von Georg Pröbstl, Euro am Sonntag
Die Analystenkonferenz in München hatte es in sich: Um zehn Prozent legten Softline und SAG Solarstrom nach der Veranstaltung Mitte März an nur einem einzigen Tag zu. Der Kurs von Going Public Media kletterte nach dem Termin sechs Wochen lang um bis zu 20 Prozent. Zum Überflieger wurde allerdings Artec Technologies. In nur vier Wochen nach der Präsentation vor Analysten verdoppelte sich der Kurs des Softwareunternehmens. Vier der sechs Firmen, die sich damals auf der M:access-Analystenkonferenz der Bayerischen Börse vorstellten, schafften damit schon kurzfristig eine klare Outperformance zum Markt.
Auf den Analystenkonferenzen des Börsensegments M:access präsentieren sich nicht selten Firmen überhaupt zum ersten Mal. „Viele Anleger und Analysten werden erst dadurch auf das eine oder andere Unternehmen aufmerksam“, sagt Manuel Hölzle, Chef des Augsburger Researchhauses GBC. Tatsächlich mausert sich dieses Segment der Bayerischen Börse langsam, aber sicher zu einer wichtigen Plattform für mittelständische Unternehmen. Denn obwohl der M:access bereits 2005 gegründet wurde, kam von den aktuell 34 Mitgliedern die Hälfte erst seit Anfang 2009 neu in das Segment. Ende März waren das beispielsweise mit der Baader Bank und Mensch und Maschine sogar zwei für Nebenwerteanleger gute alte Bekannte.
„Die Anforderungen im regulierten Markt, dem Prime und General Standard, sind vielen Firmen zu hoch. Sie wechseln deshalb in ein Segment im Freiverkehr wie den M:access“, berichtet Hölzle. Tatsächlich sind die bürokratischen Vorschriften wesentlich weniger rigide. „Es sind keine Meldungen zu Director Dealings erforderlich, es gibt keine Meldeschwellen, und es sind auch keine Quartalsberichte oder die Rechnungslegung nach internationalen Standard IFRS vorgeschrieben“, berichtet Markus Erdmann, Börsenexperte der VEM Aktienbank.
Die Kosten sinken wegen der nicht ganz so strengen Vorschriften zum Teil deutlich. Bei Mensch und Maschine etwa sollen die Einsparungen durch den Wechsel in den M:access bei etwa einer Million Euro im Jahr liegen. „Viele Firmen schütten die infolge des Segmentwechsels gesparten Kosten dann lieber über eine höhere Dividende an ihre Aktionäre aus“, weiß Analyst Hölzle.

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Da derzeit einige Firmen den vergleichsweise teuren regulierten Markt verlassen, ist ein weiterer Run auf den M:access zu erwarten. „Wir gehen davon aus, dass die Zahl der dort gelisteten Unternehmen dort in diesem Jahr noch auf 40 bis 50 steigen wird“, sagt Hölzle. Mit der wachsenden Mitgliederzahl dürften auch immer mehr Anleger auf das Segment blicken. Und Investoren. „Steigt die Zahl der Unternehmen im Segment weiter, dann wird es langsam interessant, darauf einen Index zu bilden“, erklärt der Analyst. Das dürfte dann unter anderem Nebenwertefonds anlocken, die Fonds auf den neuen Index auflegen. Wachsendes Interesse und steigende Kurse im M:access sind dann wahrscheinlich.
Für Investoren ist der M:access auf jeden Fall attraktiv. Denn trotz der eingeschränkten Berichtspflichten ist die Transparenz hoch. So müssen sich die Mitglieder, anders etwa als die rund 330 Firmen im General oder Entry Standard, mindestens einmal im Jahr vor Analysten präsentieren. Auch die Teilnahme an Investorenkonferenzen ist erwünscht.
Da diese Veranstaltungen offensichtlich Beachtung finden, sollten sich Anleger den 22. Juli vormerken. An dem Tag findet die nächste M:access-Konferenz statt. Möglicherweise kann dann zum Beispiel auch die Textilgruppe Hof, die dort präsentiert, die Analysten überzeugen. Immerhin notiert die Aktie 50 Prozent unter Buchwert.
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Bildquellen: Bayerische Börse AG