Von der Euphorie vorangegangener Messen ist jedoch wenig zu spüren. Zu groß ist derzeit die Unsicherheit unter den Kunden in den Industrienationen, die aufgrund der konjunkturellen Schwäche Investitionen zurückhalten. Die etwa alle vier Jahre stattfindende Drupa ist das wichtigste Treffen der Druckmaschinenindustrie und bringt allen Herstellern normalerweise einen Auftragsschub - der diesmal wohl ausbleibt.
"Wir sind vorsichtig optimistisch", sagte Heidelberger Druckmaschinen-Vorstandsvorsitzender Bernhard Schreier. Er rechne mit einem Zuwachs bei den Aufträgen. Jedoch dämpfte er hochfliegende Erwartungen. Die Drupa habe "noch nie" in einem so einem schwachen makroökonomischen Umfeld wie dieses Jahr stattgefunden. Die Drupa-Jahre seien früher "Hochjahre" für die Industrie gewesen, mit immer neuen Spitzen bei den Auftragseingängen.
Heidelberger Druck wird Schreier zufolge wieder der größte Aussteller auf der Messe sein. Der Manager sieht dabei die Leistungssschau der Branche auch als Chance, "dass die Zuversicht in unserer Branche wieder zunimmt".
Derzeit halten sich Kunden mit Bestellungen angesichts der unsicheren Lage zurück. Dies lässt sich auch im Ergebnis von Heidelberger Druck erkennen: Umsatz und Auftragseingang waren in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2011/12 (per 31. März) rückläufig, der Konzern häufte einen Verlust von 78 Millionen Euro an - und damit genauso viel wie im Vorjahr. Im dritten Quartal lag der Fehlbetrag bei 14 Millionen Euro.
Das ursprüngliche Ziel, in diesem Geschäftsjahr ein ausgeglichenes Vorsteuerergebnis zu erreichen, haben die Heidelberger längst gekippt. Das Unternehmen strebt lediglich ein verbessertes operatives Ergebnis vor Sondereffekten an.
Das Management hat bereits erneut mit einem Restrukturierungsprogramm reagiert, das zu einem Abbau von weltweit rund 2.000 Stellen führen wird, davon rund 1.200 in Deutschland. Die Gespräche mit dem Betriebsrat über den Abbau liefen derzeit, sagte Schreier, der auf eine zügige Einigung hofft. Bereits 2009 in der ersten Finanzkrise hatte Heidelberger Druck rund 4.500 Arbeitsplätze gestrichen.
Die Kapazitäten sollen nun um 15 Prozent gesenkt werden. Damit hat Heidelberger Druck Schreier zufolge eine gute Ausgangsbasis geschaffen. Die Auslastung der Werke liegt seinen Angaben nach derzeit durchschnittlich bei 75 Prozent.
"Wir wollen absolut auf der sicheren Seite sein", verteidigte Schreier die Einschnitte, die die Profitabilität steigern sollen. "Ich will nicht 2013 dastehen und sagen müssen: Es hat nicht gereicht." Eine weitere Restrukturierung soll es nicht geben müssen. Schreier gab zu, sich 2009 mit Blick auf eine mögliche Erholung der Druckmaschinenbranche verschätzt zu haben.
Mit dem Restrukturierungsprogramm sollen im Geschäftsjahr 2013/14 Einsparungen von rund 180 Millionen Euro realisiert werden. Ein Großteil der Einzelmaßnahmen will das Unternehmen bereits kurzfristig im Kalenderjahr 2012 einleiten und umsetzen. Darüber hinaus beinhaltet das Programm auch mittel- bis langfristige Maßnahmen, um die Organisation an die veränderten Strukturen anzupassen. So will Heidelberger Druck ein operatives Ergebnis von 150 Millionen Euro erreichen.
Der Manager geht für die Branche weiterhin von steigenden Druckvolumina aus. Die Investitionsquote erhole sich dabei im Vergleich dazu nur langsam. Wachstum komme vor allem aus den Schwellenländern wie etwa China.
HEIDELBERG (Dow Jones)