Finanzinstitute haben ihren Risikomanagement-Funktionen nicht genügend
Verantwortung übertragen, um die Aktivitäten von Risikoträgern, die eine
wesentliche Rolle bei dem Beinahe-Zusammenbruch des internationalen
Finanzsystems 2008 gespielt haben, einzuschränken. Dies geht aus einem
Bericht der Economist Intelligence Unit (EIU) hervor, der unter anderen
von der Versicherungsgesellschaft ACE European Group (ACE) finanziert
worden war.
Den Risikomanagement-Funktionen innerhalb der Unternehmen fehlten
offenbar die Befugnisse, die sie zu einem wirksamen und notwendigen
Vorgehen benötigt hätten. Der Bericht, der auf umfangreiche Interviews
mit führenden Akteuren aus dem Finanzdienstleistungssektor und
unabhängigen Risikoexperten beruht, geht auf die daraus gezogenen Lehren
ein und empfiehlt den Finanzinstituten einige praktische Maßnahmen, um
Vertrauen wiederzugewinnen und neu aufzubauen.
Andrew Kendrick, CEO und Chairman der ACE European Group, erklärt dazu:
"Die Rolle und der Einflussbereich der Risikomanagement-Funktion sind
zwar nach der Finanzkrise erheblich durchdachter, doch viele Menschen
stellten sich die Frage, ob mehr hätte getan werden können, um die
Risikomanager zur Zügelung der Exzesse der Risikoträger zu befähigen."
Kendrick fährt fort: "Die Ereignisse haben deutlich gezeigt, wie wichtig
die Rolle des Risikomanagers ist, und nach unserer Auffassung sind die
im Bericht hervorgehobenen Maßnahmen von großer Bedeutung, um das
Gleichgewicht zwischen dem im Gewinnstreben eingegangenen Risiko
innerhalb eines Unternehmens und dem Risikomanagement wieder
herzustellen."
Die Unzulänglichkeiten der Funktion haben zwar möglicherweise zu den
chaotischen Verhältnissen im Finanzsystem beigetragen, doch es können
einige besondere Lehren daraus gezogen werden, um der
Risikomanagementfunktion so viel Einfluss zu verleihen, dass ähnliche
Probleme in Zukunft vermieden werden können. In dem Bericht wird eine
Reihe von 10 Maßnahmen im Zusammenhang mit Funktion, Position und
Kompetenzniveau der Risikomanagementfunktion bis hin zu den Strukturen
und eingesetzten Systemen angesprochen.
Die zentrale Schlussfolgerung des Berichts lautet, dass zwar viele
Institute ihre internen Risikomanagementverfahren bereits überprüfen,
oft aber eine noch viel grundlegendere Frage nach der eigentlichen
Unternehmenskultur beantwortet werden muss: ob die einzelnen Bedenken
von Risikomanagern bisher zu oft als unbedeutend eingeschätzt wurden.
Nur durch Übernahme der vorgeschlagenen Maßnahmen - so der Bericht -
können Unternehmen allmählich ihre Probleme bewältigen und eine wirksame
Risikomanagementkapazität für das 21.
Jahrhundert
bereitstellen.
"Managing risk in perilous times: Practical steps to accelerate
recovery" (Risikomanagement in risikoreichen Zeiten: Praktische
Maßnahmen für einen beschleunigten Wiederaufbau)
kann
kostenlos von folgender Website heruntergeladen werden:
http://www.aceeuropeangroup.com/AceEuropeRoot/Media+Centre/Research/EIU+Survey/
Hinweis an die Redaktionen
In dem Bericht werden folgende Maßnahmen empfohlen:
-
Risikomanagement muss in der Führungsetage beginnen
In den
letzten Jahren hat das Risikomanagement zwar einen steigenden Anteil
der Investitionen in Anspruch genommen und formell eine immer höhere
Position in der Unternehmenshierarchie erhalten, doch wie es heißt,
fehlten ihm letztlich die Befugnisse, um sich gegen ein attraktives
Gewinnpotenzial durchzusetzen. Als ‘unterstützende Funktion’ wurden
die Warnungen der Risikomanager von den Leitern der Profit Center zu
leicht beiseite geschoben. In Zukunft muss das Risikomanagement eine
unabhängige Funktion mit hinreichenden Befugnissen werden, um den
Risikoträgern wirksam entgegentreten zu können.
-
Leistungsbezogene Vergütungssysteme müssen langfristige Stabilität
belohnen
Das Missverhältnis zwischen der kurzfristigen
Incentive-Struktur und dem langfristigen Gefährdungspotenzial, das
eine Ursache der Krise war, wurde bereits als einer der wichtigsten
Reformbereiche identifiziert. Die Bonus-Kultur und die
Vergütungsmodelle der obersten Führungskräfte in den Banken müssen
überarbeitet werden um sicherzustellen, dass bestimmte Vergütungen bis
zum Laufzeit-Ende der ihnen zugrunde liegenden Abschlüsse
zurückgehalten werden.
-
Die Institute müssen die Risikokompetenz auf der Führungsebene
prüfen
Neue Finanzinstrumente und Handelsstrategien
erschweren die Aufgabe der Risikomanager zusätzlich. Die Institute
müssen sicherstellen, dass sie über eine ausreichende Risikokompetenz
auf der Führungsebene verfügen und dass das Risikomanagement-Personal
über Erfahrungen mit einem breiten Spektrum von Risiken verfügt. Es
muss Zugang zu entsprechenden Tools, Informationen und
Kommunikationswegen ermöglicht werden, um eine effektive Kommunikation
von Bedenken und Fragen zu bewirken. Die Risikomanager müssen
Entwicklungen in der ‘realen Welt’ beobachten und ihre
Risikomanagement-Annahmen und -systeme kontinuierlich aktualisieren.
-
Das menschliche Urteilsvermögen darf nicht unterbewertet werden
Die
Grenzen quantitativer Techniken und Computermodelle und ein zu großes
Vertrauen in sie müssen berücksichtigt werden. Diese quantitativen
Methoden sind durch menschliches Urteilsvermögen und persönliche
Gespräche abzusichern. Darüber hinaus sollten regelmäßige
Belastungsprüfungen in die Gesamtrisiko-Managementprozesse des
Unternehmens integriert werden.
-
Das Risikomanagement aus allen Einzelunternehmen ist zu
konsolidieren
Wie die Finanzkrise gezeigt hat, ist die
Identifizierung und Zusammenführung von Risiken auf der Ebene des
Einzelunternehmens schwierig. Die neue Kultur muss das Risiko als ein
Thema betrachten, das jeden Mitarbeiter eines Unternehmen angeht und
durch häufige, klare Kommunikation über organisatorische und
betriebliche Grenzen hinweg behandelt wird.
Obwohl eine
zentrale Risikofunktion wichtig ist, um eine Strategie festzulegen und
den Überblick über die Risikoposition des Unternehmens in seinen
verschiedenen Geschäftsbereichen und geografischen Gebieten zu
behalten, empfiehlt der Bericht die Kombination dieser Funktion mit
einem Ansatz, der die Ansiedelung des Risikos im Regionalbüro oder
einzelnen Geschäftsbereichen vorsieht, so dass jedes Profit Center die
Verantwortung für seine eigenen Risiken trägt.
-
Risikomanagement-Systeme müssen anpassungsfähig sein
Die
Ereignisse des letzten Jahres haben die Gefahren durch unzureichende
Aktualisierungen oder fragwürdige Annahmen in Bezug auf das Risiko
deutlich gemacht. Wer Systeme entwickelt, muss regelmäßig und
kontinuierlich Beobachtungen aus der realen Welt in seine
Systemgestaltung einfließen lassen.
-
Zentralisierung und Dezentralisierung von Risiken müssen in einem
ausgewogenen Verhältnis zueinander stehen
Neben einer
zentralen Risikofunktion in einem Unternehmen, in der die
Risikobereitschaft festgelegt wird, Kontrollen implementiert und
überwacht werden und die Übersicht über die Gesamtrisiko-Position des
Unternehmens gewahrt bleibt, muss Risikomanagement auch in regionale
oder individuelle Profit Center eingebettet werden.
-
Zu weit gehendes Vertrauen in Daten externer Anbieter ist zu
vermeiden
Die Finanzinstitute müssen die Grenzen von externen
Ratings und Risikodaten berücksichtigen und die Bewertungen durch
eigene Analysen ergänzen, die kontinuierlich zu aktualisieren sind.
Über die Untersuchung
Die Untersuchungen in diesem Bericht beruhen auf einer Reihe von
Tiefeninterviews mit leitenden Risikofachleuten und unabhängigen
Experten in Verbindung mit einem internen Rechercheverfahren, das die
Sichtung der aktuellen Literatur über Risikomanagement beinhaltete.
Interviews und Recherchen wurden von der Economist Intelligence Unit
durchgeführt.
ACE
Die ACE European Group hat Zweigniederlassungen in 20 Ländern in ganz
Europa und besitzt im Rahmen der Dienstleistungsfreiheit die Erlaubnis
zur Erbringung von Versicherungsleistungen für Kunden in 30 europäischen
Ländern sowie für verbundene Unternehmen in Ägypten, Bahrain, Pakistan,
Russland und Südafrika.
Die ACE European Group gehört zur ACE-Unternehmensgruppe und umfasst die
Einzelunternehmen ACE Europe, ACE Global Markets und ACE Tempest Re
Group. ACE Europe bietet maßgeschneiderte Sach- und Haftpflicht-,
Unfall- und Krankenversicherungen sowie Privatversicherungslösungen für
eine Vielzahl unterschiedlicher Kunden. ACE Global Markets (AGM) ist der
internationale Spezialversicherer von ACE, der über das Lloyd’s
Syndicate 2488 von ACE und die ACE European Group Limited tätig ist. Zu
den Spezialgeschäften gehören Exzedenten- und Überversicherungslinien,
See-, Luftfahrt- und Energieversicherung, Versicherung politischer
Risiken sowie Vermögens- und Finanzlinien und Unfall- und
Krankenversicherungen. Weitere Informationen über die ACE European Group
finden Sie unter www.aceeuropeangroup.com.
Die ACE-Unternehmensgruppe ist im Versicherungs- und
Rückversicherungsgeschäft weltweit führend und betreut einen sehr
vielfältigen Kundenkreis. Ihre Muttergesellschaft ist ACE Limited
(NYSE:ACE). Die ACE Group ist in aller Welt tätig und besitzt
Betriebsgesellschaften in mehr als 50 Ländern. Weitere Informationen
sind zu finden unter: www.acelimited.com
Fotos/Multimediagalerie abrufbar unter: http://www.businesswire.com/cgi-bin/mmg.cgi?eid=5981833&lang=de
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