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27.07.2012 12:00

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€uro am Sonntag

NAHRUNGSMITTELINDUSTRIE

Kraft Foods: Kraft der zwei Aktien

Kraft Foods (A) zu myNews hinzufügen Was ist das?



Kraft Foods soll in zwei Teile aufgeteilt werden
Die Aufspaltung des Lebensmittelgiganten Kraft Foods in zwei Teile steht in wenigen Wochen bevor. Anleger erhalten eine Value- und eine Wachstumsaktie.

von Tim Schäfer, Euro am Sonntag

Seit ihrem Amtsantritt vor sechs Jahren krempelt Vorstandschefin Irene Rosenfeld den altehrwürdigen Kraft-Foods-Konzern kräftig um. Für einen Paukenschlag sorgte sie im Dezember 2011, als sie ankündigte, das Lebensmittelimperium mit seinen 126.000 Mitarbeitern in 170 Ländern in zwei börsennotierte Unternehmen aufzuspalten.

Den Namen Kraft Foods behält die nordamerikanische Supermarkt-Zulieferersparte mit dem Fleischproduzenten Oscar Mayer und dem Kaffeeröster Maxwell House an der Spitze. Das global agierende Snack-Segment heißt künftig Mondelez International. Nach Informationen von €uro am Sonntag soll die Aufspaltung zügig über die Bühne gehen, vermutlich schon innerhalb der nächsten vier Wochen.

Rosenfeld wird die Leitung von Mondelez mit einem Umsatz von 35 Milliarden US-Dollar übernehmen. Der Präsident von Kraft Foods North America, Anthony Vernon, rückt an die Spitze der traditionsreichen US-Lebensmittelsparte mit 19 Milliarden Dollar Umsatz. In Relation zum Umsatz werden die Schulden in Höhe von rund 26 Milliarden Dollar auf beide Einheiten aufgeteilt.

Attraktive Dividende
Der nordamerikanische Lebensmittelbereich soll Investoren als Value-Wert mit einer attraktiven Dividende schmackhaft gemacht werden. Das Basisgeschäft besteht aus Käse, Fertiggerichten und Getränken. Mondelez setzt vor allem auf Schokolade, Kekse, Kaugummi und Süßigkeiten. Der Rest entfällt auf Getränkepulver sowie Kaffee außerhalb der USA. Mondelez soll an der Wall Street als reinrassiger Wachstumswert vermarktet werden. 44 Prozent der Einnahmen entfallen auf Schwellenländer. Europa und Nordamerika stehen für 37 beziehungsweise 19 Prozent des Umsatzes.

Die ehemalige Pepsi-Managerin Rosenfeld lässt keinen Stein auf dem anderen. Sie revitalisiert angestaubte Marken, ändert Rezepturen, reduziert Zucker, Fett und Kalorien, investiert Millionen in die Werbung, holt neue Talente an Bord. Hauptsächlich aber fördert sie die bedeutendsten Marken. Insbesondere die zwölf Mega-Brands wie Milka oder Philadelphia, die jeweils mehr als eine Milliarde Dollar einspielen, sorgen für stetiges Wachstum.

2009 hatte Rosenfeld für die erste Überraschung gesorgt, als sie bekannt gab, den britischen Süßwarenhersteller Cadbury für 19 Milliarden Dollar zu schlucken. Warren Buffett kritisierte den Deal damals als „Dummheit“. Der Preis sei viel zu hoch, giftete der Kraft-Großaktionär. Doch die Managerin zog die Übernahme durch. Sie verfolgte das Ziel, durch Cadbury Zugriff auf das rasant wachsende Geschäft mit Kaugummis, Biskuits und Schokolade zu erhalten. Ferner gefielen ihr die Absatzkanäle über Kioske, Tankstellen und Tante-Emma-Läden.

Buffett war über den Zukauf derart verärgert, dass er sein Kraft-Aktienpaket auf unter fünf Prozent reduzierte. Mittlerweile aber soll er sich mit Rosenfeld versöhnt haben. Zumindest stimmte der Milliardär der Aufspaltung von Kraft zu.

Solides Kriseninvestment
Andere Investoren loben indes die enorme Stabilität. Das Papier gilt als ideal für Krisenzeiten. Milliarden von Menschen essen mindestens dreimal täglich. Hinzu kommt, dass Rosenfeld die Kosten kürzt, wo sie kann. Die Zusammenlegung von Kraft und Cadbury führte zu jährlichen Einsparungen von 750 Millionen Dollar. Der New York Stock Exchange kehrte sie den Rücken und ließ die Aktie stattdessen an der Nasdaq listen, die geringere Gebühren kassiert. Zudem handelte das Führungsteam einen Spezialvertrag mit der Wachstumsbörse aus. Nun darf Kraft auf den begehrten Billboards der Nasdaq am Times Square werben. Überall dort, wo Rosenfeld einen eher gemächlichen Geschäftsverlauf erwartet, steigt sie aus. Wachstum ist ihr oberstes Ziel. An Cadbury begeisterte sie die Präsenz in aufstrebenden Märkten wie Brasilien oder Indien. Die fantasielose Tiefkühlpizza-Sparte verkaufte sie an Nestlé.

Allein durch das Bevölkerungswachstum legt das Brot- und Buttergeschäft beider Sparten Jahr für Jahr zu. Beflügelt wird das Wachstum durch neue Produkte wie Stride-Kaugummis, die Rosenfeld selbst mag. Mit solchen Neuheiten lassen sich saftige Margen erzielen, weil die Konsumenten zunächst neugierig sind und deshalb nicht auf jeden Cent achten. Die Umbauarbeiten haben sich für Irene Rosenfeld ausgezahlt. Längst ist sie eine der mächtigsten Managerinnen der Welt.

Investor-Info

Aktie
Stabiles Geschäftsmodell

1903 gründete der Käsehändler James Kraft das Unternehmen, das sich im Lauf der Jahrzehnte zum größten Lebensmittelkonzern der USA entwickelte. Von 1988 bis 2007 gehörte das Unternehmen zum Tabakkonzern Philip Morris, wurde dann aber wieder ausgegliedert, um der Mithaftung für eventuelle Raucherklagen zu entgehen. Das stabile Geschäftsmodell macht die Aktie zum idealen Investment für turbulente Börsenzeiten. Über 40 Marken im Portfolio haben bereits eine Tradition von 100 Jahren oder mehr. 2011 gingen 54 Milliarden Dollar Umsatz durch die Bücher. Die Nettoumsatzrendite beträgt 6,5 Prozent und lässt Raum für Verbesserungen. Die Dividendenrendite von 2,9 Prozent und die anstehende Aufspaltung locken zum Einstieg. Das KGV ist mit knapp 20 nicht billig, aber gerechtfertigt.

Zertifikate
Mit Bonus und Puffer

Wem ein direktes Investment in die Aktie zu riskant ist, der kann auf Bonus- und Discountzertifikate zurückgreifen. Die Schweizer Bank Vontobel offeriert eine ganze Reihe dieser Produkte.
Bonuszertifikate bieten einen Sicherheitspuffer, der vor Kursrückgängen der Aktie schützt. Im Gegenzug erhalten Anleger keine Dividende. Zudem sind fast alle Bonusprodukte auf Kraft Foods mit einem Cap ausgestattet, die maximale Gewinnchance ist also begrenzt. Dafür ist der Puffer größer. Aus unserer Sicht ist beispielsweise das Bonus-Cap-Zertifikat mit der ISIN DE 000 VT4 9XS 2 interessant. Die Barriere liegt bei 32,75 Dollar, aktuell steht die Aktie bei etwa 40 Dollar. Der Puffer beträgt also fast 19 Prozent. Solange die Aktie nicht auf das Sicherheitsniveau sinkt, erhalten Anleger am Ende der Laufzeit im September nächsten Jahres eine garantierte (Bonus-)Zahlung, die einem Kurs der Kraft-Aktie von 44 Dollar entspricht. Die Rendite liegt damit bei 7,3 Prozent. Setzt der Dollar seinen Aufwärtstrend gegenüber dem Euro fort, steigt die Gewinnchance, denn das Zertifikat ist nicht währungsgesichert.
Interessant sind — zumindest theoretisch — auch Discountzertifikate. Hier kaufen Anleger eine Aktie quasi mit einem Rabatt, auf der anderen Seite ist die Gewinnchance ebenfalls begrenzt. Problem im Fall Kraft Foods: Die Aktie ist relativ schwankungsarm. Da die Höhe der Volatilität aber ein wichtiger Faktor bei der Ausgestaltung von Discountzertifikaten ist, sind die Konditionen der Kraft-Discounter relativ unattraktiv. Wie ziehen deshalb die Cap-Bonuspapiere auf Kraft den Discountern vor.

Hebelprodukte
Mit Risiko mehr Rendite

Spekulativere Naturen greifen zu Hebelprodukten, um ihre Gewinnchance zu erhöhen. Anders als bei Discountern wirkt sich eine niedrige Schwankungsstärke der Aktie positiv auf Optionsscheine aus. Sie sind also relativ günstig. Wer auf Knock-out-Papiere mit endloser Laufzeit zurückgreifen will, findet ebenfalls interessante Papiere. So hat der K.-o.-Call mit K.o.-Schwelle bei 32,03 Dollar (Abstand 20, 6 Prozent) einen Hebel von 4,2 (DE 000 CK4 LLC 5).

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