FRANKFURT--Vor dem mutmaßlich richtungsweisenden EU-Gipfel ab Donnerstag dominiert an den Finanzmärkten in Europa weiter Skepsis und Vorsicht. Dass es an den Aktienmärkten trotzdem leicht nach oben geht, könnte an der niedrigen Erwartungshaltung liegen. Da ohnehin kaum jemand mit dem großen Befreiungsschlag in der Schuldenkrise rechnet, gibt es eigentlich nur positives Überraschungspotenzial. Gestützt werden die Börsen aber auch etwas von positiven US-Vorgaben nach zuletzt günstigen Signalen vom US-Immobilienmarkt.
Bei als extrem dünn beschriebenen Umsätzen gewinnt der Dax 0,6 Prozent auf 6,175 Punkte. Auch der Euro-Stoxx-50 legt um 0,6 Prozent zu, er notiert bei 2.140 Zählern. Lediglich die Indizes der zyklischen Rohstoff- und Chemieaktien geben leicht nach. Stärkste Gewinner sind Versicherer und Versorger, deren Subindizes um knapp 1 Prozent zulegen. Händler rechnen im weiteren Verlauf mit einem volatilen Seitwärtsgeschäft. "Die Anleger werden sich vor dem EU-Gipfel kaum aus der Deckung wagen", heißt es.
Im Vorfeld haben sich die Positionen der einzelnen Staaten zunehmend verhärtet. "Während Merkel erklärt, dass es zu einer Einführung von Euro-Bonds zu ihren Lebzeiten nicht kommen wird, droht Mario Monti mit vorgezogenen Wahlen, sollte es keine Fortschritte Richtung Euro-Bonds geben", bemerkt Chris Weston von IG Markets. In der Kakophonie vor dem Gipfel fänden aber vor allem die eher ernüchternden Aussagen aus Berlin Gehör, heißt es im Handel. "Dort sitzt das Geld und dort werden die Entscheidungen getroffen".
Am Devisenmarkt verläuft die Entwicklung ähnlich wie an den Börsen; der Euro bewegt sich in engen Grenzen volatil seitwärts und steht knapp unter 1,25 Dollar. Nach oben dürfte beim Wochenhoch von 1,2530 US-Dollar Schluss sein, glaubt Devisenexperte Christopher Vecchio von DailyFX. Unterstützung sieht er im Bereich 1,2480 bis 1,2440.
Die vorherrschende Nervosität macht sich auch am Anleihemarkt bemerkbar: Die Renditen spanischer und italienischer Anleihen verharren auf dem zuletzt wieder erhöhten Niveau und signalisieren keine Entspannung. Am Vormittag steht eine Auktion italienischer Kurzläufer im Fokus, mehr Aufschluss über den Kapitalmarktzugang Italiens dürfte aber die Versteigerung länger laufender Anleihen am Donnerstag bringen.
An den Börsen sorgt nicht nur die Unsicherheit wegen des Gipfels für Zurückhaltung der Anleger. Die sich eintrübende Weltwirtschaft kommt zunehmend bei den Unternehmen an. Zeugnis dafür legt die jüngste Gewinnwarnung von Infineon ab. Auch Siemens und Salzgitter haben sich vorsichtig geäußert. Die Infineon-Aktie verliert nach dem Kursrutsch am Dienstag weitere 3,5 Prozent. Am Tag nach der Gewinnwarnung hagelt es Abstufungen von Analysten.
Das Salzgitter-Papier verliert nach der Gewinnwarnung für das Stahlgeschäft 3,5 Prozent, für ThyssenKrupp geht es im Sog um 1,2 Prozent bergab.
Im Blickpunkt steht daneben die Commerzbank-Aktie. Sie gewinnt 0,8 Prozent auf 1,35 Euro. Händler sehen die geänderte Prioritätensetzung bei der Restrukturierung positiv: Die Bank will sich entgegen der bisherigen Planung komplett aus dem Geschäft mit gewerblichen Immobilien und der Schiffsfinanzierung zurückziehen will. Es sei konsequent, sich von Verlustbringern zu trennen, heißt es.
Im MDAX stehen Lanxess-Papiere unter Druck und verlieren 3,5 Prozent. Händler begründen dies mit der Gewinnwarnung des britischen Spezialchemie-Konkurrenten Yule Catto, der von einem schwierigen Marktumfeld spricht.
DEVISEN zuletzt +/- % 0.00 Uhr Di, 18.18 Uhr
EUR/USD 1,2496 +0,0% 1,2492 1,2494
EUR/JPY 99,4871 +0,2% 99,3052 99,2751
EUR/CHF 1,2010 -0,0% 1,2011 1,2011
USD/JPY 79,6305 +0,2% 79,5035 79,4675
GBP/USD 1,5621 -0,1% 1,5636 1,5627
DJG/gos/smh
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June 27, 2012 04:24 ET (08:24 GMT)
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