11.01.2017 23:15
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TripAdvisor-Aktie: Der tiefe Fall 2016

Minus trotz Bullenmarkt: TripAdvisor-Aktie: Der tiefe Fall 2016 | Nachricht | finanzen.net
Minus trotz Bullenmarkt
Das Online-Bewertungsportal für Hotels und Restaurants, TripAdvisor, hat sich dem Aufwärtstrend an den Börsen in den letzten Wochen erfolgreich widersetzt. Auf Jahressicht steht ein dickes Minus.
Die Reiseplattform TripAdvisor darf sich über eine fragwürdige Auszeichnung "freuen": Die Experten von "Forbes" haben die Aktie zu einem der zehn schlechtesten Titel des Jahres 2016 gewählt. Wer zu Jahresbeginn 1.000 Dollar in die Aktie investiert habe, hätte jetzt nur noch Papiere im Gegenwert von rund 571 Dollar im Depot, so "Forbes".

Und tatsächlich ist der Kursverlust bei TripAdvisor in diesem Jahr beachtlich: Mehr als 40 Prozent hat die Aktie bisher verloren. Erst Anfang Dezember markierte sie ein neues 52-Wochen-Tief. Aber ein Ende der Abwärtsbewegung könnte in Sicht sein.

TripAdvisor steckt mitten in der Neuausrichtung

TripAdvisor ist momentan dabei, sich von einer reinen Plattform für Hotel- und Restaurant-Bewertungen zu einem vollwertigen Online-Reisebüro zu entwickeln. Die Nutzer sollen sich auf der Internetseite nicht mehr nur informieren, sondern direkt ihren Aufenthalt buchen. Das geschieht unter anderem über Preisvergleichsseiten, an die TripAdvisor Nutzer weiterleitet und dafür am Umsatz beteiligt wird. Außerdem kann man seit einigen Monaten mit der Funktion "Sofortbuchung" die Hotels von angeschlossenen Partnern auch direkt auf TripAdvisor buchen, ohne die Seite verlassen zu müssen.
Einer dieser Partner ist seit Dezember auch Expedia - und offenbar erhoffen sich die Anleger gerade von dieser Kooperation viel: Am Folgetag, nachdem der Deal bekannt wurde, legte die TripAdvisor-Aktie laut "Bloomberg" so stark zu wie schon seit März nicht mehr. Die Kursgewinne reichten aber natürlich bei weitem nicht aus, um die kräftigen Jahresverluste auszugleichen.

Umbau forderte hohen Tribut

Der Konzernumbau soll TripAdvisor zwar fit für die Zukunft machen, erfordert momentan aber hohe Investitionen. Daneben schwächelt auch das bisherige Geschäft, da es mittlerweile unzählige Webseiten mit Reisebewertungen gibt, die TripAdvisor Nutzer abspenstig machen. Das ging auch an den Quartalsbilanzen nicht spurlos vorbei.
Bei den Zahlen für das dritte Quartal 2016, die am 8. November vorgelegt wurden, musste TripAdvisor einen stagnierenden Gewinn von 0,53 Dollar pro Aktie vermelden. Auch der Umsatz bewegte sich lediglich um ein Prozent nach oben auf 421 Millionen Dollar. Damit verfehlte das Unternehmen die Prognosen der Analysten, die rund 15 Millionen Dollar mehr erwartet hatten. Die TripAdvisor-Aktie verlor allein am darauffolgenden Tag an der NASDAQ rund 16 Prozent. Einen ähnlichen, aber kleineren Einbruch gab es auch nach der Quartalsbilanz im August.

Dabei kann TripAdvisor beachtliche Nutzerzahlen vorweisen: 390 Millionen Menschen nutzen das Portal laut Unternehmensangaben im Schnitt pro Monat und haben mittlerweile rund 435 Millionen Bewertungen verfasst. Aber der Konzern kämpft damit, diese Zahlen auch in Umsätze zu verwandeln. Viele Menschen nutzen die Seite mittlerweile nämlich mobil - und informieren sich dann in der Regel nur, anstatt wirklich eine Reise zu buchen. TripAdvisor verdient aber hauptsächlich an den Buchungen.

Dennoch zeigt sich das US-Unternehmen zuversichtlich: "Im Jahr 2016 haben wir große Fortschritte dabei gemacht, unsere Produkte und Plattformen für ein langfristiges Wachstum aufzustellen", hieß es in einem offiziellen Statement zu den letzten Quartalszahlen. "2017 wird sich unser Fokus darauf konzentrieren, das Umsatzwachstum in unserem Hotelgeschäft wieder zu beschleunigen […] Wir glauben, dass sich diese Reise finanziell auszahlen wird, aber es wird etwas dauern."

Imagekrise könnte Ziele gefährden

Bei dem Ziel, finanziell wieder weiter voran zu kommen, könnte dem Konzern aber eine Imagekrise einen Strich durch die Rechnung machen. Denn obwohl die bei TripAdvisor erreichte Punktzahl bei vielen Hotels und Gastronomiebetrieben als Aushängeschild gilt und oftmals stolz präsentiert wird, werden immer mehr Zweifel an der Glaubwürdigkeit dieser Bewertungen laut. Nutzer müssen sich nicht verifizieren, um auf dem Portal eine Bewertung abgeben zu können, daher soll es dort angeblich von falschen oder gekauften Bewertungen nur so wimmeln. In Großbritannien darf TripAdvisor schon seit einem Gerichtsurteil im Jahr 2012 nicht mehr behaupten, dass die veröffentlichten Bewertungen authentisch seien. Sollten auch viele Nutzer diesen Eindruck gewinnen und sich deshalb anderen Bewertungsplattformen zuwenden, würde damit auch TripAdvisors Einnahmequelle schrumpfen.

Sollte der Aktienkurs von TripAdvisor auch im kommenden Jahr weiter fallen, bleibt Aktionären aber zumindest ein kleines Trostpflaster: Mit einer Marktkapitalisierung von weniger als zehn Milliarden Dollar galt das Unternehmen laut einer Analyse von "€uro am Sonntag" schon dieses Jahr als klarer Übernahmekandidat. Nächstes Jahr könnten bei weiter fallenden Kursen dann tatsächlich Unternehmen wie Expedia zuschlagen, und den Aktienkurs so wieder etwas nach oben treiben.



Redaktion finanzen.net

Bildquellen: charnsitr / Shutterstock.com

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