Zwischen Hoffen und Bangen treten die europäischen Börsen im frühen Handel am Mittwoch auf der Stelle. Ob und in welchem Rahmen die US-Notenbank der Wirtschaft und damit den Kapitalmärkten am Abend unter die Arme greift, wird für die kommenden Tage die Richtung vorgeben. "Die Erwartungen stehen unter Volldampf, nun muss geliefert werden", sagt Wee-Khoon Chong, Anlagestratege bei Societe Generale. Der deutsche Aktienmarkt gibt nach den Gewinnen am Vortag um 0,2 Prozent auf 6.350 Punkte nach, der Euro-Stoxxx-50 notiert mit 2.198 Punkten nahezu unverändert.
Im Blick der Märkte steht die Sitzung der US-Notenbank. Erwartet wird, dass die Federal Reserve zumindest die auslaufende "Operation Twist" verlängert, also den Ankauf von Langläufern bei einem gleichzeitigen Verkauf von kurzlaufenden US-Staatsanleihen zur Finanzierung. Einzelne Erwartungen gehen aber darüber hinaus und erwarten eine weitere Runde der geldpolitischen Lockerung über Anleihenkäufe. Das Ergebnis wird allerdings erst nach Handelsschluss in Europa veröffentlicht.
Für die Commerzbank haben sich die Erwartungen an die Fed-Sitzung deutlich erhöht, nachdem US-Präsident Barack Obama auf dem G-20-Treffen in Mexiko darauf hingewiesen hat, dass die US-Regierung stärker gegen die wirtschaftliche Schwäche im eigenen Land vorgehen will. Eine solche Politik der US-Notenbank sollte den Dollar belasten, der Euro im Gegenzug steigen.
Aber es gibt auch mahnende Stimmen, dass die US-Notenbank zunächst abwarten könnte. Damit würde eine gewisse Enttäuschung an den Börsen ausgelöst. "Wir glauben, dass die Fed erst noch mehr Daten abwartet, bevor sie ihre Haltung bei den außergewöhnlichen Maßnahmen (der Geldpolitik) ändert", sagt David Keeble von der Crédit Agricole. Denn die zuletzt schwächelnde US-Konjunktur sei zum Teil extremen Wettereinflüssen und den Problemen in Europa geschuldet. Bei diesem Szenario dürfte der Dollar zuletzt verlorenes Terrain gegenüber dem Euro wieder zurückgewinnen.
Daneben wachsen die Erwartungen an die Europäer für eine bessere Koordination zur Krisenlösung. "Das ist bullisch für Aktien", sagt Hideyuki Ishiguro, Anlagestratege bei Okasan Securities. Der Markt erwartet eine "Road-Map" für eine Fiskalunion, vorbereitet vom Vierer-Gipfel Deutschlands, Frankreichs, Italiens und Spaniens am kommenden Freitag.
Die Koalitionsverhandlungen in Griechenland verlaufen bisher nach Plan. Es zeichnet sich ab, dass es zur erwarteten Drei-Parteien-Koalition aus Nea Dimokratia, PASOK und der demokratischen Linken DIMAR kommen wird. Ein Ergebnis der Verhandlungen wird gegen Mittag erwartet. Der Aktienmarkt in Athen feiert bereits die neue Regierung und stellt mit einem Plus von einem Prozent den Gewinner unter den europäischen Börsenplätzen.
Als Krisen-Barometer wird weiter auf die Entwicklung der Rendite bei den spanischen Langläufern geschaut. Nachdem sie am Dienstag bereits unter die Marke von 7 Prozent gefallen war, kommt sie im frühen Handel auf 6,85 Prozent weiter zurück. Der viel beachtete Zinsunterschied zwischen den zehnjährigen Bundesanleihen und den Staatsanleihen aus Spanien und Italien laufen momentan zusammen, was für eine gewisse Entspannung am europäischen Anleihemarkt sorgt. Am Donnerstag steht in Spanien eine größere Anleihen-Auktion an, die als "Nagelprobe" gewertet wird.
Dass am deutschen Aktienmarkt momentan eine gewisse Entspannung stattfindet, ist auch am Volatilitätsindex abzulesen. Der auch häufig als "Angstbarometer" bezeichnete VDAX ist auf den niedrigsten Stand seit Anfang Mai gefallen. Den Gewinner im Dax stellt derzeit die Aktie von ThyssenKrupp mit einem Plus von 1,4 Prozent, nachdem die Analysten der LBBW die Titel auf "Kaufen" heraufgestuft haben. E.ON legen nach einem positiven Analystenkommentar aus dem Hause Nomura um 1 Prozent zu.
Eine alles in allem positive Überraschung nennt Nicolaj Jeppesen von der Sydbank die Zweitquartalszahlen der schwedische Modekette Hennes & Mauritz: "Vergangene Woche waren die Verkaufszahlen eine positive Überraschung, nun gibt es bei der Bruttomarge eine positive Überraschung." Die Befürchtung, dass H&M nach schwachen Verkäufen im April die Preise senken würde, um die Lager zu räumen, hätten sich nicht bewahrheitet. Die Aktie gewinnt in Stockholm 2,3 Prozent.
Unter Druck stehen dagegen die deutschen Automobilwerte. Laut der französischen Zeitung La Tribune erwägt Frankreich die Einführung einer Steuer auf große Luxusautomobile, um so die Nachfrage nach kleineren Pkw anzuregen. Die Zeitung bezieht sich auf eine Studie von Vertretern von Städten, die Produktionsstandorte französischer Hersteller beheimaten. "Das sind die ersten Hinweise auf protektionistische Maßnahmen, die am Markt überhaupt nicht gut ankommen und die Aktien der deutschen Hersteller belasten", sagt ein Händler. In Paris legen Peugeot und Renault dagegen leicht zu. Dagegen fallen BMW um 1,2 Prozent, VW um 0,4 Prozent und Daimler um 0,5 Prozent.
DEVISEN zuletzt +/- % 0.00 Uhr Di, 17.30 Uhr
EUR/USD 1,2674 -0,1% 1,2688 1,2696
EUR/JPY 99,9172 -0,3% 100,2076 100,2977
EUR/CHF 1,2010 +0,0% 1,2009 1,2005
USD/JPY 78,8450 -0,2% 78,9850 79,0170
GBP/USD 1,5721 -0,0% 1,5725 1,5732
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June 20, 2012 04:00 ET (08:00 GMT)
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