aktualisiert: 03.08.2012 21:49
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Ralph Lauren: Warum die Fashion-Aktie Ihr Depot chic macht

Ralph Lauren: Großer US-Modemacher
Modische Aktie
Amerikas Patrioten empören sich über die Bekleidung ihrer Athleten in London - weil diese in China gefertigt wurde. Den weiteren Siegeszug von Ralph Lauren wird das nicht aufhalten.
€uro am Sonntag

von Andreas Pilmes, €uro am Sonntag

Man sollte die Outfits nehmen, auf einen Haufen werfen und verbrennen“, empfahl der Chef der Demokraten im US-Senat, Harry Reid. Was den guten Mann dermaßen empörte, konnte die Welt beim Einzug der Olympioniken in London betrachten: die Kleidung der US-­Athleten. Dabei ging es keineswegs um Geschmacksfragen, auch wenn manchen die an Baskenmützen angelehnten Kopfbedeckungen zu französisch erschienen. Es ging darum, dass die Klamotten zwar vom US-Modemogul Ralph Lauren entworfen, aber in China gefertigt worden waren. Ist schon ein Kreuz mit der Globalisierung.

Ausgerechnet Ralph Lauren traf der Volkszorn, den uramerikanischsten aller amerikanischen Modemacher, jenen Designer, der den USA in den 70er- und 80er-Jahren erstmals einen eigenen Stil gegeben hat. Prompt gelobte der 72-Jährige Besserung. Die Ausrüstung für die nächsten Spiele würde in der Heimat gefertigt, versprach er. Und was sagen jene, die das Zeug tragen? Es gebe weiß Gott Wichtigeres, relativierte Beachvolleyballer Todd Rogers in „USA Today“.

Obwohl die in derlei Dingen höchst empfindsame US-Seele kocht, die Aufregung um die Olympia-Outfits wird Ralph Lauren nicht nachhaltig schaden. Sein Platz im Olymp der Modemacher ist ihm längst sicher. „Großmeister der amerikanischen Lässigkeit, gepaart mit einem Hauch europäischer Eleganz“, so wird er in Fachbüchern umschrieben. Die elegant-lässige ­Mischung aus Nadelstreifen und Tweed, Kaschmir und Jeans ist sein Markenzeichen — Mode für Menschen, die gar nicht modisch sein wollen. Dieses Stilempfinden hat den Sohn weißrussisch-jüdischer Einwanderer aus der Bronx reich gemacht, stinkreich. Auf 12,5 Milliarden Dollar schätzt „Forbes“ das Vermögen des dreifachen Familienvaters und Oldtimersammlers.

Geld hat er auch Anlegern eingebracht. Wer in den vergangenen Jahren in Mode- oder Luxusaktien wie Ralph Lauren investiert und einen etwas längeren Atem bewiesen hat, darf morgens in dem Bewusstsein aufstehen, etwas richtig gemacht zu haben.

Das darf auch Mister Lauren selbst. Im Fiskaljahr 2012, das bereits im Juni endete, stiegen die Umsätze des Konzerns im Vergleich zum Vorjahr um 21 Prozent auf 6,9 Milliarden US-Dollar. 681 Millionen Nettogewinn blieben übrig, 568 Millionen waren es im Jahr davor. „Wir haben entscheidende Fortschritte bei unserer Expansion erzielt und erfolgreich neue Produkte auf den Markt gebracht“, begründete Lauren den Erfolg. Der Meister, der noch immer aktiv an der Spitze seines Konzerns steht, ließ sich nicht lumpen und verdoppelte die Dividende auf 1,60 Dollar pro Aktie. Zudem kursieren Kursziele von 180 Dollar — derzeit steht die Aktie bei 120.

Die Expansion geht — wie sollte es anders sein — vor allem in Richtung China. Diverse neue Läden kündigte Lauren für die kommenden Jahre an. Und mit neuen Produkten meinte er vor allem Handtaschen, die nun auch mit dem Label des Polospielers gefertigt — und gut verkauft — werden.

Genialer Designer und Stratege
Lauren ist nicht nur Designer von Weltruf, er ist auch ein genialer Marketingstratege. So halten ihn viele wegen seines Labels „Polo Ralph Lauren“ für den Erfinder des Poloshirts. Was nicht stimmt, das war Henri Lacoste. Lauren aber hat es in den USA hoffähig gemacht. Und vor allem hat er als einer der Ersten in diesem Business erkannt, dass Mode nicht nur Kleidern vorbehalten ist.

Es gibt ganze Lebenswelten von Ralph Lauren mit Möbeln, Tapeten, Bettwäsche, Handtüchern, Uhren, Parfum und sogar Hundemäntelchen. Der elegante Country-Style, der gleichzeitig perfekt und authentisch anmutet und mit dem man die USA heute verbindet, ist das Werk Ralph Laurens.

Begonnen hat er als Ralph Lipschitz und als Krawattenverkäufer bei Brooks Brothers. „Alles, was ich hatte, war Geschmack“, sagte er einmal im Rückblick. Mit geliehenen 50.000 Dollar machte er sich 1967 als Krawattendesigner selbstständig — mit überwältigendem Erfolg. Schon ein Jahr später kam die erste Männer­kollektion auf den Markt, 1971 folgte die Damenmode. 1997 brachte er das Unternehmen an die Börse.

Mit seinem Logo, dem Polospieler, hat Lauren zweifellos aufs richtige Pferd gesetzt. Polo hat er übrigens nie ernsthaft gespielt.

Investor-Info

Die Aktie
Ansehnliche Wachstumsraten

Nach Meinung der meisten Analysten ist die Aktie ein Kauf. Das durchschnittliche Kursziel liegt 17 Prozent über dem aktuellen Kurs, in der Spitze werden ihr sogar 50 Prozent Kurspotenzial zugebilligt. Kein Wunder, denn das Geschäft brummt. Im laufenden Geschäftsjahr soll der Umsatz um 5,6 Prozent zulegen, der Gewinn um fast zehn Prozent. Auch für die kommenden Jahre werden hohe Wachstumsraten beim Gewinn erwartet. Auch wir meinen: Kaufen.

Bildquellen: Ralph Lauren
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