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09.11.2012 12:00

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von Sven Parplies, €uro am Sonntag

MASCHINENBAU-AKTIE

Heidelberger Druckmaschinen: Druck lass nach

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Heidelberger Druckmaschinen: Seit Jahren unter Druck
Ein neuer Chef soll den Druck­maschinenhersteller Heidelberger Druck aus der Krise führen. Die Chancen sind da, doch der Weg ist steinig. Für Anleger eine spannende Spekulation.

von Sven Parplies, Euro am Sonntag

Auf den Mund gefallen ist Gerold Linzbach nicht. „57 Jahre, übergewichtig, geschieden“, lautet seine Selbstbeschreibung. Seit zwei Monaten steht der promovierte Chemie-Ingenieur an der Spitze des weltgrößten Druckmaschinenherstellers. Beim Quartalsbericht am Mittwoch erwarteten Börsianer von Linzbach erneut schlagfertige Antworten — dieses Mal auf die drängenden Prob­leme des Konzerns. Größere strategische Ankündigungen werden innerhalb der ersten 100 Tage allerdings noch nicht erwartet.

Aus Sicht der Aktionäre ist Heidelberger Druck ein Desaster. Der Kurs des im SDAX notierten Papiers ist über die vergangenen fünf Jahre um über 90 Prozent eingebrochen. Das im März auslaufende Geschäftsjahr dürfte das fünfte in Serie mit roten Zahlen werden.

Für jedermann sichtbar wurde der Niedergang der Druckindustrie mit dem Ausbruch der Finanzkrise, als die Kunden des Heidelberger Konzerns ihre Ausgaben zusammenstrichen. Bis heute hat sich das nicht wirklich geändert. Denn: Druckmaschinen sind langlebige Güter — in einem unsicheren Wirtschaftsumfeld zögern Kunden neue Bestellungen gern hinaus. Hinzu kommt: Die Druckindustrie zählt zu den Opfern des Internets. Zeitungen und Magazine werden immer häufiger über digitale Kanäle vertrieben. Auch der klassische Werbekatalog wird immer seltener, weil Unter­nehmen ihre Kunden im Internet zielgerichteter erreichen.

Die Konsequenzen sind hart
Das Marktvolumen für Bogen­druck­maschinen, das Kerngeschäft von Heidelberger Druck, war nach dem Höhepunkt des Jahres 2004 von 5,6 auf 2,6 Milliarden Euro eingebrochen. 2011 hat sich der Markt zwar leicht auf 3,2 Milliarden Euro erholt. Eine große Bereinigung im Markt hat es trotz der Insolvenz von Manroland aber nicht gegeben.

Die Krisenjahre haben auch bei Heidelberger Druck tiefe Spuren hinterlassen. Die Finanznettoschulden sind auf 346 Millionen Euro gestiegen, die Eigenkapitalquote ist auf 18 Prozent gesunken. Immerhin: „Durch eine Kapitalerhöhung und eine Hochzinsanleihe hat sich Heidelberger Druck Luft verschafft. Die Finanzierung ist teuer, dürfte aber mittelfristig gesichert sein“, kalkuliert die Landesbank Baden-Württemberg.

Es gibt auch Lichtblicke — wie zum Beispiel den Verpackungsdruck. Vor allem bei hochwertigen Konsum­artikeln hat die Verpackung einen hohen Stellenwert. Die wachsende Zahl von Singlehaushalten erhöht die Verkaufszahlen der Lebensmittel­industrie und damit den Bedarf nach Verpackung. Großes Potenzial sehen die Druckmaschinenhersteller auch in Schwellenländern, wo mit wachsendem Wohlstand der Absatz von Konsumartikeln steigt.

Entlastung sollen noch andere Geschäftsfelder bringen: In der vergangenen Woche meldete Heidelberger Druck die Übernahme der Schweizer OFS-Gruppe, eines Anbieters von Verbrauchsmaterialien für Druckereien. OFS vertreibt vor allem Druckplatten und Belichter. Künftig soll das Angebot durch Farben, Lacke, Chemikalien und Walzen aus dem Sortiment der Pfälzer ergänzt werden. Der Charme des Geschäfts mit Verbrauchsmaterialien: Anders als eine Druckmaschine werden sie regelmäßig verkauft und bringen damit verlässliche Einnahmen.

Weit unter Buchwert
Die Stellschraube, die am sichtbarsten Fortschritte verspricht, sind die Kosten. Die Belegschaft bei Heidelberger Druck soll bis Mitte des Jahres 2014 von einst 25.000 auf unter 14.000 sinken. Bei einem Jahresumsatz von knapp 2,4 Milliarden könne man auf diesem Niveau schwarze Zahlen schreiben, heißt es. Analysten sehen mehr Spielraum: Die DZ Bank hält es für rea­listisch, dass die Gewinnschwelle schon erreicht wird, wenn der Konzern nur 2,2 Milliarden Euro Umsatz machen würde.

Derzeit wird Heidelberger Druck bei einem Jahresumsatz von 2,6 Milliarden Euro nur mit 270 Millionen Euro bewertet. Der Börsenwert beträgt laut Daten des Finanzdienstes Bloomberg gerade mal 60 Prozent des Buchwerts — der Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre lag bei 72 Prozent. Kann Linzbach die Finanzmärkte überzeugen, sollte für die Aktie zumindest dieses Niveau erreichbar sein.

Investor-Info

Die Aktie
Zocker am Drücker

Der einstige DAX-Kandidat ist ein Papier für Zocker geworden. Das Kalkül: Jede positive Überraschung wird den Kurs nach oben treiben. Im Schnitt sehen die Analysten das Kursziel bei 1,42 Euro. Kommt der Konzern in die Gewinnzone, ist auch mehr drin. Allerdings ist gut denkbar, dass der neue Chef am Mittwoch zunächst ein paar unschöne Wahrheiten präsentiert. Hochinteressante Turnaround-Story! Vorsichtige Anleger warten aber den Mittwoch ab.

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