aktualisiert: 13.08.2012 14:28
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Datenwolke: Alles nur gecloud

Wie die Datenwolke die Technologie-Branche revolutioniert
Megatrend Cloud
Ob soziale Netzwerke wie Facebook, neue Autonavigation oder Unternehmenssoftware - der Trend zur Datenwolke ist überall. Wie Cloud-Computing die Branche revolutioniert, welche Unternehmen profitieren.
von Klaus Schachinger, Euro am Sonntag

Teure Navi-CDs fürs Auto, die schon beim Kauf veraltet sind? Das war gestern. Heute übernimmt bei Bedarf ein elektronischer Assistent von ganz oben den Job, Fahrer und Passagiere stressfrei ans Ziel zu bringen. Denn moderne Navis kommunizieren nicht mehr nur mit Satelliten — sie schweben in der Datenwolke.

Der luftige Begriff steht für etwas sehr Irdisches: Beim Navi werden die Streckeninformationen statt wie früher von der CD aus dem Internet gesaugt. Die Höhenluft macht das Navigationsgerät zugleich schlauer. „Autohersteller entwickeln inzwischen Apps fürs Auto, etwa für Nachrichtendienste“, sagt Daniel Pelke, Technologiechef des US-Datenspeicherriesen EMC in Deutschland.

Die Wolke, auf Englisch „cloud“, ist Alltag. Wer Bilder ins Internet hochlädt und seinen Freunden zeigt, Internetradio hört oder sich über soziale Netzwerke wie Facebook austauscht, der ist mittendrin. Zum Wesen der Wolke gehört, dass sie sich ausbreitet, beispielsweise vom PC ins Auto. Längst erobert die Cloud auch die Unternehmenswelt.

EMC-Manager Pelke etwa bereitet bei einem Autobauer in Deutschland — der Name ist streng geheim — Teile eines Rechenzentrums für die Cloud vor. EMC, ein Spezialist für große Datenspeicher, konkurriert dank seines Wissens über die Wolke inzwischen mit den führenden IT-Dienstleistern der Welt.

Beim Cloud-Auftrag des besagten deutschen Automobilkonzerns setzten sich die Amerikaner gegen die Konkurrenz beispielsweise von IBM durch. Und vielleicht wird das Mandat sogar erweitert. „Wir sprechen auch über den Umbau der konzerninternen IT-Abteilung“, sagt Pelke stolz.

Die nächste digitale Revolution
Beim Autokonzern freut man sich bereits auf die Cloud. Pro Jahr spart das Unternehmen laut Pelke 20 bis 50 Prozent der Betriebskosten für IT. Und die Zeit, bis zusätzliche Rechnerkapazitäten für neue Projekte bereitstehen, verkürzt sich demzufolge von drei bis neun Monaten auf wenige Tage oder gar Stunden.

Der unbenannte Autohersteller steht für einen technologischen Megatrend: Firmen lagern Teile ihrer IT in Rechenzentren aus und sparen dadurch das Geld für Großrechner, Speichersysteme und Fachpersonal. Die Auslagerung macht unabhängig bei der Kapazitätsplanung, denn theoretisch sind die Ressourcen der Wolke unendlich groß. „Cloud löst einen Umbruch in der digitalen Welt aus, wie wir ihn nur alle 15 Jahre erleben“, sagt Steven Milunovich, Analyst der Schweizer Bank UBS. Von diesem Umbruch profitieren neben EMC noch viele weitere börsennotierte Unternehmen.

Das Geheimnis des Wachstums: Spezielle Software simuliert auf einem Server verschiedene Netzwerkrechner. Diese sogenannten virtuellen Server erhöhen die Rechnerleistung und laufen bei Bedarf mit unterschiedlichen Betriebssystemen — Virtualisierung nennt das der Fachmann.

Weltweit erledigen virtuelle Netzwerkrechner nach Zahlen des US-Marktforschers Gartner Group bereits mehr als 40 Prozent der Rechenleistung in Datenzentren. In drei Jahren sollen es 75 Prozent sein. Das Marktpotenzial für die Spezialisten ist groß. 30 Milliarden Dollar werden heute allein in den USA für Cloud- und Virtualisierungssoftware ausgegeben. In fünf Jahren soll der Markt laut Prognosen des Marktforschers Forrester etwa 104 Milliarden Dollar schwer sein, die jährliche Wachstumsrate liegt bei 30 Prozent.

Die EMC-Tochter VMWare kontrolliert heute drei Viertel des weltweiten Markts und liegt deutlich vor Wettbewerbern wie dem US-Unternehmen Citrix. Bereits 2001 ließ sich VMWare seine Software patentieren. EMC brachte VMWare 2007 an die Börse und ist mit rund 80 Prozent am Weltmarktführer beteiligt.

Internetkonzerne waren von Anfang an auf clevere Rechnerarchitekturen angewiesen, wenn sie schnell wachsen wollten. Webriesen wie Amazon haben deshalb die Vorteile der Cloud im großen Stil weiterentwickelt. Um Kunden nicht durch Pannen zu vergrätzen, mussten die Rechenzentren des weltgrößten Onlinehändlers dem Ansturm der Kunden auch zu Stoßzeiten gewachsen sein. Vor allem dann, wenn sich die Kauflust während des Weihnachtsgeschäfts verzehnfachte.
Amazons Ruf blieb makellos. Firmengründer Jeff Bezos machte aus dem Know-how zum optimalen Einsatz der Rechnerressourcen flugs ein eigenes Geschäftsmodell: Über ein Internetportal können Unternehmenskunden heute Teile der Amazon-Rechenzentren auf Zeit mieten.

Die Konzerntochter Amazon Web Services (AWS) ist heute einer der größten Anbieter dieser Dienstleistung, die im Fachjargon „Infrastruktur als Dienstleistung“ genannt wird. Auch der weltgrößte Hersteller von Firmensoftware, SAP, nutzt inzwischen Amazons Wolke. Analysten sehen das Geschäft, das derzeit noch überschaubare Umsatzanteile liefert, als künftigen Gewinntreiber.

Cloud wird zum Massengeschäft
Dass in der Datenwolke Sparpotenziale für Unternehmen stecken, hat sich inzwischen auch bei Mittelständlern herumgesprochen. „Wir haben unsere IT-Betriebskosten um bis zu 35 Prozent reduziert“, freut sich etwa Raymond Kober, Chef der AL-KO-Kober Gruppe. Die IT des bayerischen Herstellers von Fahrzeuganhängern und Caravans läuft künftig über das Cloud-Portal des IT-Systemhauses Cancom.

Über die Plattform der Münchner haben Firmenkunden Zugriff auf ihre gewohnte Firmensoftware, ohne dafür wie bisher für jeden Arbeitsplatz eine eigene Softwarelizenz kaufen zu müssen. Bezahlt wird nach Umfang und Nutzungsdauer der Programme, auf die via Internet zugegriffen wird. „Bei einem Automobilzulieferer konnten wir dank Virtualisierung die Anzahl der physischen Server in seinem Rechenzentrum von 100 auf 40 mehr als halbieren. Die Anzahl von 7.000 bis 8.000 Nutzern, die auf die Rechner zugreifen, blieb dabei konstant“, sagt Cloud-Manager Carsten Pavlovits.

Immer mehr Unternehmen mieten inzwischen ihre Standardfirmensoftware, statt Lizenzen zu kaufen. Für die Branche ist das eine ernsthafte Bedrohung. „Schon jetzt ist klar, dass diese Entwicklung in einigen Märkten das traditionelle Geschäft mit Softwarelizenzen kannibalisieren wird“, sagt Berenberg-Bank-Analyst Daud Kahn.

Die Zeiten, als Großkonzerne über den erfolgreichen Branchenpionier Salesforce gelächelt haben, sind jedenfalls vorbei. Das US-Unternehmen bot als erstes Software für das Management von Kundenbeziehungen als Mietmodell an. Inzwischen sind auch die Branchengrößen wie Oracle und SAP hier als Cloud-Anbieter unterwegs.

Softwareriesen auf Einkaufstour
Das Geschäft läuft offensichtlich gut. Bei sogenannter Personalentwicklungssoftware, das sind Programme, die die Beurteilung von Mitarbeitern erleichtern, fackelten die Riesen nicht lang. Oracle schnappte sich im vergangen Herbst die US-Firma Rightnow für gut eine Milliarde Dollar, SAP schlug daraufhin für über drei Milliarden Dollar bei Successfactors zu.

Der Chef des Unternehmens, Lars Dalgaard, rückte schnell in den SAP-Vorstand auf. Der Däne ist jetzt Chefplaner der Cloud-Strategie der Walldorfer. In drei Jahren soll der Konzern damit zwei Milliarden Euro Umsatz einfahren, zehn Prozent der dann angepeilten 20 Milliarden Euro Gesamtumsatz. Auch bei der weltweiten Nummer 1 für Firmensoftware, SAP, kommt der Navigator also direkt aus der Wolke.

Investor-Info

VMware
Angriff auf Cisco
Das Geschäft des Weltmarktführers für Virtualisierungssoftware brummt. Mit dem 1,26 Milliarden Dollar teuren Kauf von Nicira, Spezialist für die Virtua­lisierung von Datenweichen (Router, Switches), rückt VMWare auf das Territorium von Netzwerk­könig Cisco vor. Für 2012 werden 24 Prozent Gewinnwachstum erwartet. Die Bewertung ist hoch. Top-Empfehlung für spekulative Anleger.

Salesforce
Profitabilität steigt
Salesforce-Gründer Marc Benioff will das Wachstumstempo mit Übernahmen im Social-Media-Segment hochhalten. Das Interesse an Facebook-ähnlichen Diensten ist bei Unternehmen groß. Die Profitabilität im Bereich Cloud-Dienste steigt. Nach zwölf Prozent Gewinnzuwachs im laufenden Jahr soll der Gewinn 2013 um 33 Prozent zulegen. Die Aktie ist traditionell sehr hoch bewertet. Spekulativ.

Cloud-Empfehlungen
Aufsteiger und Spezialisten
Das IT-Systemhaus Cancom erzielt bislang geringe Umsatzbeiträge mit Cloud-Diensten, will den Beitrag aber steigern. Stark spezialisiert sind der Vir­tualisierungsspezialist Citrix und Teradata. Die US-Softwarefirma bringt die Lagerverwaltung ihrer Kunden in die Wolke. Der österreichische IT-Dienstleister Quanmax erzielt mit Software, die Industrieroboter in die Wolke bringt, Margen über 50 Prozent.
Aufsteiger und Spezialisten (pdf)

Das Zertifikat
Die Cloud in einem Korb
Das Index-Tracker-Zertifikat der Schweizer EFG Bank auf den Solactive-Cloud-Computing-Performance-Index (ISIN: CH0127998315) bildet den Kursverlauf von 15 ausgewählten Cloud-Computing-Firmen ab. Während der vergangenen zwölf Monate legte der Index um mehr als 40 Prozent zu. Drei der ursprünglich ausgewählten Firmen – Ariba, Rightnow und Success Factors – wurden bereits übernommen. Spannende Einzelwerte: Netsuite und Commvault Systems. Die Laufzeit des Zertifikats ist unbegrenzt.

Bildquellen: istock photo
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