21.06.2012 15:00
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Ebay und Google - Wettrennen um das Mobiltelefon als Geldbörse

Künftig sollen Kunden beim Shoppen mit ihrem Handy zahlen können
Mobile Payment
Die Ebay-Tochter Paypal rüstet sich für das Bezahlen via Handy. Auch Google mischt kräftig im Wachstumsmarkt mit - Kreditkartenfirmen haben das Nachsehen.
€uro am Sonntag

von Stephan Bauer, Euro am Sonntag

John Donahoe hat die Zukunft klar vor Augen. „In zwei Jahren werde ich keine Geldbörse mehr mit mir herumtragen“, sagt der Chef des Online-Handelshauses Ebay. Unablässig trommelt der Amerikaner für den neuen Star des Konzerns und dessen neuestes Projekt: Paypals Ambitionen bei Bezahldiensten via Handy.

Donahoe drückt auf die Tube, um sein Lieblingsthema anzuschieben. Jüngst schloss Ebay einen Deal mit Verifone, dem größten Anbieter von Kassenterminals in den USA. Künftig sollen Kunden — etwa der Supermarktkette J. C. Penney, des US-Modefilialisten Abercrombie & Fitch oder des Sportschuhverkäufers Foot Locker — beim Shoppen mit ihrem Handy zahlen können. In 2000 Baumärkten des Marktführers Home Depot ist das jetzt schon möglich.

Auf insgesamt 16.000 Geschäfte erstreckt sich das mobile Imperium Paypals in den USA. Im laufenden Jahr will der Bezahldienstleister weitere US-Händler gewinnen und schließlich rund sieben Milliarden Dollar Einkaufsvolumen über Handys abwickeln. Gemessen an den insgesamt rund 150 Milliarden Dollar Transaktionsvolumen, die bei Paypal für das laufende Jahr erwartet werden, ist das zwar noch nicht viel. Doch die Wachstumsraten sind mit über 70 Prozent pro Jahr vielversprechend.

Wachstumsschub für Ebay
Drei, zwei, eins — meins: Den ehemaligen Firmenslogan setzte Ebay vor zehn Jahren mit der Übernahme von Paypal musterhaft um. Für 1,5 Milliarden Dollar erstand das Auktionshaus den damals weithin unbekannten Transaktionsdienstleister. Inzwischen ist Paypal der Teil von Ebay mit den größten Wachstumsraten. Im ersten Quartal des laufenden Jahres wuchs die Tochter um rund ein Drittel gegenüber dem Vorjahr und lieferte etwa 40 Prozent des gesamten Umsatzes. Bis spätestens 2014 dürfte Ebay gemessen am Umsatzanteil zu mehr als der Hälfte aus Bezahldienstleistungen bestehen.
Längst ist Paypal auch bei Onlinehändlern außerhalb der Konzernplattform erfolgreich. Weltweit haben rund 110 Millionen Menschen ein Paypal-Konto, über das sich Bezahlvorgänge per Mausklick abwickeln lassen. Einmal anmelden und Girokonten- oder Kreditkartendaten angeben genügt.

Mit dem mobil gemachten Bezahldienst setzt Ebay-Chef Donahoe zugleich auf einen globalen Wachstumstrend. Das US-Marktforschungsinstitut Gartner Group geht davon aus, dass das weltweite Volumen an mobil getätigten Einkäufen bis 2016 von rund 170 auf über 600 Milliarden Dollar pro Jahr steigen wird. Die jährlichen Wachstumsraten sollen den Experten zufolge bei über 40 Prozent liegen.
In afrikanischen Staaten wie Kenia oder Nigeria ist mobiles Bezahlen schon jetzt weit verbreitet. Nur wenige Afrikaner haben ein Bankkonto, aber die meisten ein Handy. Viele Überweisungen laufen über die Mobilfunkabrechnungen.

Beobachter rechnen nun auch in den entwickelten Volkswirtschaften mit einem Wachstumsschub. Die Technik wird immer sicherer, die Vorbehalte der Kunden gegenüber dem digitalen Bezahlvorgang sinken, weil viele Nutzer bereits mit Interneteinkäufen gute Erfahrungen gemacht haben.
Das Potenzial lockt indes auch andere Großkonzerne aus dem Web an. Mächtigster Gegenspieler Ebays ist der Internetriese Google. Bereits im vergangenen Jahr startete der Suchmaschinenbetreiber den mobilen Bezahldienst „Google Wallet“ in den USA. Die Kalifornier setzen dabei auf einen technisch anspruchsvollen Standard, der sich „Near Field Communication“ nennt, abgekürzt NFC.

Das Prinzip: In einem speziellen Chip im Handy sind die Kontendaten hinterlegt. Dieser ist zuständig für die sichere Kommunikation mit dem Kassensystem. In der Praxis müssen Kunden ihr Handy an ein kleines Kassenterminal halten. Technisch ist die Lösung die modernste. Doch sie stößt auf Hindernisse. Das größte: Noch gibt es wenige Handys, die mit dem entsprechenden Chip ausgerüstet sind.

Paypal versucht’s simpel
Das Paypal-Prinzip ist hingegen unabhängig vom verwendeten Handy. Home-Depot-Kunden etwa bezahlen schlicht mit ihrer Mobilfunknummer sowie einem PIN-Code. Alle Kontodaten sind im System von Paypal angelegt, das die Transaktion dann freigibt. „Paypal übernimmt die gesamte Abwicklung bis zum Bankkonto. Das macht das System sehr sicher“, sagt US-Tech-Analyst Ken Sena vom Analystenhaus Evercore Partners.

Gleichwohl arbeitet auch Paypal an einer NFC-Lösung, denn auf lange Sicht liegt in diesem Standard wohl die Zukunft. Google leistete sich im vergangenen Sommer mit Motorola Mobility einen kompletten Handykonzern. Beobachter rechnen deshalb künftig mit weiteren NFC-tauglichen Geräten von den Kaliforniern. Auch der Hightech-Konzern Apple soll Spekulationen zufolge darüber nachdenken, sein nächstes iPhone mit der NFC-Technik auszustatten. Schließlich hat gerade der größte Konkurrent im Smartphone-Markt, die koreanische Samsung Group, seinem besten Smartphone Galaxy 3 einen NFC-Chip spendiert.

Chiphersteller NXP profitiert
Vom allmählich anziehenden Geschäft mit Bezahlchips profitiert der Chipkonzern NXP Semiconductors, eine Abspaltung der niederländischen Philips. Die Europäer haben bereits 2002 den Identifikationsstandard NFC gemeinsam mit der japanischen Sony entwickelt. NXP besitzt deshalb wertvolle Patente an der Technik und hat dadurch einen großen Vorsprung vor der Konkurrenz. Auch Samsung setzt im Galaxy 3 einen NXP-Chip ein. Und große Kassenhersteller wie die Nummer 1 der Welt, die französische Ingenico, arbeiten mit den Niederländern zusammen.

Dass Eindringling Paypal das Kerngeschäft bedroht, gefällt Kreditkartenfirmen gar nicht. Fieberhaft feilen deshalb auch Visa oder Mastercard an neuen, bequemeren Bezahllösungen. Die erste Idee: Kreditkarten, die mit NFC-Chips ausgestattet sind. Mastercard etwa hat in den USA bereits über 120 000 NFC-taugliche Lesegeräte aufgestellt, die mit den modernen Kreditkarten kommunizieren können. Konkurrent Visa hält mit dem funkbasierten PayWave-System dagegen.

Bleibt die Gretchenfrage: Was wird der mobile Mensch künftig am ehesten unterwegs bei sich tragen – Kreditkarte oder Smartphone? Vorteil für das Handy: Kreditkarten taugen weder zum Telefonieren noch zum Fotografieren oder Mailen.

Investor-Info

Ebay
Potenzial mit Prozenten
Aus dem Web-Auktionshaus wird wegen des starken Wachstums von Paypal immer mehr ein Bezahldienstleister. 2,7 Prozent des Transaktionsvolumens vereinnahmt Paypal als Gebühr, hinzu kommen Zinseinnahmen aus Habenständen auf den Kundenkonten. Ein lohnendes Geschäft — auch wegen des starken Wachstums der Bezahl-Tochter rechnen Analysten für das Jahr 2013 mit einem Gewinnwachstum von 15 Prozent. Noch nicht zu teuer.

Google
Wertvolles für Werber
Der Suchmaschinenbetreiber verdient nicht direkt an mobilen Bezahlvorgängen. Google kann dafür präzise Konsuminformationen gewinnen und seinen Werbekunden gestochen scharfe Personenprofile liefern. Das dürfte die Werbeerlöse künftig weiter treiben. Das Geschäft läuft nach wie vor gut: Für 2013 rechnen Analysten mit rund 20 Prozent Zuwachs bei Umsatz und Gewinn. Charttechnisch derzeit an kritischer Marke. Stopp setzen und abwarten.

NXP
Halbleiter für den Trend
Seit der Trennung von der niederländischen Philips 2006 durchlief das Unternehmen eine harte Umstrukturierung. Der Konzern hat sich auf Halbleiter für die Automobilindustrie sowie auf Identifizierungs- und Sicherheitschips spezialisiert. Seit 2011 ist NXP wieder profitabel. Die NFC-Technik bietet große Chancen, schließlich hat das Unternehmen hier einen Standard gesetzt. Analysten rechnen 2013 mit über 50 Prozent Gewinnplus. Spekulativ.

Wirecard
Auf dem Sprung
Vor­stands­chef Markus Braun deutete zuletzt an, dass 2012 ein erster Ver­trags­ab­schluss mit einem Te­le­ko­man­bie­ter gemeldet werden könnte. 2012 will der Anbieter von On­line-​Be­zahl­sys­te­men um 50 Prozent stärker wachsen als der E-​Com­merce-​Markt, der um rund zehn Prozent zulegen dürfte. Mittelfris­tig will Wirecard den Ebitda-Gewinn jährlich um 25 Prozent steigern. Haltenswert.

Bildquellen: Nokia
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