14.08.2012 10:15
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RWE verschärft Sparprogramm

Jobabbau nach Krisenjahr
Deutschlands zweitgrößter Versorger RWE hat sich nach dem Krisenjahr 2011 in den ersten sechs Monaten zumindest operativ verbessert.
Der Energiekonzern RWE verstärkt angesichts des schwierigen Marktumfelds seine Sparbemühungen und streicht 2.400 weitere Stellen. "Die gegenwärtigen Rahmenbedingungen sind alles andere als einfach", sagte der neue RWE-Chef Peter Terium und nannte die zunehmenden Staatseingriffe im Energiesektor, die rückläufige Rendite der Kraftwerke und den sich verschärfenden Wettbewerb im Strom- und Gasvertrieb. Dennoch haben die Essener ihr Ergebnis im ersten Halbjahr nahezu konstant gehalten. Fortschritte gab es bei den verlustbringenden Gaslieferverträgen. Mit der norwegischen Statoil wurden neue Konditionen ausgehandelt.

Beim Konzernumbau sollen verschiedene Kernfunktionen gebündelt werden, möglicherweise werden einzelne Bereiche auch ausgelagert. 2.400 Stellen sollen damit wegfallen. "Diese Personalmaßnahmen sind unumgänglich, wenn wir die Wettbewerbsfähigkeit von RWE erhalten wollen", so Peter Terium.

RWE hatte schon zuvor massive Stellenstreichungen angekündigt. Eine gut informierte Person hatte Dow Jones in der vergangenen Woche von der Streichung von insgesamt 8.900 Jobs in den kommenden Jahren berichtet, etwas mehr als bislang erwartet. 3.000 Stellen gehen dabei durch den Verkauf von Unternehmensteilen verloren, so der Informant. Ursprünglich war RWE von 8.000 Arbeitsplätzen ausgegangen, inklusive der verkauften Geschäftsbereiche.

Einen wichtigen Erfolg kann RWE unterdessen bei der Neuverhandlung der langfristigen Lieferverträge vermelden, die den Konzern wegen ihrer ungünstigen Konditionen stark belasten. Mit der norwegischen Statoil haben sich die Essener auf neue Einkaufsbedingungen geeinigt. Die Entgelte sollen sich nun am Marktpreis orientieren und werden damit vom Ölpreis abgekoppelt. Damit hat RWE bislang mehr als die Hälfte der Gaslieferverträge neu verhandelt. Gespräche laufen derzeit noch mit zwei weiteren Gaslieferanten. Durch die Koppelung des Gas- an den Ölpreis und den deutlichen Rückgang der Marktpreise für Gas muss der Konzern bei seinen Lieferanten mehr Geld für das Gas zahlen als er bei seinen eigenen Großkunden erlöst.

Der größere Konkurrent E.ON ist da schon weiter. Die Düsseldorfer haben jüngst mit Gazprom einen Durchbruch erzielt und damit 100 Prozent aller Gasverträge neu verhandelt. Der Wegfall dieser Belastungen trug dazu bei, dass E.ON am Montag einen kräftigen Gewinnsprung vermelden konnte und den Ausblick für das laufende Jahr anhob.

Auch weitere Konzernbaustellen geht RWE an. So soll der Bereich Stromerzeugung neu aufgestellt werden, um besser auf die Veränderungen im Strommarkt reagieren zu können. Die Steinkohle- und Gaskraftwerke sollen in eine pan-europäische Erzeugungsgesellschaft eingebracht werden. Diese soll in der Rechtsform einer Europäischen Aktiengesellschaft (SE - Societas Europaea) mit Sitz in Deutschland Anfang 2013 an den Start gehen.

Außerdem arbeitet RWE weiter an dem laufenden Divestitionsprogramm im Volumen von 7 Milliarden Euro. Zwar hat sich der Konzern zuletzt von mehreren Beteiligungen und Unternehmensteilen getrennt, kommt damit aber offenbar nicht schnell genug voran. Die ausbleibenden Fortschritte waren Ende Juli ein Grund für die Ratingagentur Standard & Poor's, die Bonität des Konzerns herabzustufen. In der vergangenen Woche hatte Dow Jones berichtet, dass RWE auf zwei Förderkonzessionen in Ägypten sitzen bleibt, die eigentlich einen Milliardenerlös bringen sollten.

Ein Gewinnsprung ist bei RWE im ersten Halbjahr ausgeblieben. Sowohl das Nettoergebnis als auch der vielbeachtete Konzernüberschuss, bei dem Sondereffekte herausgerechnet werden und nach dem sich auch die Dividende bemisst, blieben mit 1,58 bzw 1,67 Milliarden Euro nahezu konstant. Zudem blieb der Gewinn leicht hinter den Erwartungen der von Dow Jones Newswires befragten Analysten zurück.

Auf der operativen Ebene steigerte RWE dagegen das Ergebnis. Grund sind zum einen die niedrige Vergleichsbasis wegen der Belastungen aus dem beschleunigten Atomausstieg, zum anderen die neuen Statoil-Verträge und der verbesserte Energiehandel. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen legte um 9 Prozent auf gut 5 Milliarden Euro zu. Das Betriebsergebnis erreichte 3,64 Milliarden Euro, das ist ebenfalls ein Plus von 9 Prozent. Der Umsatz war mit 27,09 Milliarden Euro leicht rückläufig.

Für das laufende Geschäftsjahr geht RWE weiterhin von einer stabilen Ertragslage aus. Das EBITDA soll das Vorjahresniveau von 8,5 Milliarden Euro erreichen, das Betriebsergebnis mit 5,8 Milliarden Euro so hoch sein wie 2011. Auch das nachhaltige Nettoergebnis wird sich voraussichtlich wie im Vorjahr auf 2,5 Milliarden Euro belaufen.

Kontakt zum Autor: unternehmen.de@dowjones.com DJG/mgo/smh

(END) Dow Jones Newswires August 14, 2012 03:38 ET (07:38 GMT)

Copyright (c) 2012 Dow Jones & Company, Inc.- - 03 38 AM EDT 08-14-12 Von Matthias Goldschmidt

So haben die DAX-Konzerne im 2. Quartal/ 1. Halbjahr abgeschnitten

 

Platz 30: Merck

Der Pharma- und Chemiekonzern Merck hat im zweiten Quartal wegen Millionenbelastungen aus seinem bis 2014 laufenden Sparprogramm erneut rote Zahlen geschrieben. Von April bis Juni fiel ein Verlust von 60,5 Millionen Euro an. Analysten hatten mit einem deutlich geringeren Minus gerechnet.

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