von Thomas Schmidtutz, Euro am Sonntag
München. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, habe Stefan F. stets aus eigenem Antrieb Beiträge zu Aktien verfasst, erklärte Bosler heute. Er habe F. zwar immer wieder mit Informationen zu kleineren Werten versorgt, allerdings sei er dabei in den allermeisten Fällen den Bitten von F. nachgekommen.
Der Diplom-Kaufmann hatte in Börsenpostillen wie Small Cap Scout und International Stock Picker jahrelang teils völlig wertlose Aktien angepriesen. Mitte Januar war Stefan F. vom Landgericht München I wegen Insiderhandels und Marktmanipulation zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren auf Bewährung sowie einer Geldstrafe verurteilt worden. Zuvor hatte er ein umfassendes Geständnis abgelegt.
Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft hatte Bosler mit Hilfe eines engmaschigen Netzes um F. sowie weiteren willfährigen Börsenjournalisten und Aktionärsschützern in insgesamt 47 Fällen die Kurse von Aktien wie Petrohunter, Splendid Medien oder Nascacell manipuliert. Bosler bestreitet das.
Zugleich widersprach er einer früheren Aussage, wonach er den Media-Plan für den Mail-Versand zur Aktie des Explorationsunternehmens Petrohunter selbst erstellt habe. Er habe dies in der Vernehmung fälschlicherweise eingeräumt, sagte Bosler.
Hinter den Aussagen könnte laut Prozessbeobachtern der Versuch stehen, die Darstellung der Staatsanwaltschaft zu entkräften, es habe ein organisiertes Vorgehen gegeben. Der ehemalige Chef der Münchner Anlagegesellschaft TFB hatte bereits zum Prozessauftakt den Vorwurf zurückgewiesen, es habe ein Netzwerk zur Manipulation von Aktienkursen gegeben.
Zugleich wehrte sich Bosler gegen Vorwürfe, er habe nicht auf mögliche Interessenkonflikte hingewiesen. 2005 sei die Rechtslage nach einer Gesetzesänderung völlig unübersichtlich gewesen. Wenn er – wie von der Staatsanwaltschaft dargestellt - die Kurse von Aktien tatsächlich hätte manipulieren wollen, wäre ein entsprechender Hinweis sogar sinnvoll gewesen: „Anleger kaufen Aktien immer lieber, wenn der Autor einer Empfehlung die Aktie selbst hält“, behauptete Bosler.
Zu Vorhaltungen, weshalb der Informationsaustausch bei zahlreichen Aktiengeschäfte über anonyme E-Mail-Adressen erfolgte, sagte Bosler, dies sei aus Selbstschutz geschehen. Nach der Aufdeckung angeblicher Bilanzfälschungen bei MLP sei ein Detektiv auf ihn angesetzt worden. Zudem habe es anonyme Steueranzeigen gegen ihn gegeben. Außerdem habe er nach Berichten über angebliche Bilanztricks bei Wirecard einen Besuch eines Anwalts erhalten, der mit zwei „Schlägern“ aufgetaucht sein soll.
Das Verfahren vor der Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts München I wird an diesem Donnerstag (2.2.2012) fortgesetzt.
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