Euphorie nach dem EU-Gipfel sei verflogen, der Fortschritt bei den Bemühungen um eine Lösung der Schuldenkrise bleibe aus.
Die Roten Roben schwingen den Taktstock
Begründet wurde die Zurückhaltung der Anleger aber auch mit der Sitzung des Bundesverfassungsgerichts am Dienstag. Die Verfassungsrichter entscheiden über einstweilige Anordnungen zum Fiskalpakt und zum Euro-Rettungsschirm. Dabei geht es unter anderem darum, ob der Bundespräsident die Gesetze zum Fiskalpakt und zum Euro-Rettungsschirm unterschreiben darf. Ein Ja der Verfassungsschützer dazu könnte Aktien und Euro wieder stützen. Sollte der Markt den Eindruck gewinnen, der ESM und der Fiskalpakt könnten in den späteren Verhandlungen am Bundesverfassungsgericht scheitern, dürften die Zinsen für spanische Anleihen weiter nach oben streben und die Zinsen deutscher Langläufer weiter gegen die Nulllinie fallen.
Aus technischer Sicht stehen die Chancen für die Optimisten vergleichsweise gut. Marktteilnehmer bewerten es als gutes Zeichen, dass im DAX der Unterstützungsbereich um 6.400 Punkte den Bären Stand hält. "Im Bereich von 6.400 bis 6.420 liegt dabei die erste über den Tageshandel hinausgehende Unterstützungszone vor", so Achim Matzke vom Commerzbank Technical Analysis and Index Research Team zum DAX-Future, der etwas über dem DAX notiert. Hier liegt die Unterstüzung bei etwa 6.380 Punkten. Darunter gilt der DAX in der Nähe der 200-Tage-Linie bei etwa 6.230 Punkten als unterstützt.
Am späten Abend dürfte sich der Blick der Finanzmärkte zumindest für kurze Zeit vom europäischen Dilemma ab- und dem US-Aluminiumkonzern Alcoa zuwenden. Dieser veröffentlicht gegen 22.00 Uhr Geschäftszahlen zum zweiten Quartal und gibt damit wie jedes Jahr den inoffiziellen Startschuss für die Saison der Quartalsberichte an der Wall Street. Geführt wird das Alu-Schwergewicht vom ehemaligen Siemens-Chef Klaus Kleinfeld.
Unter Europas Blue-Chips avancierten derweil Metro-Aktien zum größten Verlierer. Der Kurs des Handelskonzern fiel um mehr als sechs Prozent. "Die Euro-Krise verdirbt den Deutschen die Kauflust. Wir rechnen beim Konsum in diesem Jahr bestenfalls noch mit einem kleinen Plus. Das hat deutliche Auswirkungen auf unser Geschäft", sagte CEO Olaf Koch der "Bild am Sonntag". Aktien des französischen Handelsriesen Carrefour verloren mehr als drei Prozent.
Thyssen und Lufthansa im Aufwind
Zulegen konnten dagegen die Aktien von ThyssenKrupp, die um 2,2 Prozent stiegen auf 13,41 Euro. "Im Kurs stecken so viele schlechte Nachrichten, dass es nur besser werden kann", so Peter Braendle von SwissCanto im Anlegermagazin Barron's. Sollte Thyssen die Probleme im Stahlbereich lösen, sei eine Kursverdopplung vorstellbar, heißt es in dem Bericht. Lufthansa bauten die Kursgewinne mit einem Plus von 1,8 Prozent auf 9,43 Euro kräftig aus. Bereits am Freitag hatte Morgan Stanley das Kursziel auf 15,70 von 14,30 Euro erhöht.
Unter den Sektoren gewann der Index der Telekom-Werte 0,5 Prozent, gestützt von positiven Analysten-Stimmen. "Der Sektor hat derzeit die höchste Rendite aller Sektoren", meint Nomura-Stratege Inigo Fraser-Jenkins. Er hat die Branche auf Neutral erhöht von Untergewichten. TeliaSonera und France Telecom hat er in ein Modell-Portfolio besonders aussichtsreicher Werte aufgenommen. Angeführt wurde der Kursaufschwung in der Branche allerdings von Telecom Italia mit einem Plus von 3,9 Prozent.
Die Angst vor einem anhaltenden Konjunkturabschwung lastete dagegen vor allem auf den Aktien der Rohstoffproduzenten, deren Index 1,4 Prozent verlor. Auch Technologie-Aktien standen mit einem Minus von 1,4 Prozent unter Druck. Nokia fielen um 3,9 Prozent auf 1,49 Euro, das ist der niedrigste Kurs seit 1996.
Europäische Schlussbörsen vom Montag, 9. Juli
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. Index Schluss- Entwicklung Entwicklung Entwicklung
. stand absolut in % seit
. Jahresbeginn
Europa Euro-Stoxx-50 2227,91 -7,60 -0,3% -3,8
. Stoxx-50 2413,86 -9,45 -0,4% 1,9
. Stoxx-600 253,46 -0,94 -0,4% 3,6
Frankfurt XETRA-DAX 6387,57 -22,54 -0,4% 8,3
London FTSE-100 5627,33 -35,30 -0,6% 1,1
Paris CAC-40 3156,80 -11,99 -0,4% -0,1
Amsterdam AEX 308,40 -1,44 -0,5% -1,3
Athen ATHEX-20 234,29 1,93 +0,8% -11,6
Brüssel BEL-20 2194,31 -17,19 -0,8% 5,3
Budapest BUX 17121,19 24,88 +0,1% 0,9
Helsinki OMXH-25 1869,56 -14,35 -0,8% -3,7
Istanbul NAT30 74426,00 1394,97 +1,9% 20,6
Kopenhagen OMXC-20 458,03 -2,17 -0,5% 17,5
Lissabon PSI 20 4739,43 12,76 +0,3% -13,5
Madrid IBEX-35 6738,90 -50,60 -0,8% -21,9
Mailand FTSE-MIB 13812,65 80,58 +0,6% -8,5
Moskau RTS 1346,66 -21,59 -1,6% -2,5
Oslo OBX 372,88 -2,11 -0,6% 4,3
Prag PX 908,40 -7,90 -0,9% -0,3
Stockholm OMXS-30 1020,44 -3,43 -0,3% 3,3
Warschau WIG-20 2241,55 -31,73 -1,4% 4,5
Wien ATX 1947,16 -9,50 -0,5% 2,9
Zürich SMI 6160,78 -22,89 -0,4% 3,8
DEVISEN zuletzt '+/- % Mo, 8.40 Uhr Fr, 18.30 Uhr
EUR/USD 1,2300 0,07% 1,2291 1,2282
EUR/JPY 97,9760 0,03% 97,9486 97,7721
EUR/CHF 1,2009 -0,03% 1,2012 1,2010
USD/JPY 79,6600 -0,04% 79,6900 79,6100
GBP/USD 1,5511 0,10% 1,5495 1,5472
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July 09, 2012 12:10 ET (16:10 GMT)
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