von Lars Winter, €uro am Sonntag
Mit einem Paukenschlag ist das IT-Systemhaus Datagroup ins neue Jahr gestartet. Die in Pliezhausen bei Stuttgart ansässige Firma übernahm jüngst den IT-Dienstleister Consinto und verschafft sich damit Zugang zum lukrativen Markt mit SAP-Dienstleistungen und Individual Software. 2011 erwirtschaftete der SAP-Spezialist einen Umsatz von rund 50 Millionen Euro. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) lag ebenfalls im zweistelligen Millionenbereich.
17 Millionen Euro in bar und eine Erfolgsprämie von geschätzt rund sechs Millionen Euro müssen die Schwaben für Consinto berappen. Das ist günstig. Der Kaufpreis entspricht weniger als einem halben Jahresumsatz und knapp dem zweifachen Jahresgewinn der Gesellschaft. Obendrein ergänzt Consinto das Geschäft von Datagroup gut.
Die Neuerwerbung bietet IT-Dienstleistungen für mittelständische Kunden und berät diese vor allem in Fragen rund um Software von SAP. Von den rund 350 Mitarbeitern, die Consinto hierzulande an neun Standorten beschäftigt, sind 120 SAP-Berater. Die sollen den Baden-Württembergern nun helfen, auch im kleineren Mittelstandssegment Fuß zu fassen. Bislang fokussierte sich Datagroup auf Unternehmen mit 50 bis 2.000 IT-Arbeitsplätzen. Nun hat die Firma Kunden mit fünf bis 49 IT-Plätzen im Visier. Das Marktpotenzial in diesem Größenbereich ist riesig. Allein in Deutschland gibt es rund 400.000 Unternehmen in dieser Zielgruppe.
Kassenschlager Cloud
Zum Kassenschlager soll sich dabei das neue Produkt Dataflat entwickeln. Über das Cloud-Service-Produkt stellt Datagroup Unternehmen für eine monatliche Gebühr von 99 Euro einen vollwertigen IT-Arbeitsplatz zur Verfügung: Kunden erhalten PC oder Laptop, Drucker und mehrere Gigabyte Speicherplatz im Rechenzentrum von Datagroup. Bei Bedarf steht eine 24-Stunden-Hotline für Ratschläge zur Verfügung.
Datagroup-Chef Max Schaber will den Cloud-Service über ein Franchise-System flächendeckend in Deutschland etablieren. Ein Prozent der bundesweiten Mittelstandszielgruppe, also gut 4.000 Firmen, will Schaber in den kommenden drei Jahren als Neukunden für Dataflat gewinnen. Geht die Rechnung des Firmenchefs auf, könnte sein Unternehmen bei zehn durchschnittlichen IT-Arbeitsplätzen pro Kunde im genannten Zeitraum 40.000 IT-Arbeitsplätze mit dem Cloud-Dienst vernetzen und so einen zusätzlichen Umsatz von fast 50 Millionen Euro eintüten.
Gewinnsprung erwartet
Der operative Aufschwung könnte sich also nahtlos fortsetzen. Schon im abgelaufenen Geschäftsjahr 2010/2011 (per 30. September) lief es rund. Der Umsatz legte um ein Drittel auf 107 Millionen Euro zu, beim Ebitda erreichte die Gesellschaft mit rund sieben Millionen Euro (im Vorjahr: 6,2 Millionen) ebenfalls einen neuen Rekordwert.
Da das neue Cloud-Produkt mit Margen von 20 Prozent besonders profitabel ist, dürfte sich künftig vor allem das Gewinnwachstum sehr dynamisch entwickeln. Schon für das laufende Jahr traut Andreas Wolf, Analyst bei Warburg Research, dem Unternehmen einen Gewinnsprung von 67 auf 84 Cent je Aktie zu. Im kommenden Jahr könnte die Firma gar die Marke von einem Euro beim Nettogewinn knacken.
Günstige Bewertung
Kann Datagroup die Wachstumsprognosen erfüllen, wäre die Aktie mit einem Sechser-KGV nach wie vor sehr attraktiv bewertet. Obendrein könnten positive Nachrichten dem Nebenwert trotz des jüngsten Kursanstiegs weiteren Schub verleihen. Gerüchten zufolge sollen bereits zeitnah lukrative Neuaufträge für ordentlich Schwung im Orderbuch sorgen. Spekulativ kaufen.
Investor-Info
Datagroup
Fantasie durch Cloud-Dienste
Der IT-Dienstleister will sein Wachstum in den kommenden Jahren durch margenträchtige Cloud-Dienste deutlich forcieren. Durch die Übernahme des SAP-Spezialisten Consinto wollen die Schwaben ihren potenziellen Kassenschlager Dataflat einer neuen Zielgruppe offerieren. Auf diese Weise könnten sie Umsatz und Gewinn spürbar ankurbeln. Der günstig bewertete Small Cap hat Potenzial. Spekulative Anleger greifen zu.
Kursziel: 8,50 Euro
Stopp: 4,80 Euro
Bildquellen: Datagroup