BRÜSSEL/FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Münchner Privatbank Merck Finck steht vor der Übernahme durch einen Investor aus Katar. Der belgische Finanzkonzern KBC einigte sich nach eigenen Angaben vom Montag mit der luxemburgischen Holding Precision Capital auf den Verkauf ihrer Vermögensverwaltungssparte KBL European Private Bankers inklusive Merck Finck. Der Preis liege bei 1,05 Milliarden Euro. Hinter Precision Capital steht der nicht näher genannte Investor aus dem Golfstaat.
Die Transaktion soll im ersten Quartal 2012 abgeschlossen sein. Noch müssen die Aufsichtsbehörden zustimmen. Ursprünglich wollte KBC die Sparte an die indischen Investorenfamilie Hinduja für 1,35 Milliarden Euro verkaufen. Das Geschäft scheiterte im Frühjahr aber am Veto der luxemburgischen Finanzaufsicht. KBC muss die in neun Ländern Europas vertretene Privatbanken-Gruppe auf Verlangen der EU abstoßen. Dies war die Auflage dafür, dass das belgische Institut in der Finanzkrise mit milliardenschweren Staatshilfen gerettet worden war.
Mit dem neuen Eigentümer erhofft sich die KBL bessere Geschäftsaussichten vor allem im Nahen Osten und in Asien. Die KBL-Gruppe verwaltet nach Unternehmensangaben mit rund 2.550 Beschäftigten 47 Milliarden Euro an Vermögen und betreut weitere 38 Milliarden Euro. Eines der zehn bei KBL zusammengefassten Institute ist die Münchner Privatbank Merck Finck, die als Filetstück gilt. Der Verkauf betreffe alle Filialen der Privatbanken, teilte die Bank mit.
"Die Vereinbarung wird KBC um einen erheblichen Kapitalbetrag entlasten, das Risikoprofil verringern und unseren Schwerpunkt auf Bankgeschäfte und Märkte in Belgien, Zentral- und Osteuropa konzentrieren", sagte KBC-Chef Jan Vanhevel laut Mitteilung. Er äußerte sich erleichtert, dass das Geschäft trotz der Turbulenzen auf den Finanzmärkten eingefädelt werden konnte./enl/mt/stw/kja