Der Porsche-Clan hat auch schon einen Plan, wie er sich die Macht in dem geplanten Konzern sichert. Bereits vor der Verschmelzung will die Doppelsippe das Kapital von Porsche um fünf Milliarden Euro aufstocken. Den größten Teil werden die Familien Piëch und Porsche aufbringen. Aber auch die freien Aktionäre, die lediglich Vorzugsaktien halten, sollen bei der Kapitalerhöhung mitziehen. Die Kapitalspritze reicht aus, um die Nettoverschuldung von Porsche um gut die Hälfte zu reduzieren. Zugleich würde die Position des kleineren Partners bei der Fusion mit VW gestärkt. Damit könnte auch der Porsche-Clan im neuen Konzern eine beherrschende Position erobern. "Die beiden Familienstämme kommen zusammen voraussichtlich auf einen Anteil von 35 Prozent", schätzt Professor Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen.
Niedersachens Anteil würde bei einer Fusion freilich arg verwässert werden. Die Landesregierung wird dem Vorhaben daher wohl nur zustimmen, wenn das Unternehmen zu Konzessionen bereit ist. Dazu gehört, dass der Konzernsitz in Wolfsburg angesiedelt wird und nicht bei Porsche in Stuttgart. Obendrein müssten die Verträge zur Standortsicherung eingehalten werden.
Neben Niedersachsen und dem Porsche-Clan soll das neue Unternehmen einen dritten Großaktionär bekommen. Das Emirat Katar hat bereits Interesse an einem Engagement bei Porsche signalisiert – und wäre dann später auch an dem fusionierten Unternehmen beteiligt. Unklar ist freilich, wie viele Milliarden die Ölscheichs investieren wollen. Ebenso in den Sternen steht, welche Rolle Wiedeking spielen wird. Vorerst bleibt er wohl im Amt. "Wiedeking ist nach wie vor Chef der Holding Porsche SE und der operativen Gesellschaft Porsche AG", heißt es von Firmenseite. Auch Finanzjongleur Härter, der Porsche mit seinen Kunststückchen an den Rand des Abgrunds steuerte, soll an Bord bleiben, bis die Fusion vollzogen ist.
Was aber geschieht weiter mit den beiden verhinderten Tycoons? Den Vorstandsvorsitz in der neuen Holding wird vermutlich Winterkorn übernehmen. Im Gegensatz zu Wiedeking hat der VW-Chef Erfahrung, wie ein internationaler Konzern mit Hunderttausenden von Mitarbeitern geführt wird. Wiedeking müsste sich dann wohl damit bescheiden, Chef der operativen Porsche-Gesellschaft zu werden. Möchte der Starmanager, der Porsche zum profitabelsten Autohersteller der Welt machte, aber bloß Abteilungsleiter sein?
Viele Beobachter gehen davon aus, dass Wiedeking nach einer Schamfrist das Unternehmen verlässt. Andeutungen hat er bereits gemacht. Andererseits könnte er in der Arbeitsgruppe, die die Fusion vorbereiten soll, eine Allianz mit dem Rivalen Winterkorn schmieden und die Machtübernahme in dem neuen Konzern vorbereiten. "Es ist denkbar, dass der neue Konzern vorübergehend von einer Doppelspitze geführt wird", spekuliert Autoprofessor Dudenhöffer. Nach dem Abgang von Winterkorn, der in drei Jahren 65 wird, könnte Wiedeking dann die Holding als alleiniger Vorstandsvorsitzender führen.
Unterstützen die Porsches eine solche Übergangsregelung? Sie hätte zumindest den Charme, dass damit die Rolle ihres Unternehmens in dem neuen Konzern aufgewertet würde. Formell wird Porsche eine von zehn "gleichberechtigten" Marken, die an die geplante Führungsgesellschaft angehängt werden. Es ist ein Sammelsurium aus beinahe allem, was vier Räder und einen Motor hat.
Kern des neuen Konzerns sind die Pkw-Marke Volkswagen, die spanische VW-Tochter Seat und die tschechische Filiale Skoda. Flankiert werden die drei Massenhersteller auf der einen Seite von der Sparte VW Nutzfahrzeuge und dem schwedischen Lkw-Hersteller Scania. Auf der anderen Seite runden gleich fünf Luxusmarken das Spektrum ab: der Premiumhersteller Audi, die Nischenspezialisten Bentley, Bugatti und Lamborghini sowie künftig der Sportwagenbauer Porsche.
Um die Kosten zu senken, stehen die Marken in der Pflicht, nach Synergien zu fahnden – etwa in der Produktion. Bereits jetzt wird die Rohkarosserie des neuen viertürigen Porsche Panamera im VW-Werk Hannover zusammengeschweißt. Auch beim Cayenne ist VW für Porsche ein wichtiger Zulieferer.
Umgekehrt hat Porsche in Weissach ein sehr renommiertes Forschungs- und Entwicklungszentrum, das seit Langem auch für andere Unternehmen arbeitet. Es könnte künftig den Schwestermarken bei der Konstruktion neuer Modelle helfen. Für externe Auftraggeber kann Porsche aber dann wohl nur noch eingeschränkt tätig werden. In den 90ern hatten die Schwaben beispielsweise den Opel Zafira entwickelt.
Der ehemalige Kunde aber ist jetzt Konkurrent. Und er könnte unter die Kontrolle eines anderen Clans geraten, der nach der Macht greift: Die italienische Agnelli-Familie will aus Fiat, Chrysler und eben Opel einen der größten Autokonzerne der Welt schmieden. Kaum haben die Sippen Piëch und Porsche ihren Streit beigelegt, droht der nächste Showdown: der Kampf mit den Agnellis um die Vorherrschaft in der europäischen Autoindustrie.