31.01.2013 16:16
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Weitere Bayer-Produkte vor dem Aus?

Nach Diane-35
Dem Chemie- und Pharmahersteller Bayer droht neues Ungemach, diesmal aus Brüssel: die EU-Kommission will den Einsatz umstrittener Insektizide einschränken.
Nur einen Tag, nachdem die französische Aufsichtsbehörde angekündigt hat, das Bayer Aknemittel Diane-35 wegen eines erhöhten Thromboserisikos vom Markt zu nehmen, stehen nun Produkte der Agrarsparte möglicherweise vor dem Aus.

   So soll der Einsatz bestimmter Insektizide in der Landwirtschaft ab spätestens Juli für den Anbau von Mais, Raps, Sonnenblumen und Baumwolle von den EU-Mitgliedsländern für zunächst zwei Jahre verboten werden. Die Empfehlung der Europäischen Kommission fußt auf einem Mitte Januar veröffentlichten Bericht der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), die "ein akutes Risiko" bestimmter Pflanzenschutzmittel mit nikotinartiger Wirkung (Neonicotinoiden) für Bienen festgestellt hatte.

   Es geht dabei um die Wirkstoffe Clothianidin und Imidacloprid von Bayer CropScience sowie um Thiamethoxam des schweizerischen Herstellers Syngenta. Bis Sommer 2015 sollen die Insektizide der Empfehlung der Kommission zufolge nur noch bei Pflanzen angewendet werden dürfen, die keine Bienen anziehen, wie Kartoffeln oder Zuckerrüben sowie bei Wintergetreide. Mit Substanzen der umstrittenen Insektizide vorbehandelte Samen sollen nicht mehr verkauft und ausgesät werden dürfen.

   Für die Aussaat von Mais in diesem Sommer sollen die verschärften Bestimmungen nicht gelten. Grundsätzlich verboten werden soll der Verkauf der fraglichen Chemikalien an Privatleute.

   Nach Ablauf der zwei Jahre will die Kommission weitere Entscheidungen im Lichte neuerer wissenschaftlicher Erkenntnisse treffen. Die EFSA hatte in ihrer Untersuchung auf die Unvollständigkeit der Daten hingewiesen. Tatsächlich sei es der Wissenschaft bisher nicht gelungen, die genauen Ursachen des Bienensterbens festzustellen, heißt es in dem Diskussionspapier der Kommission. Allerdings sei ein "beträchtlicher Verlust" von Bienenvölkern in Zusammenhang mit Neonicotinoiden seit 2008 festgestellt worden. Deutschland und Italien haben den Einsatz dieser Insektizide bei Mais bereits verboten, Frankreich für Ölsaaten und Slowenien hat ein grundsätzliches Verbot erlassen.

   Die Vorschläge der Kommission werden nun von den Mitgliedstaaten beraten. Damit sie in die Tat umgesetzt werden können, sei eine Einigung bis März erforderlich, sagte der Sprecher von Gesundheitskommissar Tonio Borg.

   Ein Sprecher von Bayer CropScience sagte, die von der EU vorgeschlagenen Maßnahmen seien "nicht notwendig". Bayer sei nach wie vor der Meinung, dass die Insektizide sicher und effektiv eingesetzt werden könnten.

   Bereits Mitte Januar bei der Vorstellung des EFSA-Berichts hatte Bayer CropScience erklärt, dass alle Produkte ordnungsgemäß geprüft und zugelassen seien. Die dazu erhobenen Daten hätten bestätigt, dass keine "inakzeptablen Risiken" von den Produkten ausgingen. Der Konzern zeigte sich zudem überzeugt, dass der EFSA-Bericht nichts an der Gültigkeit der Risikobewertung ändere.

   Der Chief Operating Officer von Syngenta, John Atkin hatte die Risikobewertung der Behörde schon Mitte Januar als "übereilt und mangelhaft" bezeichnet. Das schweizerische Unternehmen teilte nun mit, angesichts der Unsicherheit der Studienergebnisse würden hoffentlich viele EU-Mitgliedsländer feststellen, dass ein Verbot der Substanzen die Bauern schädigen und den Bienen nichts nützen würde.

   Kontakt zum Autor: natali.schwab@dowjones.com    DJG/nas/jhe Dow Jones Newswires Von Angelika Busch-Steinfort und Natali Schwab

Bildquellen: Bayer AG

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