16.03.2013 06:00

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von Wolfgang Ehrensberger, €uro am Sonntag

MANAGERGEHÄLTER 

Neiddebatten und Scheingefechte: Verdienen Manager wirklich zu viel?


Kanzlerin Angela Merkel nutzt das Aufregerthema "Managergehälter" als Wahlkampfvehikel — und schadet damit der Sache.

von Wolfgang Ehrensberger, Euro am Sonntag

Die Pläne der Bundesregierung zu strengeren Gesetzen bei der Managervergütung haben eine scharfe Diskussion über dieses Thema ausgelöst. BDI-Präsident Ulrich Grillo warnte die Regierung vor „echten Wahlkampf-Schnellschüssen“, während Regierungsvertreter wie Unionsfraktionschef Volker Kauder die Aufregung der Wirtschaft als übertrieben bezeichneten.

Helmuth Uder, Leiter des Bereichs Vorstands- und Aufsichtsratsver­gütung bei der Unternehmensberatung Towers Watson Deutschland, kommt dagegen zu differenzierten Einschätzungen. Er glaubt, dass die Vorschläge der Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex zur Offenlegung der Vergütung bereits für die Jahresabschlüsse ab 2013 auf jeden Fall zu mehr Transparenz bei den Managergehältern führen werden. „Insbesondere werden mehrjährige Komponenten der Vergütung künftig klarer dargestellt. Auch die einzelnen Vergütungselemente werden insgesamt deutlicher. Das ist eine Entwicklung, die wir als Berater ausdrücklich begrüßen.“

Keinen Handlungsbedarf in der Gesetzgebung sieht Uder bei einer Begrenzung oder Deckelung von Managergehältern. Aus gutem Grund: Denn bereits heute hat der Aufsichtsrat ausreichende Möglichkeiten, entsprechende Obergrenzen festzulegen oder die Vergütung oder Boni zu deckeln. Dass von dieser Möglichkeit noch nicht jedes Unternehmen Gebrauch macht, steht auf einem anderen Blatt.

Ausgelöst worden war die jüngste Debatte um Managergehälter durch einen erfolgreichen Volksentscheid in der Schweiz. Darin votierten mehr als zwei Drittel der Eidgenossen dafür, den Aktionären und Gesellschaftern eine größere Mitbestimmung bei Vorstandsbezügen zu geben, über die bislang die Verwaltungsräte entscheiden. In die gleiche Stoßrichtung gehen die Vorschläge der deutschen Regierung.

Neue Interessenkollisionen
Towers-Watson-Experte Uder sieht gerade diesen Vorstoß jedoch besonders kritisch, die HV und nicht den Aufsichtsrat entscheiden zu lassen. Zwar gebe es entsprechende Regelungen auch in den nordeuropäischen Ländern, die dort auch funktionierten. Dennoch sei zu befürchten, dass eine Umsetzung hierzu­lande in der Praxis schwierig werde.

„Zum einen, weil dadurch tatsächlich eine neue Neiddiskussion angestoßen werden könnte. Zum anderen, weil auch die einzelnen Aktionäre, Aktionärsgruppen und Investoren bestimmte Interessen in Bezug auf die Vergütung von Managern ­haben könnten, die dann zu neuen ­Interessenkollisionen führen. Ganz abgesehen davon, dass ein nötiger HV-Beschluss es beispielsweise kaum noch ermöglicht, während des Jahres neue Manager einzustellen, das Unternehmen also in seiner ­Reaktionsfähigkeit deutlich eingeschränkt wird.“

Nach Ansicht von Uder sollte das Thema Managementvergütung von einem Gremium verbindlich beschlossen werden, das sich profes­sionell mit dieser Fragestellung befasse. „Das ist der Aufsichtsrat.“

Damit vertritt er die genaue Gegenposition zu Unionsfraktionschef Kauder. Der wiederum glaubt, dass Aktionäre mehr Rechte haben sollten, und in allen Aktiengesellschaften die Hauptversammlungen und nicht der Aufsichtsrat die Managergehälter festlegen sollten, weil dort weniger leicht gekungelt werden könne. Kanzlerin Merkel hatte diese Woche persönlich für strengere Vergütungsvorschriften plädiert und argumentiert, dass es in einer freien Gesellschaft keine Maßlosigkeit geben dürfe. Unionsfraktionsvize Günter Krings ging nun noch einen Schritt weiter. „Ich will, dass jedes einzelne Topgehalt offen genannt wird“, sagte er der „Bild“-Zeitung.

SPD für weitreichende Regelung
SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück plädierte für einen anderen Weg. „Die steuerliche Abzugsfähigkeit von Gehältern und Boni kürzen, dann wird es als echter Kostenfaktor von Unternehmen wahrgenommen“, schlug er vor. Damit werde die Subventionierung der Managergehälter durch den Steuerzahler gestoppt. BDI-Präsident Grillo wiederum sieht in Deutschland keinen ­Bedarf für eine gesetzliche Neuregelung. Generell agierten Vorstände und Aufsichtsräte in Vergütungsfragen verantwortungsvoll, so Grillo.

Auch EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier will bis Jahresende Vorschläge auf europäischer Ebene vorlegen, um überhöhte Managergehälter einzudämmen. 

Bildquellen: Carsten Reisinger / Shutterstock.com

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Kommentare zu diesem Artikel

Hamtaro schrieb:
16.03.2013 13:37:02

Das ganze ist deswegen eine Neiddebatte, weil sich zwar leicht fordern lässt die Managergehälter zu begrenzen, nur was mit dem Geld stattdessen passieren soll sagt niemand. Somit rein populistisches
Buhmann suchen.

benharper77 schrieb:
16.03.2013 10:19:01

und heute muss er sofort Milionär werden. Ißt er 1000x mehr als ein Mitarbeiter? Nach heftigen Verlusten, kann man sie nicht mal zur finanzielen Verantwortung ziehen.

benharper77 schrieb:
16.03.2013 10:15:48

ja komm. Schon wieder ein gesponsorter Text. SIe verdienen zu viel, das weiß jedes Kind. Wenn man sich die Gehälter der T-Krupp oder Siemens Vorstände anschaut, dann weiss man wirklich nicht wofür sie bezahlt werden.Früher hat ein Chef 4x des Mitarbeitergehaltes verdient.

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