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29.08.2010 10:00
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MDAX

Konjunkturaufschwung erfasst jetzt auch den MDAX

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Im zweiten Quartal rollte der Auto­zulieferer Conti in die Gewinnzone
Kleinere Unternehmen haben ihre Gewinne im zweiten Quartal stärker ­gesteigert als die DAX-Konzerne. Was das für die Aktienkurse bedeutet.

von Sven Parplies, Euro am Sonntag

Der Konjunkturaufschwung in wichtigen internationa- len Absatzmärkten hat jetzt auch die kleineren deutschen Unternehmen erreicht. Die 50 im MDAX notierten Firmen konnten ihre Netto­gewinne vom ersten auf das zweite Quartal um 40 Prozent auf 1,35 Milliarden Euro verbessern. Der Umsatz stieg um immerhin 20 Prozent. Das geht aus Daten der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) hervor.

Im Vorjahr hatten die MDAX-­Unternehmen im ersten und zweiten Quartal jeweils in Summe Verlust ­erwirtschaftet. Die Gewinnentwicklung der Nebenwerte unterscheidet sich deutlich vom Trend der Schwergewichte: Die DAX-Konzerne hatten bereits im ersten Quartal vor allem dank massiver Nachfrage aus den Schwellenländern Asiens und Latein­amerikas überraschend hohe Nettogewinne erzielt, konnten im zweiten Quartal aber nicht mehr ganz an die Erträge vom Jahresauftakt anknüpfen. „Viele Unternehmen aus dem MDAX gehören zu spätzyklischen Branchen. Deshalb haben sie in der ersten Phase des Konjunkturaufschwungs nicht so deutlich profitieren können wie die DAX-Konzerne“, erklärt LBBW-Stratege Steffen Neumann die unterschiedliche Dynamik der beiden Indizes.

Auch die Erträge der Technologiewerte sind im zweiten Quartal spürbar besser ausgefallen als noch in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres. Unter dem Strich erwirtschafteten die Unternehmen des TecDAX laut aktuellen Daten der LBBW einen Nettogewinn von 441 Millionen Euro. Das sind 85 Prozent mehr als im ersten Quartal. Im Vorjahreszeitraum hatten auch die Technologietitel Verluste gemacht.

 

Trotz der klaren Verbesserung der Nebenwerte dominieren in absoluten Zahlen unverändert die Schwergewichte: Die 30 DAX-Konzerne hatten im zweiten Quartal netto mehr als 15 Milliarden Euro erwirtschaftet. Im ersten Quartal waren es sogar mehr als 17 Milliarden. Während im DAX alle Konzerne im zweiten Quartal profitabel waren, stecken noch immer einige der klei­neren Unternehmen in den roten Zahlen. Im MDAX mussten laut Daten des Finanzdiensts Bloomberg von April bis Juni insgesamt sechs Indexmitglieder Verluste verkraften. Am deutlichsten ist das Minus mit 82 Millionen Euro beim Bezahl­fernsehsender Sky Deutschland. Den größten Profit im zweiten Quartal erwirtschaftete mit knapp 160 Millionen Euro die Hannover Rück. Und das, obwohl der Versicherer zu den wenigen Indexmitgliedern zählt, die ihren Vorjahreswert verfehlt haben.

Die deutlichste Ergebnisverbesserung zum Vorjahresquartal unter den profitablen MDAX-Unternehmen erzielte Continental. Nach 190 Millio­nen Euro Verlust im zweiten Quartal 2009 kam der Autozulieferer jetzt auf einen Überschuss von 121 Millio­nen Euro. Auch Wacker Chemie, Salzgitter und Lanxess konnten ihr Quartalsergebnis zum Vorjahr im dreistelligen Millionenbereich verbessern.

Enttäuschend für Anleger ist die jüngste Kursentwicklung des MDAX: Ähnlich wie beim DAX konnten auch die Nebenwerte an der Börse nur in Ausnahmen von den Quartalsergebnissen profitieren. Seit dem Jahres­hoch Anfang August bei 8689 Punkten hatte der MDAX zuletzt mehr als 600 Punkte eingebüßt. Offenbar gehen Investoren davon aus, dass die Unternehmen die Gewinndynamik der ersten Jahreshälfte nicht halten können. Aktienmarktstrategen verweisen auf zuletzt schwache Konjunkturindikatoren aus den USA. Dort trüben hohe Arbeitslosigkeit und der anhaltend schwache Immobilienmarkt die Aussichten auf eine nachhaltige Wirtschaftsbelebung. Die Daten aus Übersee stehen im Widerspruch zu Konjunkturdaten aus Deutschland.


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Allein im zweiten Quartal war die deutsche Wirtschaft um 2,2 Prozent gewachsen. Allerdings gehen Volkswirte davon aus, dass sich deutsche Unternehmen den Problemen wichtiger Handelspartner nicht dauerhaft entziehen können. „Fällt die US-Wirtschaft erneut in die Rezession oder lässt die Dynamik in Asien deutlich nach, wird dies auch die deutsche Wirtschaft belasten“, warnen die Strategen von M. M. Warburg.

Fundamental dürften die wichtigsten deutschen Nebenwerte zumindest vor deutlichen Kursstürzen abgesichert sein. Das durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnis des MDAX liegt laut Bloomberg-Berechnung gegenwärtig bei 15,4 und damit knapp einen Punkt unter dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre. Auch der weniger schwankungsanfällige Kurs/Buchwert des Index notiert unter seinem langjährigen Mittelwert.

MDAX-Gewinner
Continental, Nettogewinnverbesserung: 311 Mio. €
Wacker Chemie, Nettogewinnverbesserung: 210 Mio. €
Lanxess, Nettogewinnverbesserung: 114 Mio. €
Salzgitter, Nettogewinnverbesserung: 101 Mio. €
Rheinmetall, Nettogewinnverbesserung: 77 Mio. €

Bildquellen: Continental AG

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