von Thomas Schmidtutz, Euro am Sonntag
Im Skandal um mögliche Kursmanipulationen durch ein Netz von Anlegerschützern, Vermögensverwaltern und Finanzjournalisten geht die Staatsanwaltschaft München I von Kursgewinnen in zweistelliger Millionenhöhe aus. Das geht aus Unterlagen hervor, die dieser Zeitung vorliegen. Danach soll der Gesamtgewinn bei mindestens 16,7 Millionen Euro liegen. Der tatsächliche Gewinn dürfte deutlich höher sein.
Die insgesamt 31 Beschuldigten um den Exsprecher der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK), Markus Straub, sowie den Chef der Münchner Vermögensverwaltung TFB Capital, Tobias Bosler, stehen im Verdacht, spätestens ab Februar 2005 Aktien und Optionen zahlreicher Unternehmen erworben zu haben. Anschließend soll die Clique durch gezielte Veröffentlichungen in Börsenbriefen sowie anderen Plattformen wie Webseiten versucht haben, die Kurse zu beeinflussen und dann Kasse zu machen.
Allein mit der Attacke auf den Internetzahlungsabwickler Wirecard im Sommer 2008 sollen Straub und Bosler laut Staatsanwaltschaft einen Gesamtgewinn von 5,8 Millionen Euro erzielt haben. Den Unterlagen zufolge sollen Straub und Bosler im Umfeld der Hauptversammlung (HV) des Zahlungsabwicklers im Juni 2008 versucht haben, über die SdK ein negatives Bild von Wirecard zu zeichnen. In diesem Zusammenhang geriet auch SdK-Chef Klaus Schneider unter Verdacht. Er hatte auf der HV auf kritische Punkte im Zahlenwerk von Wirecard hingewiesen. Laut Staatsanwaltschaft soll Schneider dabei gewusst haben, dass Straub auf fallende Kurse bei Wirecard gesetzt hatte. Schneider bestreitet das vehement.
Im März 2010 geriet Wirecard erneut ins Visier der Zocker. Dabei sollen zwei Börsenbriefschreiber auf Veranlassung Boslers gegen Bezahlung einen vorsätzlich falschen Artikel auf einer Webseite veröffentlicht haben. Der Kurs des Zahlungsdienstleisters brach daraufhin um bis zu 32 Prozent ein. Mit der Attacke soll Bosler weitere 400 000 Euro Gewinn gemacht haben.
Im Fall Conergy Ende 2007 soll der Gesamtgewinn nach Einschätzung der Behörden bei 1,5 Millionen Euro gelegen haben. Dabei hätten Bosler und Straub sowie weitere zwölf Beschuldigte im Vorfeld zweier Gewinnwarnungen von Conergy im Oktober und Dezember 2007 Wind von den bevorstehenden Mitteilungen bekommen und soll mit Puts auf fallende Kurse gesetzt haben.

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Neben diesen Fällen soll das Netzwerk die Kurse von weiteren, rund 20 Firmen manipuliert haben. Dabei handele es sich um Splendid Medien, Tiptel, Hucke, Convisual, Solar Millenium, CineMedia Film, Berentzen, Nascacell, Dolphin Capital und Life Jack. Außerdem soll es gezielte Kaufempfehlungen für die ausländischen Werte Medec, Barnabus Energy, 3S Swiss Solar, New Value, Digital Ecosystems/PetroHunter, Rubincon Ventures, Solar EnerTech und Metrodome gegeben haben. Nach vorläufigen Ermittlungen soll die Clique mit diesen Werten einen Gesamtgewinn von mindestens neun Millionen Euro eingefahren haben.
Bei den Empfehlungen haben nach Darstellung der Staatsanwaltschaft rund 20 Webseiten eine Rolle gespielt. Allein drei davon entfallen auf die ISCR in der Schweiz. Zwei weitere Webseiten (www.swisstrading.de und www.deraktieninvestor.de) gehören zum DWV in Iserlohn.
Daneben sollen die Beschuldigten auch über die Diskussionsforen seriöser Webseiten versucht haben, Kurse zu manipulieren. Straub und Bosler sitzen nach übereinstimmenden Medienberichten inzwischen in Untersuchungshaft. Außerdem soll ein Exmitarbeiter von ISCR in U-Haft sein.
Bildquellen: Hemera/Thinkstock