von Lars Winter, Euro am Sonntag
Kleine Aktien stehen bei Anlegern hoch im Kurs. Viele Titel aus dem Small- und Mid-Cap-Bereich machten deshalb in den vergangenen Monaten schon kräftige Kurssprünge. Um noch aussichtsreiche Titel zu finden, müssen Neueinsteiger bei ihrer Auswahl nun genauer hinsehen. Gelegenheit dazu gab es dieser Tage in Frankfurt.
Auf der Small- und Mid-Cap-Konferenz des Bankhauses Close Brothers Seydler präsentierten sich an zwei Tagen über 60 kleinere und mittelgroße Unternehmen. Auch die Redaktion von €uro am Sonntag war vor Ort, um Vorständen auf den Zahn zu fühlen und sich am Rand der Veranstaltung in Gesprächen mit Vermögensverwaltern und Investoren einen Überblick über aussichtsreiche Investments im deutschen Nebenwertesegment zu verschaffen.
Eine gute Figur machte auf einer der zahlreichen Präsentationen in den Räumen der Industrie- und Handelskammer (IHK) David Frink. Der Vorstand des Bekleidungsunternehmens Gerry Weber erläuterte anschaulich die Strategie des SDAX-Highflyers und stellte im bis auf den letzten Platz besetzten Raum „Frankfurt“ für das laufende Geschäftsjahr erneut hohes Wachstum in Aussicht. So soll sich der Umsatz von aktuell rund 621 Millionen Euro auf gut 690 Millionen Euro erhöhen, die Ergebnismarge mit 14 Prozent erneut zweistellig ausfallen. Die optimistische Prognose verfehlte ihre Wirkung nicht. Die Aktie schnellte bereits während der Präsentation nach oben und gehörte am Mittwochabend mit einem Plus von über vier Prozent zu den gefragtesten SDAX-Titeln. Gelingt der Aktie nun auch noch der Sprung über das Allzeithoch bei 37,53 Euro, sind unserer Meinung nach kurzfristig Kurse von über 40 Euro drin.
Kräftig nach oben ging es nach der Investorenkonferenz auch mit der Aktie der Messtechnikfirma Analytik Jena. Das Management überzeugte ebenfalls mit einer gelungenen Präsentation und einem positiven Ausblick auf das laufende Jahr. Der Umsatz soll laut Finanzchef Stefan Döhmen zweistellig zulegen, die Bruttomarge weiter anziehen. Basis für den Optimismus ist die hervorragende Auftragslage, die schon einen erfolgreichen Jahresauftakt ermöglichte. Bereits im ersten Quartal (per 30.9.) legte der Umsatz um zehn, das Ergebnis gar um 15 Prozent zu. Die endgültigen Zahlen präsentieren die Thüringer am 10. Februar.
Just an diesem Tag legt der Halbleiterspezialist Süss Microtec die vorläufigen Zahlen für 2010 vor. Die Firma erwartet bei einem Umsatz von 140 Millionen Euro ein Ergebnis zwischen elf und 13 Millionen Euro. „Wir liegen mit unserer Prognose im Plan“, sagte Vorstandschef Frank P. Averdung im Gespräch mit €uro am Sonntag. Auch Averdung präsentierte seine Zahlen auf der Nebenwertekonferenz und verbreitete angesichts der vollen Auftragsbücher des Unternehmens und des anhaltenden Aufschwungs in der Chipindustrie positive Stimmung für die kommenden Monate. Mehr Aufmerksamkeit erhofft sich der Firmenlenker von einem nahenden Aufstieg in den TecDAX: „Die Chancen für ein Aufrücken im März sind sehr hoch.“

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Eine spannende Story hat der Handysoftwarehersteller Bob Mobile zu bieten. Die Firma verlagert ihr Geschäftmodell zunehmend auf den zukunftsträchtigen Onlinespielebereich. Da die Geschäfte gut laufen, sollten mittelfristig Bewertungslücken zu Konkurrenten aus der Spielebranche, etwa Frogster, geschlossen werden. Angesichts der spannenden Unternehmensstory war das Interesse an der Präsentation von Firmenchef Remco Westermann groß. Der Niederländer kündigte für das laufende Geschäftsjahr eine Umsatzsteigerung im zweistelligen Prozentbereich an. Auch das operative Ergebnis soll trotz hoher Investitionen in Wachstum und Internationalisierung zulegen.
Enttäuschungen gab es auf der Small- und Mid-Cap-Konferenz allerdings auch. Für Ernüchterung sorgte etwa die Präsentation von Softline-Vorstand Christoph Harvey, der während seiner Rede die Planzahlen für 2010 und 2011 deutlich nach unten korrigierte und damit unter den anwesenden Investoren für großen Unmut sorgte. Die Reaktion der Börsianer folgte auf dem Fuß: Die IT-Aktie knickte zweistellig ein.
Investor-Info
Analytik Jena
Ende des Dornröschenschlafs
Das Papier des Messtechnikherstellers Analytik Jena ist offensichtlich aus dem Dornröschenschlaf erwacht. Nach einer guten Firmenpräsentation auf der Close-Brothers-Seydler-Konferenz und einem optimistischen Ausblick auf das laufende Jahr griffen die ersten Anleger zu. Das Papier sieht nun charttechnisch sehr aussichtsreich aus: Nimmt der Titel nachhaltig die Hürde über den Widerstand bei 9,50 Euro, könnte die Aktie zügig in Richtung Jahreshoch bei elf Euro laufen. Aufspringen.(law)
Bob Mobile
Spielesparte bringt Fantasie
Der Handysoftwarespezialist mausert sich mehr und mehr zum Spieleanbieter. Nach dem Erfolg des Onlinespiels „War2Glory“, für das sich bereits über 400 000 Spieler registriert haben, will Firmenchef Remco Westermann 2011 noch fünf weitere Titel auf den Markt bringen. Ende 2011 könnte Bob Mobile so bis zu vier Millionen registrierte Nutzer erreichen, was allein einen zweistelligen Millionenumsatz mit sich bringen würde. Die Aktie hat noch Luft nach oben. Spekulativ kaufen.(law)
Gerry Weber
MDAX-Notierung im Visier
Der Bekleidungshersteller will 2011 das Wachstum forcieren und dafür sein Filialnetz ausbauen sowie die Internationalisierung vorantreiben. Vor allem der Markteintritt in die Türkei steht laut Vorstand David Frink ganz oben auf der Agenda. Auch die USA sollen mittelfristig über Partner erobert werden. Im Herbst winkt Gerry Weber zudem womöglich der Aufstieg in den MDAX. Der könnte der Aktie nochmals Schub geben. Kaufen.(law)
Süss Microtec
TecDAX-Aufstieg so gut wie sicher
Der Halbleiterspezialist Süss Microtec dürfte mit hoher Wahrscheinlichkeit bereits im März in den TecDAX aufsteigen. Am 3. März fällt der Arbeitskreis Aktienindizes der Deutschen Börse die Entscheidung anhand der beiden Kriterien Börsenumsatz und Marktkapitalisierung. Schon in der Rangliste per Ende Januar erfüllte die Aktie beide Aufstiegskriterien. Der Einzug in den TecDAX dürfte das Papier weiter antreiben. Einsteigen. (law)
Bildquellen: Julian Mezger