von Thomas Schmidtutz, Euro am Sonntag
„Mit der Erweiterung der Zuständigkeiten von Führungskräften, die in den USA ihren Sitz haben, wird das Kräfteverhältnis innerhalb des Vorstands stark verändert“, heißt es in einem Rundschreiben des SAP-Betriebsrats. Man werde diese Entwicklung kritisch verfolgen „und — sofern erforderlich — mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln dazu beitragen, die Bedeutung des Standorts Deutschland zu gewährleisten“, heißt es in der Mail.
SAP hatte vor gut einer Woche die Gründung eines Global Managing Board ankündigt. Es soll das Tagesgeschäft steuern.
Dem Gremium sollen neben den Vorständen auch weitere führende Manager angehören. Als erstes Mitglied berief der Konzern den US-Amerikaner Bob Enslin. Enslin gilt als enger Gefolgsmann von SAP-Co-Chef Bill McDermott, der vor seiner Berufung in den Konzernvorstand selbst lange Jahre das US-Geschäft verantwortet hatte. Daneben hatte der Konzern zuletzt auch den Dänen Lars Dalgaard in den Vorstand berufen. Der Gründer des inzwischen von SAP übernommenen Softwarespezialisten SuccessFactors soll das Cloud-Geschäft ankurbeln und verbringt ebenfalls einen Großteil seiner Zeit in den USA. Von den inzwischen sechs SAP-Vorständen stammen mit Finanzchef Werner Brandt und dem für Service und Support zuständigen Gerhard Oswald noch zwei Mitglieder aus Deutschland.
In den vergangenen Jahren hatte es bei den deutschen Beschäftigten wiederholt Befürchtungen vor einem schleichenden Bedeutungsverlust in Walldorf gegeben. So hatte die Berufung von Shai Agassi zum Technikvorstand 2002 für Unruhe gesorgt. Agassi hatte die Entwicklung aus den USA gesteuert. In Walldorf kam das nicht gut an.