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13.09.2012 07:13

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NACH KARLSRUHER URTEIL

Experten sehen Euro-Krise keineswegs gebannt


Das Urteil zum Euro-Rettungsschirm ESM des Bundesverfassungsgerichts wird nach Einschätzung von Experten die Kapitalmärkte stabilisieren und könnte zu weiteren Kursanstiegen führen.

von Thomas Schmidtutz und Wolfgang Ehrensberger, Euro am Sonntag

Die Euro-Krise sei aber auch mit dem Urteil der Karlsruher Verfassungsrichter längst nicht vorüber, erklärten die Experten. Kurzfristig drohten Rückfälle bei den Kursen, mittel- bis langfristig steige die Inflationsgefahr. Mit dem heutigen Urteil sei die Eurokrise weder gelöst noch ein entscheidender Wendepunkt in der Krise erreicht, sagte der Wirtschaftsweise Prof. Christoph M. Schmidt gegenüber Euro am Sonntag. „Es hat sich weder an den Krisenursachen noch an der Bewältigungsstrategie etwas Grundlegendes verändert“, sagte der Präsident des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung.

Das Bundesverfassungsgericht hatte am Mittwoch Klagen der Euro-Gegner gegen den ESM und den Fiskalpakt abgewiesen und damit den Weg für eine Ratifizierung freigemacht - allerdings unter Auflagen: So soll vor allem die Haftungsgrenze Deutschlands zunächst auf 190 Milliarden Euro begrenzt bleiben und ohne ausdrückliches Ja von Bundestag und Bundesrat nicht geändert werden können. Es sei trotzdem keineswegs sicher, so Schmidt, dass es bei einer weiteren Zuspitzung der Krise nicht zu einer Ausweitung der deutschen Haftung komme. „Eine für Deutschland weniger kostspielige Alternative zur Politik der Rettungsschirme ist nicht in Sicht“, sagte Schmidt.

Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer hält nach der BVG-Entscheidung ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone für unwahrscheinlich. „Lockere EZB-Politik, ein weicher Euro und eine höhere Inflation dürften den Wettbewerbsdruck von den Peripherieländern nehmen und die Währungsunion für mehrere Jahre stabilisieren“, sagte Krämer. Ein Austritt Italiens oder Spaniens sei unwahrscheinlich. Die Währungsunion werde jedoch zu einer „Haftungsunion“, die Parallelen aufweise zum Italien der 70er und 80er Jahre.


Gottfried Heller
Anlageexperte Gottfried Heller sieht mit dem BVG-Urteil zwar die Rechte des Bundestags und Bundesrats gestärkt: „Das Urteil hat mit der Deckelung auf 190 Milliarden Euro und mit der Entbindung des deutschen ESM-Vertreters von der Schweigepflicht klare Grenzen gezogen, dass der ESM keinen Bankstatus bekommt.“ Unabhängig vom BVG-Urteil könne die EZB jedoch weiter unbegrenzt Anleihen kaufen. Dadurch würden die Märkte weiter mit Liquidität geflutet und Länder wie Italien und Frankreich, die ihre Reformversprechen nicht eingehalten haben, könnten ihre Staatsanleihen zu günstigeren Zinsen loswerden. Nach dem Wahlsieg in Frankreich hätten die Südländer inzwischen ein Übergewicht im Euro. „Wir kommen damit nicht nur in eine Haftungsgemeinschaft, sondern auch in eine Inflationsgemeinschaft“, warnte Heller.

Für die Aktienmärkte bedeute die Entscheidung zunächst grünes Licht. „Langfristig werden wir mit höherer Inflation dafür zahlen. Es ist in meinen Augen eine Frechheit, wie Schuldnersünder wie Monti in Italien oder Rajoy in Spanien mit dem Finger auf uns zeigen und Bedingungen nennen, die wir als Gläubiger dann zu erfüllen haben. Mit ihrem unsäglichen Satz ‚Scheitert der Euro, scheitert Europa’ hat Kanzlerin Angela Merkel eine Bestandsgarantie für alle Fußkranken und Schludriane dieser Währungsunion gegeben, die uns jetzt erpressbar macht.“

Heller rät Anlegern zu internationalen Groß-Konzernen. Zu seinen Favoriten zählen Unternehmen wie IBM, Bayer, BASF oder Siemens. Diese multinationalen Qualitäts-Aktien sind auch durch ihre globale Ausrichtung währungstechnisch abgesichert. "Mit einem Übergewicht an Aktien bekommt man zudem einen besseren Inflationsschutz ins Depot als etwa über Gold. Zusätzlich sollten Anleihen etwa von Unternehmen oder von sicheren Staaten wie Australien oder auch Emerging Markets gekauft werden - am besten über internationale Anleihe-Fonds. Mit einem Übergewicht von Aktien und Anleihen außerhalb der Eurozone schützt man sein Geld auch vor einer von vielen befürchteten Währungsreform.“

Auch nach Einschätzung des M.M.Warburg-Aktienstrategen Matthias Thiel hat das BVG eine positive Entscheidung für den Aktienmarkt getroffen. Investoren gingen nun wieder mehr Risiken ein. Die Risikoprämie, die in einigen Titeln aus Sorge vor einem Auseinanderbrechen der Euro-Zone drin war, wird zunehmend vom Markt wieder herausgenommen. "Dies dürfte insbesondere den südeuropäischen Aktien und Banken zu Gute kommen, die bereits in den vergangenen Wochen gut gelaufen sind." Der DAX werde seinen Kurs auf die Marke von 7500 zunächst fortsetzen, glaubt Thiel. "Angesichts der nach wie vor angespannten konjunkturellen Lage sollten sich Anleger aber bewusst sein, dass schon in wenigen wochen die Risiken am Aktienmarkt wieder stärker in den Vordergrund rücken könnten. So müssten mit einer zunehmend eingetrübten Konjunktur auch die Gewinnerwartungen nach unten korrigiert werden. Daneben gebe es aber auch Aufhellungstendenzen, beispielsweise zeichne sich in Nordamerika ein unterer Wendepunkt ab und damit die Chance, dass sich dort die Daten wieder verbessern."

Bildquellen: istock/Stephen Strathdee, Axel Griesch

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Kommentare zu diesem Artikel

yukonsan schrieb:
12.09.2012 17:33:56

vielleicht die Vergangenheit erklären können, die Zukunft kennen sie nicht. Deshalb bei Experten weghören. erk

Hamtaro schrieb:
12.09.2012 15:43:05

Das Unwort des Jahres: Euro Krise

benharper77 schrieb:
12.09.2012 15:20:47

wieso lachen sie noch?

b.p. schrieb:
12.09.2012 15:13:04

die Richter gekleidet im Kasperlanzug

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