27.11.2012 19:13
Bewerten
 (0)

MÄRKTE EUROPA/Keine Begeisterung über Griechenland-Rettung

Von Manuel Priego-Thimmel FRANKFURT--Von Euphorie unter den Anlegern über das dritte Rettungspaket für Griechenland ist an Europas Börsen am Dienstag nichts zu spüren gewesen. Zu groß sind die Zweifel, ob das Land wirklich aus dem Schneider ist. Mit einer Kombination aus Zinssenkungen, Laufzeitverlängerungen und einem Rückkaufprogramm griechischer Anleihen wird Griechenland mehr Zeit für Reformen eingeräumt. Das Land erhält zudem in Tranchen die dringend benötigten 44 Milliarden Euro. Einen Schuldenschnitt wird es zunächst nicht geben. "Es wurde zusätzliche Zeit erkauft, mehr nicht", sagte ein Händler.

   Michala Marcussen von der Societe Generale erwartet weitere Rettungsmaßnahmen nach der Bundestagswahl 2013. Wichtiger Bestandteil des neuen Plans zur Schuldenreduzierung ist der Rückkauf verbilligter griechischer Schulden. Es ist aber vollkommen unklar, ob die Anleiheninhaber überhaupt bereit sind, diese zu Schleuderpreisen anzudienen. Der Dax stieg 0,6 Prozent auf 7.332 Punkte, gestützt durch kräftige Aufschläge im Gesundheitssektor. Der Euro-Stoxx-50 ging unverändert mit 2.542 aus dem Handel. An der Börse in Athen ging es für die ASE-Kurse leicht um 0,3 Prozent nach oben, der Athex-20 gab dagegen deutlich ab.

   Bevor Geld fließt, wird sich Griechenland aber noch ein paar Wochen gedulden müssen. Erst Anfang nächsten Jahres soll die erste der verzögerten Kreditraten ausgezahlt werden. Und die Schecks hängen weiterhin davon ab, dass Griechenland das vereinbarte Sparprogamm auch umsetzt. "In den nächsten Tagen könnte ein Rest Unsicherheit aufkommen. Denn der deutsche Bundestag muss im Eilgalopp den neuen Maßnahmen zustimmen", gab Ulrich Leuchtmann von der Commerzbank zu bedenken. Allerdings zweifelt an den Börsen niemand ernsthaft daran, dass das Rettungsprogramm verabschiedet wird.

   Der Euro reagierte zunächst erfreut über das Griechenland-Paket. Im Tageshoch stieg die Einheitswährung auf über 1,30 zum Dollar, konnte die Aufschläge in der Folge nicht halten. Den Anlegern ist nur zu bewusst, dass das Thema Griechenland über kurz oder lang wieder auf dem Tisch der Politiker landen wird. Zum Börsenschluss notierte der Euro bei 1,2940. Am Anleihemarkt reagierten Bundesanleihen mit Abgaben auf die Griechenland-Rettung, konnten sich im Handelsverlauf aber von den Tagestiefs lösen. Griechische Anleihen reagierten positiv.

   Bankenaktien legen zu

   Von der Einigung auf weiteres Geld für Athen profitieren vor allem die Bankenaktien. Papiere der Commerzbank stiegen um 1,7 Prozent und die der Deutschen Bank um 2,3 Prozent. In Frankreich zogen Aktien der BNP Paribas um 0,7 Prozent an, für Societe-Generale-Titel ging es 2,2 Prozent nach oben. Der griechische Bankensektor selbst wies allerdings deutliche Verluste aus.

   Der Telekomsektor musste in Europas die meisten Kursverluste hinnehmen. Die Rating-Agentur Moody's hat gewarnt, dass der Umsatz in der Branche im kommenden Jahr zurückgehen dürfte und dass die am schlimmsten betroffenen Unternehmen womöglich das Kapital erhöhen müssten. Aktien der Deutschen Telekom, von France Telecom und Telecom Italia gaben zwischen 0,8 und 3,2 Prozent nach.

   Nach Telekommunikationsaktien standen Versorgertitel in Europa am stärksten unter Abgabedruck. Ein Händler machte zwei belastende Faktoren aus: So fürchteten viele Anleger um die Dividenden im Sektor. Daneben stehe größerer Investitionsbedarf in die Netze in den kommenden Jahren an. Ein insgesamt wenig attraktiver Cocktail. RWE verloren 0,5 Prozent, E.ON 0,6 Prozent, GDF Suez 1,6 Prozent und Iberdrola 0,9 Prozent.

   Aktionäre von Borussia Dortmund konnten sich über eine Dividende von sechs Euro-Cent je Aktie freuen. Mit gut zwei Prozent bleibt die Rendite allerdings überschaubar. Die Aktie handelte trotz des Dividendenabschlags fester. Ein Sieg der Borussia am Samstag beim Spitzenreiter Bayern München dürfte den Fans und vielen Aktionären aber ohnehin wichtiger sein.

   Europäische Schlussstände von Dienstag, den 27. November 2012:

=== Index Schluss- Entwicklung Entwicklung Entwicklung stand absolut in % seit Jahresbeginn Europa Euro-Stoxx-50 2543,45 0,93 +0,0% 9,8 Stoxx-50 2528,41 5,19 +0,2% 6,7 Stoxx-600 272,86 0,86 +0,3% 11,6 Frankfurt XETRA-DAX 7332,33 40,30 +0,6% 24,3 London FTSE-100 5799,71 12,99 +0,2% 4,2 Paris CAC-40 3502,13 1,19 +0,0% 10,8 Amsterdam AEX 332,92 2,02 +0,6% 6,5 Athen ATHEX-20 298,32 -4,20 -1,4% 12,6 Brüssel BEL-20 2404,94 4,26 +0,2% 15,4 Budapest BUX 17663,97 -171,64 -1,0% 4,1 Helsinki OMXH-25 2118,14 -16,98 -0,8% 9,1 Istanbul ISE NAT. 30 89580,13 69,69 +0,1% 45,2 Kopenhagen OMXC-20 488,88 1,66 +0,3% 25,4 Lissabon PSI 20 5293,74 -46,09 -0,9% -4,5 Madrid IBEX-35 7874,80 -11,10 -0,1% -8,2 Mailand FTSE-MIB 15479,81 -40,33 -0,3% 2,6 Moskau RTS 1424,89 -4,94 -0,3% 3,1 Oslo OBX 410,33 0,32 +0,1% 14,7 Prag PX 995,11 11,86 +1,2% 9,2 Stockholm OMXS-30 1071,73 2,75 +0,3% 8,5 Warschau WIG-20 2407,06 1,24 +0,1% 12,2 Wien ATX 2261,82 16,94 +0,8% 19,6 Zürich SMI 6711,71 29,83 +0,4% 13,1

DEVISEN zuletzt '+/- % Di, 8.17 Uhr Mo, 18.37 Uhr EUR/USD 1,2938 -0,42% 1,2993 1,2966 EUR/JPY 106,3663 -0,48% 106,8831 106,4504 EUR/CHF 1,2045 -0,05% 1,2051 1,2039 USD/JPY 82,2150 -0,05% 82,2550 82,1100 GBP/USD 1,6025 -0,16% 1,6050 1,6020 === Kontakt zum Autor: manuel.priego-thimmel@dowjones.com DJG/mpt/flf (END) Dow Jones Newswires

   November 27, 2012 12:42 ET (17:42 GMT)

   Copyright (c) 2012 Dow Jones & Company, Inc.- - 12 42 PM EST 11-27-12

Anzeige
Börse Stuttgart Anlegerclub
Technologieaktien: Drei Möglichkeiten, um vom Trend "Digitale Fabrik" zu profitieren!
Die vierte industrielle Revolution ist im vollen Gange und verändert, vom Großteil der Gesellschaft völlig unbemerkt, bereits die Produktionsabläufe in den großen, industriellen Hallen. Wir zeigen Ihnen in der aktuellen Ausgabe des Anlegermagazins drei Möglichkeiten, wie Sie in den kommenden Monaten und Jahren von dem Zukunftstrend "Digitale Fabrik" profitieren können.
Anlegermagazin kostenlos erhalten

Heute im Fokus

DAX kaum bewegt -- US-Justiz bestätigt Milliarden-Vergleich mit Deutscher Bank -- Unternehmen warnen Trump vor Handelskrieg mit Peking -- Ethihad: Keine Beteiligung an Lufthansa -- ASML im Fokus

Von Goldman Sachs bis Deutsche Bank: Das haben Geldhäuser laut einer Studie mit Kim Jong-Un und der Mafia gemeinsam. Rocket Internet will 2017 drei Beteiligungen in die Gewinnzone bringen. Deutsche Inflation auf höchstem Stand seit Juli 2013. Bringt Kia einen Tesla-Konkurrenten unters Volk?
Diese 10 Automobil Neuheiten gibt es bei der Detroit Auto Show 2017
Jetzt durchklicken
Diese Aktien stehen auf den Verkauflisten der Experten
Jetzt durchklicken
Diese 10 Aktien kann sich nicht jeder Investor leisten
Jetzt durchklicken

Die 5 beliebtesten Top-Rankings

Die Millionen-Dollar-URLs
Jetzt durchklicken
Welche Commodities entwickelten sich 2016 am stärksten?
Jetzt durchklicken
Mit diesem Studium wird man CEO im Dow Jones
Jetzt durchklicken
Das verdienen YouTube-Stars mit Videos
Jetzt durchklicken
So reich sind die Minister aus Donald Trumps Kabinett
Jetzt durchklicken
mehr Top Rankings

Umfrage

Der künftige US-Präsident Donald Trump hat die Nato als obsolet bezeichnet. Halten Sie das Militärbündnis ebenfalls für überflüssig?
Beliebte Suchen
DAX 30
Öl
Euro US-Dollar
Goldpreis
Meistgesucht
Deutsche Bank AG 514000
Volkswagen AG Vz. (VW AG) 766403
Daimler AG 710000
BASF BASF11
Bayer BAY001
Deutsche Lufthansa AG 823212
E.ON SE ENAG99
Commerzbank CBK100
Nordex AG A0D655
Apple Inc. 865985
Deutsche Telekom AG 555750
Allianz 840400
BMW AG 519000
Zalando ZAL111
Siemens AG 723610