VON HERBERT RUDE
FRANKFURT---Käufe im späten Geschäft haben die europäischen Aktienbörsen leicht ins Plus getrieben. Der Euro-Stoxx-50 stieg um 0,2 Prozent auf 2.437 Punkte, der Dax schloss mit 6.965 Punkten fast unverändert. Umfragen zur Positionierung der Anleger zeigen, dass viele den Aufschwung verpasst haben, und zwar sowohl diesseits als auch jenseits des Atlantiks. Sie nutzten Korrekturansätze während der Sitzung zum Kauf.
Sebastian Sachs, Marktanalyst des Bankhauses Metzler, bleibt gleichwohl skeptisch, ob dem DAX bereits im ersten Anlauf der Sprung über die 7.000er Marke gelingt. Der Euro steht am Donnerstag bereits unter Druck, er fällt auf 1,2310 US-Dollar. "Die Worte Draghis haben jetzt an Wirkung verloren", so Sachs mit Blick darauf, dass der Chef der Europäischen Zentralbank mit seinem Bekenntnis zur Euro-Rettung die Gemeinschaftswährung nach oben getrieben hat. Die EZB müsse nun nachlegen, möglicherweise mit konkreten Schritten, um die Euro-Erholung voranzutreiben. Diese habe sich bei Ständen knapp über 1,24 US-Dollar erst einmal erschöpft.
Gestützt wurde die Stimmung auf der Aktienseite im späten Geschäft von guten US-Vorlagen nach vergleichsweise guten Rahmendaten. Das Handelsbilanzdefizit ist dank hoher Exporte geringer ausgefallen als erwartet: "Und das trotz des starken Dollars", wundert sich ein Händler. Die wöchentlichen Arbeitsmarktdaten sind ebenfalls etwas besser ausgefallen als erwartet.
Trotzdem gelten weitere Konsolidierungsansätze an den Börsen als wahrscheinlich, weil viele Indizes knapp unter starken technischen Widerständen liegen. So fehlen dem S&P-500 bis zum Jahreshoch bei 1.422 Punkten nur noch gut ein Prozent, und der DAX liegt direkt unterhalb der 7.000er Marke. Die Konsolidierung dürfte allerdings eher flach verlaufen. Dafür spricht auch die günstige Entwicklung vieler Branchen und Einzeltitel.
Ausreißer nach oben sprechen gegen stärkere Korrektur
Nokia setzten ihren Aufschwung um weitere 6,5 Prozent fort. Händler verwiesen als Anlass auf den Verkauf eines Portfolios, der die Liquidität weiter verbessere. Hinter der Erholung stehe aber vor allem die Spekulation, der Konzern werde noch vor Apple ein neues Handy vorstellen, und dieses könnte sich deutlich besser verkaufen als das "Lumia". Zusätzlich stützte, dass mit dem Anstieg die Chance auf einen Verbleib im Euro-Stoxx-50 zur Überprüfung im September wächst.
Aegon stiegen um knapp 6 Prozent. Die Quartalszahlen sind von Analysten als stark bezeichnet worden. Und unter den Sektoren steuerten die vergleichsweise konjunkturunabhängigen Aktien der Nahrungsmittelbranche schon wieder ihr Jahreshoch an. Ihr Branchen-Index stieg um 1,0 Prozent, angetrieben auch von Nestle, deren Kurs gut 2 Prozent gewann. Nestle hat nach Ansicht der Bank Vontobel sehr solide Halbjahreszahlen vorgelegt. Die Bank verweist auf das gute organische Wachstum und eine besser als erwartet ausgefallene Margenentwicklung. Auch der Sektor der Aktien für Personal Household and Goods zog deutlich an, mit einem Plus von 1,3 Prozent lag er an der Spitze der Gewinner.
Dagegen fiel der Index der Telekommunikations-Aktien um 0,7 Prozent. Die Branche geriet in den Sog der Deutschen Telekom, deren Aktie 2 Prozent verlor. Zwar bewerteten Marktteilnehmer den Ausblick auf den Free Cashflow von rund 6 Milliarden Euro und die bestätigte Dividendenprognose positiv. Anleger nutzten den guten Bericht aber einfach zu Gewinnmitnahmen, nachdem der Kurs seit Mai um etwa 20 Prozent gestiegen war.
Europäische Schlussbörsen vom Donnerstag, 9. August
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. Index Schluss- Entwicklung Entwicklung Entwicklung
. stand absolut in % seit
. Jahresbeginn
Europa Euro-Stoxx-50 2437,04 4,76 +0,2% 5,2
. Stoxx-50 2565,23 8,89 +0,3% 8,3
. Stoxx-600 270,26 1,06 +0,4% 10,5
Frankfurt XETRA-DAX 6964,99 -1,16 -0,0% 18,1
London FTSE-100 5841,86 5,59 -0,1% 4,9
Paris CAC-40 3456,71 18,45 +0,5% 9,4
Amsterdam AEX 334,66 2,62 +0,8% 7,1
Athen ATHEX-20 221,16 -0,20 -0,1% -16,5
Brüssel BEL-20 2351,98 11,54 +0,5% 12,9
Budapest BUX 17889,44 -16,64 -0,1% 5,4
Helsinki OMXH-25 2043,83 32,25 +1,6% 5,2
Istanbul ISE NAT. 30 78499,18 -345,32 -0,4% 27,2
Lissabon PSI 20 4831,24 38,85 +0,8% -11,4
Madrid IBEX-35 7150,20 -40,00 -0,6% -17,0
Mailand FTSE-MIB 14654,11 -11,19 -0,1% -2,9
Moskau RTS 1433,46 -0,14 -0,0% 3,7
Oslo OBX 401,99 4,63 +1,2% 12,4
Prag PX 924,60 9,80 +1,1% 1,5
Stockholm OMXS-30 1083,67 3,72 +0,3% 9,7
Warschau WIG-20 2319,42 50,09 +2,2% 8,2
Wien ATX 2060,19 7,22 +0,4% 8,9
Zürich SMI 6505,29 47,29 +0,7% 9,6
DEVISEN zuletzt '+/- % Do, 8.23 Uhr Mi, 18.04 Uhr
EUR/USD 1,2278 -0,81% 1,2378 1,2364
EUR/JPY 96,5900 -0,63% 97,1998 96,9813
EUR/CHF 1,2010 -0,03% 1,2014 1,2012
USD/JPY 78,6625 0,18% 78,5200 78,4495
GBP/USD 1,5617 -0,32% 1,5667 1,5658
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August 09, 2012 12:07 ET (16:07 GMT)
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