05.02.2013 18:53
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MÄRKTE EUROPA/Europas Börsen zucken noch

   Von BENJAMIN KRIEGER

   Nach dem größten Tagesverlust des Dax seit sieben Monaten zum Wochenauftakt haben Europas Börsen am Dienstag durchgeatmet. Der Ausverkauf ging nicht weiter, der DAX konnte sich um 0,4 Prozent auf 7.665 Punkte leicht erholen. Am Montag hatten Sorgen um die politische Führung in Spanien und Italien einen europaweiten Ausverkauf ausgelöst, der den DAX um 2,5 Prozent einbrechen ließ. "Das Beste, was man dem gestrigen Ausverkauf abgewinnen kann: Es geht eben niemals immer nur in eine Richtung", sagte Chris Beauchamp, Analyst von IG Markets in London.

   Der Euro-Stoxx-50 stieg um ein Prozent auf 2.651 Punkte. An den Börsen in Mailand, Madrid und Paris erholten sich die Kurse am stärksten. Der Leitindex der Börse in Madrid kletterte um 2,2 Prozent, nachdem er allerdings am Vortag um fast das Doppelte eingebrochen war. Vor allem die Aktien italienischer und spanischer Banken, die am Vortag unter die Räder gekommen waren, legten zu. Der Broker Capital Spreads warnte jedoch, die kleine Erholung könne lediglich ein "Dead Cat Bounce" sein, das an den Börsen gern zitierte letzte Zucken der toten Katze.

   Beobachter hatten in den vergangenen Wochen immer wieder aufs Neue einer aus ihrer Sicht längst überfälligen Korrektur an den Börsen das Wort geredet. Denn die Kurse seien seit Mitte November fast ohne Unterbrechung gestiegen. Der DAX beispielsweise um fast 900 Punkte oder knapp 13 Prozent. Die Stimmungswerte, die als Kontraindikation für die künftige Markttendenz gelten, waren jüngst auf neue Rekordstände gestiegen.

   Kein Rückenwind von der Konjunktur

   Konjunkturdaten aus der Eurozone boten derweil wenig Argumente für Aktienkäufe. Einkäufer des Service-Sektors haben sich im Dezember zwar etwas optimistischer geäußert als erwartet. Der Umsatz im Einzelhandel ging jedoch im Dezember stärker zurück als befürchtet. Besonders in Spanien, Portugal und Deutschland haben die Verbraucher den Gürtel zuletzt noch einmal enger geschnallt. "Der private Konsum war zum Ende des vierten Quartals 2012 außerordentlich schwach", kommentierte Annalisa Piazza vom Londoner Broker Newedge.

   Auch der Euro, der am Montag kräftig Federn lassen musste, erholt sich zu US-Dollar, Yen und Pfund Sterling. Im frühen Handel fiel die Gemeinschaftswährung zum Dollar noch auf ein Tief von 1,3458. Seitdem hat sie sich um mehr als einen US-Cent auf 1,3570 erholt. Die Metzler Bank wertete den Ausverkauf des Euro am Montag als "beeindruckende Korrektur, wenn man bedenkt, dass erst am Freitag noch Kurse über 1,37 erreicht worden waren".

   Am Euro-Rentenmarkt kam die Flucht in als sicher geltende Papiere wie Bundesanleihen oder französische Staatsanleihen zu einem Ende. Die Kurse dieser Papiere gaben wieder nach. Die Commerzbank riet jedoch, angesichts der gestiegenen politischen Risiken in Italien und Spanien die Anleihen der Eurozone-Peripherie unterzugewichten. Davon wiederum könnten Bundesanleihen in den kommenden Wochen profitieren.

   Verlust und Kapitalerhöhung lassen KPN-Aktien einbrechen

   In Amsterdam erlebten KPN-Aktien einen Kurseinbruch von fast 40 Prozent. Die niederländische Telekom-Gruppe hat im vierten Quartal tiefrote Zahlen geschrieben und will mit neuen Aktien im Wert von vier Milliarden Euro der ausufernden Schuldenlast Herr werden. Die Aktien der Deutschen Telekom gaben um 0,8 Prozent nach und Aktien von Telecom Italia um 1,8 Prozent.

   Aktien von Munich Re stiegen dagegen um fast vier Prozent. Trotz der Schäden aus dem Wirbelsturm Sandy hat der größte Rückversicherer der Welt im vergangenen Jahr 3,2 Milliarden Euro verdient - rund viereinhalb Mal so viel wie 2011. Die Anleger können sich mit 7,00 Euro je Aktie auf eine deutlich höhere Dividende freuen. Dies ließ auch die Papiere des Wettbewerbers Swiss Re um gut vier Prozent zulegen.

   Die Schweizer Großbank UBS hat im Schlussquartal 2012 erneut tiefrote Zahlen geschrieben. Restrukturierungskosten, Verluste auf Verbindlichkeiten und Rückstellungen für Rechtskosten drückten auf die Bilanz. Die Aktie stagnierte daraufhin, während sich der europäische Bankensektor um 1,3 Prozent erholte.

   Papiere der Deutschen Börse legten um 0,6 Prozent zu. Angesichts der rückläufigen Handelsaktivitäten wollen die Eschborner weitere 70 Millionen Euro sparen, was laut Händlern den Kurs stützte.

   Gesucht waren die Aktien der beiden britischen Öl- und Gaskonzerne BP und BG Group. BP-Aktien stiegen um 1,3, nachdem das Unternehmen im vierten Quartal nach Steuern mehr verdient hat als erwartet. Aktien der BG Group verteuerten sich nach anfänglichen Kursverlusten um 3,4 Prozent. Das Unternehmen will im vierten Quartal ein wichtiges Öl- und Gasfeld in der Nordsee in Betrieb nehmen und damit die zuletzt schwache Produktion wieder ankurbeln.

.=== . Index Schluss- Entwicklung Entwicklung Entwicklung . stand absolut in % seit . Jahresbeginn Europa Euro-Stoxx-50 2.651,21 26,04 +1,0% 0,6 . Stoxx-50 2.616,80 16,58 +0,6% 1,5 . Stoxx-600 285,56 1,66 +0,6% 2,1 Frankfurt XETRA-DAX 7.664,66 26,43 +0,3% 0,7 London FTSE-100 6.282,76 35,92 +0,6% 6,5 Paris CAC-40 3.694,70 34,79 +1,0% 1,5 Amsterdam AEX 348,43 -1,26 -0,4% 1,7 Athen ATHEX-20 340,77 6,12 +1,8% 10,0 Brüssel BEL-20 2.518,66 12,43 +0,5% 1,7 Budapest BUX 19.264,86 174,65 +0,9% 6,0 Helsinki OMXH-25 2.320,91 24,02 +1,0% 5,0 Istanbul ISE NAT. 30 99.665,01 -616,38 -0,6% 2,0 Kopenhagen OMXC-20 552,39 4,65 +0,8% 11,3 Lissabon PSI 20 6.136,40 36,53 +0,6% 9,2 Madrid IBEX-35 7.919,60 174,00 +2,2% -0,9 Mailand FTSE-MIB 16.712,26 173,26 +1,0% 2,7 Moskau RTS 1.614,09 1,57 +0,1% 5,7 Oslo OBX 431,10 -1,40 -0,3% 5,1 Prag PX 998,74 -8,79 -0,9% -3,9 Stockholm OMXS-30 1.175,54 14,35 +1,2% 6,4 Warschau WIG-20 2.485,25 15,52 +0,6% -4,0 Wien ATX 2.387,88 2,54 +0,1% -0,6 Zürich SMI 7.404,63 41,91 +0,6% 8,5

DEVISEN zuletzt '+/- % Di, 8.17 Uhr Mo, 17.40 Uhr EUR/USD 1,3575 0,80% 1,3467 1,3540 EUR/JPY 126,7407 1,99% 124,2644 125,3627 EUR/CHF 1,2324 0,47% 1,2266 1,2293 USD/JPY 93,3380 1,16% 92,2650 92,6150 GBP/USD 1,5649 -0,52% 1,5732 1,5737 .=== Kontakt zum Autor: benjamin.krieger@dowjones.com

   DJG/bek/cln

   (END) Dow Jones Newswires

   February 05, 2013 12:23 ET (17:23 GMT)

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