06.08.2013 03:00
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K+S vor Preiskrieg: Zum Schaden aller

Massiver Kurssturz
Um seinen weißrussischen Partner in die Schranken zu weisen, zerstört Kaligigant Uralkali dauerhaft den Weltmarktpreis für das Düngemittel. Das trifft alle - und ganz besonders K+S.
€uro am Sonntag

von Peer Leugermann, Euro am Sonntag

Vladislav Baumgertner nimmt einen ungewöhnlichen Kollateralschaden in Kauf: freien Wettbewerb. Genau den hat der Uralkali-Chef verursacht, als er mit viel Getöse seinen Austritt aus Belarus Potash Company (BPC), einer Exportgesellschaft für Kalidünger, verkündete. In BPC bündelte der russische Weltmarktführer seine Exportaktivitäten mit denen der weißrussischen Belaruskali. BPC stand für 30 bis 40 Prozent des globalen Kaliangebots. Weitere 30 bis 40 Prozent Marktanteil hat die nord­ame­ri­ka­nische Vertriebsgesellschaft Canpotex. Gemeinsam bildeten die Organisationen ein globales Duopol.

Doch von dem ist nach Baumgertners Austritt nur noch eine Hälfte übrig. Für die Zukunft plant Uralkali, seine Fördermenge um ein Drittel zu steigern, die Preise zu senken und weitere Marktanteile zu erobern. Der Schritt dränge den Kalimarkt an den Rand eines Preiskriegs, finden Experten. Uralkali selbst rechnet damit, dass die Weltmarktpreise von aktuell 400 Dollar je Tonne auf 350 bis 300 Dollar fallen werden.

K + S am schlimmsten betroffen
Der Alleingang von Uralkali trifft die Branche unerwartet und hart, markiert er doch einen Paradigmenwechsel. Bislang galt als unge­schriebenes Marktgesetz: „Preis vor Menge“. Die Russen machen daraus „Absatzvolumen vor Preisstabilität“. Für alle bisherigen Marktschätzungen gelten damit andere Vorzeichen. Am stärksten trifft das K + S. In der alten Kalidünger-Welt war der DAX-Konzern gut ins neue Jahr gestartet. Im Vergleich zum Wettbewerb war die Aktie günstig — ein aussichtsreicher Kandidat für eine Aufholjagd.

Aus diesem Grund hatte die Redaktion von €uro am Sonntag vergangene Ausgabe einen Call-Optionsschein auf K + S empfohlen. Unglücklicher hätte das Timing kaum sein können. Zumal kein Konzern schlechter gegen die Kampfpreise gerüstet zu sein scheint als K + S. Die Minen des in Kassel beheimateten Unternehmens bieten kaum Spielraum zur Kapazitätserweiterung. Eine Erhöhung der Produktion scheidet damit als Gegenmaßnahme genauso aus wie Preissenkungen. Denn K + S hat weit höhere Förderkosten als die Konkurrenz. 2012 lagen sie bei 290 Dollar je Tonne. Uralkali beziffert seine Förderkosten mit 62 Dollar. Entsprechend stürzte die K + S-Aktie seit Bekanntwerden der Nachricht um gut 37 Prozent ab.

Mancher Marktbeobachter erkennt in dem Schritt daher ein klares, wenn auch törichtes Kalkül der Russen. Sie selbst gleichen die sinkenden Preise durch mehr Absatz aus und jagen den Wettbewerbern so gleichzeitig Kunden ab. Schrumpfende Marktanteile gepaart mit sinkenden Preisen wiederum lassen den Marktdruck für alle anderen doppelt steigen. Die Folge: Es kommt zur Marktkonsolidierung und langfristig wieder steigenden Kalipreisen. Doch der Theorie schenkt im Markt niemand wirklich Glauben. Bisher sei es noch auf keinem Markt gelungen, eine einmal verspielte Preismacht wieder zurückzugewinnen, so die gängige Meinung.

Kollateralschaden
Zwar treffen K + S die Maßnahmen von Uralkali hart, doch um die Deutschen dürfte es Baumgertner weniger gehen. Vielmehr scheinen es die Russen auf ihren Nachbarn Weißrussland abgesehen zu haben. Der Staat ist Eigentümer von Belaruskali. Uralkali wiederum ist eng mit Russlands Politik verknüpft, weshalb es immer wieder zu Stellvertreterkämpfen kam. Zuletzt entzog Weißrussland BPC das Recht, Belaruskali exklusiv zu vermarkten, um selbst Kali direkt verkaufen zu können.

Doch nicht allen hat das Handeln von Uralkali geschadet. Bei K + S verdienten Hedgefonds durch Leerverkäufe am Kursrutsch mächtig mit. Mit 8,3 Prozent der Aktien sind überdurchschnittlich viele K + S-Papiere leer verkauft. Die nächsten Profiteure des freien Kalihandels sind auch schon ausgemacht: Dank niedriger Düngerpreise dürften die Margen der Lebensmittelproduzenten steigen. 

Investor-Info

K + S
Zu riskant

Sinkt der Kalipreis um ein Prozent, verringert dies Berechnungen zufolge den operativen Gewinn (Ebit) bei K + S um zwei Prozent. Sollte der Kalipreis auf 350 Dollar zurückgehen, würde das Ebit von K + S um 31 Prozent einbrechen. Insofern ist die Unsicherheit auch nach dem Kurseinbruch groß. Die Kursziele der Analysten variieren von 14 bis 30 Euro. Wir meinen: Es gibt so viele gute andere Aktien, dass man auf K + S getrost verzichten kann. Zu riskant.

Bildquellen: K+S
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