Eine Unterstützung für das deutsche Börsenbarometer sieht der Techniker im Bereich von 5.650 Punkten, aber auch vor einem Rückfall in Richtung 5.000 Zählern ist der DAX aus Sicht von Staud nicht gefeit. "Der gesamte Anstieg seit September vergangenen Jahres ist wahrscheinlich eine Bärenmarkt-Ralley gewesen", fügt Staud hinzu. Es bestehe ein nicht aufwärts gerichteter übergeordneter Trend, der nun wieder die Oberhand gewinne.
"Never catch a falling knife"
Auch Martin Siegert, Leiter der technischen Marktanalyse bei der LBBW, gibt keine Entwarnung für den deutschen Aktienmarkt und sieht derzeit keine Kaufsignale. Der DAX befinde sich seit Ausbildung des 7.194er Hochs Mitte März in einer intakten Abwärtsbewegung. "Fehlende typische Bodenbildungssignale wie zum Beispiel die Tiefbildung innerhalb einer Divergenz oder aber die Ausbildung eines Umkehrsignals lassen in den kommenden Tagen eine neuerliche Bewährungsprobe des DAX erwarten", erklärt der technische Analyst.
Widerstand auf der Oberseite sieht Siegert im Bereich von 6.288 Punkten. Wenn diese Marke überwunden werde, könne auch ein Test der Preiswiderstandszone um 6.392 und maximal 6.426 Punkte erfolgen. Ein Preissprint unterhalb der 6.053er Marke indes lasse erneut aufkommenden Kursdruck und den Test der Zone um 5.920/14 Punkte erwarten. "Investoren wrden sich derzeit wohl zurückhalten, da sich die Börsenweisheit 'Never catch a falling knife' in den kommenden Tagen bewahrheiten könnte", meint Siegert.
Abwärtskräfte dominieren
Nach Einschätzung der HSBC beißt sich der deutsche Leitindex derzeit an der wichtigen Widerstandszone aus dem Abwärtstrend seit Mai und der 200-Tages-Linie, das heißt bei 6.202 bzw. 6.227 Punkten, die Zähne aus. "Die angeführten Hürden scheinen im aktuellen Umfeld ein zu zäher Gegner zu sein", beobachtet die technische Analystin Jana Meier. Solange ein Erfolg auf der Oberseite ausstehe, dominierten beim DAX die Abwärtskräfte. Dies liege zum einen an dem Umstand, dass sich der Index weiterhin in einem intakten Abwärtstrend befinde.
"Zum anderen belastet nach wie vor die Mitte Mai abgeschlossene Schulter-Kopf-Schulter-Formation die charttechnische Ausgangslage, schließlich ist das Kursziel von 5.800 Punkten bis dato noch nicht vollständig ausgeschöpft worden", merkt Meier an. Ein Wiedersehen mit der Parallelen zur Trendlinie bei aktuell 5.856 Punkten bleibe entsprechend eine Option.
Chancen auf positiven Schub
Laut HSBC gibt es aber auch Argumente, die für ein erfolgreiches Ausloten auf der Oberseite sprechen. Dazu gehörten nicht nur die deutlichen Kaufsignale bei den technischen Indikatoren, sondern auch der extrem hohe Pessimismusgrad der US-Privatanleger - laut AAII (American Association of Individual Investor) lag der Anteil der Bären zuletzt bei über 45 Prozent, einem Niveau das zuletzt im Herbst 2011 erreicht wurde. "Damit stehen die Chancen für einen Schub gen Norden per Saldo nicht schlecht", zeigt sich Meier zuversichtlich.
Zulauf im neutralen Lager
Bei den 300 von der Börse Frankfurt wöchentlich befragten aktiven Investoren ist immerhin 11 Prozent der Befragten der Parkettboden zu heiß geworden. Sie haben sich an die Seitenlinie verzogen, 8 Prozent kamen von den Bullen, 3 Prozent von den Bären. Nach zuvor 70,0 Punkten erreicht der Bull/Bear-Index für den DAX in dieser Woche noch 67,2 Punkte.
Die Grundstimmung bei den Technologiewerten hat sich mit einem Bull/Bear-Index von 51,5 Punkten wieder über die Marke von 50 verbessert, die Optimisten und Pessimisten voneinander trennt. In der Vorwoche lag der Wert noch bei 44,3 Punkten. Hier sind 5 Prozent der Pessimisten ins Bullenlager gewechselt.
Der Bull/Bear-Index misst das Maß an Optimismus im Markt. Dafür werden die Optimisten ins Verhältnis zu den Pessimisten gesetzt und mit den neutral Gestimmten gewichtet. Werte unter 50 Punkte zeigen eine pessimistische Gesamtstimmung der Anleger. Was es bedeutet, können Sie ab 17 Uhr bei boerse-frankfurt.de/sentiment lesen.
© 13. Juni 2012 / Karoline Kopp
(DEUTSCHE-BOERSE AG)
(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)
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