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aktualisiert: 06.06.2012 13:35

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Small- und MidCaps: Mit der zweiten Reihe ganz vorn

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Christoph Gebert, Warburg Invest
Viele Anleger lassen deutsche Small- und MidCaps links liegen. Denn der historische Vergleich zeigt, dass sich der heimische Mittelstand in Aufschwungphasen deutlich besser entwickelt, als die Bluechips.

Christoph Gebert, Gastautor von Euro am Sonntag

Haben Sie schon einmal eine Turbomolekularpumpe gesehen? Wahrscheinlich nicht. Auf den ersten Blick sieht sie aus wie ein metallenes Einmachglas, das oben und unten ein paar Kabel- und Schlauchanschlüsse hat. Zugegeben, so eine Maschine steht nicht in jedem Haushalt. Aber Halbleiterproduzenten und Medizintechnikunternehmen kommen kaum ohne dieses Hochleistungswerkzeug aus. Oft ist es „made in Germany“ und kommt aus dem hessischen Aßlar von Pfeiffer Vacuum. Ach, der Pfeiffer mit drei „f“, werden Sie jetzt vielleicht sagen. Die Assoziation zur „Feuerzangenbowle“ fällt so manchem noch ein zu dem Unternehmensnamen, mehr aber meist nicht.

Dabei ist Pfeiffer Weltmarktführer in seinem — sicherlich speziellen — Bereich, war eines der ersten Unternehmen am Neuen Markt und hat seinen Aktionären der ersten Stunde allen Internetcrashs und Finanzkrisen zum Trotz in den vergangenen Jahren hohe Dividenden und ­einen ordentlichen Wertzuwachs beschert.

Warum also haben viele Anleger die Aktie nicht auf ihrem Radar? In vielen Fällen, weil sie sich auf die großen, bekannten Standardtitel konzentrieren. Angesichts Tausender Unternehmen, die an der Börse zur Auswahl stehen, eine nachvollziehbare Entscheidung — allerdings eine, die Geld kosten kann. Denn Anleger, die nur Bluechips ins Depot nehmen, lassen etwa 90 Prozent der europäischen und 95 Prozent der deutschen börsennotierten Unternehmen — und damit die besten Investmentchancen — links liegen.

MDAX und SDAX sind deutlich
besser gelaufen als der DAX

Denn viele Studien belegen: Small- und Mid Caps entwickeln sich gerade in wirtschaft­lichen Erholungsphasen besser als die großen Standardtitel. Ein Investment in den deutschen Mid-Cap-Index MDAX Anfang 2009, also auf dem Höhepunkt der Finanzkrise, hat sich bis Ende April dieses Jahres ziemlich ­genau verdoppelt. Wenig kleiner fällt das Plus mit rund 95 Prozent beim SDAX mit 50 kleineren Unternehmen aus. Dagegen hat der große Bruder DAX im gleichen Zeitraum „nur“ knapp 47 Prozent geschafft. Auch im Langfristvergleich sitzen die Anleger mit der „zweiten Reihe“ meist auf dem ersten Platz. So hat zum Beispiel der MDAX den DAX seit 2000 in zehn von elf Jahren übertroffen.

Small- und Mid Caps bieten Anlegern aber nicht nur höhere Renditechancen, sie sichern das Depot auch besser gegen Börsenturbulenzen ab. Denn das Portfolio ist breiter diversifiziert. Sowohl die Rendite- als auch die Risikokennziffern eines gemischten Portfolios aus Bundesanleihen und DAX-Aktien verbessern sich historischen Simulationsrechnungen zufolge mitunter deutlich, wenn Small- und Mid Caps beigemischt werden.

Viele kleinere und mittlere Unternehmen überzeugen vor allem in puncto Finanzkraft. Legt man für Europa Ranglisten jeweils nach Rentabilität, Profitabilität und Verschuldung an, so sind acht von zehn Unternehmen, die auf den Spitzenplätzen landen, Small- oder Mid Caps. Entscheidende Basis für diesen Erfolg: ein nachhaltig funktionierendes und bewährtes Geschäftsmodell. Meist geht dabei eine Spezialisierung auf ausgesuchte Produkte oder Dienstleistungen einher mit der Fokussierung auf eine oder mehrere Marktnischen.

Beispiel: Gerry Weber — mit über 520 eigenen Filialen und 2.300 Shopflächen eines der erfolgreichsten Modeunternehmen Deutschlands. Das Erfolgskonzept: Die Konzentration auf Damenkollektionen im mittleren Preissegment. So differenziert sich Gerry Weber von Wettbewerbern. Ein weiterer Erfolgsfaktor vieler Small- und Mid Caps: Das Denken des Managements wird nicht von Quartalszahlen bestimmt. Es verfolgt oft langfristige Strategien, die konsequent umgesetzt werden. Nicht selten hält der Eigentümer oder ein Vertreter der Eigentümerfamilie noch selbst die Fäden in der Hand.

Wer mit Nebenwerten Erfolg haben will, muss allerdings solche unternehmensspezifischen Faktoren genau analysieren. Viele ­institutionelle Anleger und Analysten können den damit verbundenen hohen Aufwand nicht leisten, weil sie bereits damit beschäftigt sind, die Standardtitel und globale Branchenentwicklungen im Auge zu behalten. Folge: Nebenwerte werden regelmäßig unterbewertet, weil die großen Player diesen Anlagekosmos kaum wahrnehmen. Davon profitieren Anleger, die Geduld mitbringen und sich langfristig strategisch positionieren. Eine wichtige Frage bei der Aktienauswahl ist also, wie sich ein Unternehmen langfristig in „seinem“ Markt positionieren will.

Die Gewinner von morgen werden vor allem diejenigen Unternehmen sein, die in der Lage sind, weiterhin innovative Produkte und Techniken an den Markt zu bringen und die einen hohen Geschäftsanteil an den Schwellenländern haben. Während die Märkte in den Industrienationen weitgehend gesättigt sind, versprechen die Emerging Markets in Asien, Lateinamerika und Afrika hohes Wachstum.

Ein Beispiel für ein Unternehmen, das diese Chancen wahrnimmt, ist Gea — einer der größten Systemanbieter für die Erzeugung von Nahrungsmitteln und Energie, der 2011 über fünf Milliarden Euro Umsatz gemacht hat. Der Konzern hat ein breit gefächertes Produktportfolio, ist Weltmarktführer bei ­industriellen Wärmetauschern, kann aber ­genauso gut Kältetechnik und bietet Komplettlösungen für die Pharma- und Nahrungsmittelbranche. 40 Prozent seiner Umsätze ­erzielt Gea bereits in den Schwellenländern. Mit der Aktie profitieren die Anleger also ganz direkt von den Chancen, die die Emerging Markets bieten. Einer Studie der KfW-Bankengruppe aus dem vergangenen Jahr zufolge ist bereits jedes zweite deutsche mittelstän­dische Unternehmen im Ausland aktiv und erzielt im Schnitt ein Viertel seines Umsatzes mit dem Export seiner Produkte.

Analyse kleiner Unternehmen
benötigt großen Aufwand

Der große, unübersichtliche Anlagekosmos der Small- und Mid Caps macht es allerdings schwierig für Investoren, die chancenreichsten Titel auszuwählen. Ein konsistenter, analytisch orientierter Investmentansatz ist die Voraussetzung, um in diesem Segment Erfolg zu haben. Dazu gehört eine eingehende Analyse des Geschäftsmodells ebenso wie der Qualität des Managements. Ein genauer Blick gilt auch der Unternehmensbewertung und den einschlägigen Bilanz- und Erfolgskennzahlen. Peer-Group-Analysen, Discounted-Cashflow- und Enterprise-Value-Modelle sind unabdingbare Hilfsmittel. Dazu kommen ein laufendes Risikomanagement in Form etwa einer täglichen Performancekontrolle, der Einsatz von Stop-Loss-Limits und regelmäßige Unternehmensbesuche.

Für private Anleger ist dies zugegebenermaßen mit hohem Aufwand verbunden. Fondskonzepte bieten hier aller Erfahrung nach deutliche Vorteile und bieten zusätz­lichen Mehrwert — etwa dadurch, dass sie das Kapital auf viele verschiedene Titel und Branchen breit streuen und das Anlagerisiko dadurch zusätzlich senken.

zur Person:

Christoph Gebert,
Fondsmanager bei Warburg Invest

Gebert hat Wirtschafts­wissenschaften studiert. Der Diplom-Kaufmann ist auch Certified EFFAS ­Financial Analyst und Chartered Financial Analyst und hat zehn Jahre Erfahrung im Aktienfonds­management für europäische Small- und Mid Caps.
Die 1987 gegründete Warburg Invest mit Sitz in Hamburg ist eine hundertprozentige Tochter von M.M. Warburg & Co. Als Portfoliomanagement- Gesellschaft der Warburg-Gruppe ist sie für das Management von in Deutschland aufge­legten Publikums- und Spezialfonds zuständig und verwaltet ein Kunden­vermögen in Höhe von 13,4 Milliarden Euro.

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