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23.07.2010 12:30

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NEBENWERTE

Wo 2011 die höchsten Dividenden locken

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Das Reinvestieren der Ausschüttungen bringt auf lange Sicht einen Renditekick
Dividenden sind ein Zeichen von Stärke. So sind für 2010 bei vielen Unternehmen Dividendensprünge zu erwarten. Dabei dürften besonders Nebenwerte gut abschneiden.

von Georg Pröbstl, Euro am Sonntag

Die Ad-hoc-Meldung war ein Knaller. Am 9. Juni veröffentlichte Leifheit eine Pressemitteilung der besonderen Art. Wegen hoher Veräußerungsgewinne aus dem Verkauf der Badmarke Spirella wurden den Aktionären für die am selben Tag bevorstehende Hauptversammlung nicht nur 60 Cent Dividende je Aktie in Aussicht gestellt wie ursprünglich erwartet, sondern gleichzeitig ein zusätzlicher Bonus von weiteren 2,40 Euro je Anteilsschein.

Drei Euro Ausschüttung, das war bei einem Kurs von 17 Euro eine Dividendenrendite von 17,6 Prozent. War. Denn nach Ankündigung des Dividendenregens schoss die Aktie des Herstellers von Haushaltsgeräten nach oben und verbuchte ein Tagesplus von rund 13 Prozent.

Noch höhere Tagesgewinne sind jederzeit drin. Bei Bob Mobile, einem Anbieter von mobilen Mehrwertdiensten für Handys, stellte Firmenchef Remco Westermann vor einem Jahr eine Dividende von einem Euro je Aktie in Aussicht. Völlig überraschend. Denn die Aktie stand damals nur bei 3,72 Euro. Angesichts einer Dividendenrendite von 26,9 Prozent war es kein Wunder, dass sich der Kurs bereits nach zehn Tagen annähernd verdoppelt hatte.

Zwei Beispiele, eine Erkenntnis: Unerwartete Dividendensprünge schieben den Kurs der jeweiligen Aktie meist weit nach oben. Für Anleger ist es also gut, zu wissen, wo ein kräftiges Plus bei der Ausschüttung bevorstehen könnte. „Dividenden sind ein Zeichen von Stärke. Wird die Ausschüttung erhöht oder erstmalig eine Dividende gezahlt, sig­nalisiert das den Anlegern die Zuversicht des Managements für die künftige Entwicklung des Unternehmens“, erklärt Georg Geiger, Fondsmanager des Value Holdings Capital Partners Fund.

Das leuchtet ein: Mit hohen Zahlungen zeigen Firmen, dass sie nicht mehr den gesamten Gewinn für schlechte Zeiten zurücklegen oder noch in die Entwicklung ihrer Produkte stecken müssen. „Vor allem Firmen mit einem bewährten Geschäftsmodell schütten hohe Dividenden aus“, weiß der Börsianer.

Schöne Aussichten

Dividendenjäger erwarten nun sogar ein Eldorado. „Für das Geschäftsjahr 2010 ist mit vielen Dividenden­überraschungen zu rechnen“, vermutet etwa Christian Muschick, Analyst bei Sylvia Quandt Research.

Ganz besonders dürfte das auf Nebenwerte zutreffen. Denn vor allelm kleine Firmen werden von Analysten und Investoren oft nicht regelmäßig gescannt. Schätzungen sind dementsprechend häufig alt oder ungenau, das Überraschungs- und Kurs­potenzial sind aber umso größer. Eine Studie des US-Researchhauses Ned Davis belegt zudem: Die Aktien von US-Small-Caps ließen in den 13 Rezessionen zwischen 1927 und 2003 Bluechips bei der Performance alt aussehen. Denn während die Aktien von kleinen Unternehmen in den drei Jahren nach US-Wirtschaftskrisen im Durchschnitt um 89 Prozent kletterten, zog es die großen Standardwerte nur um 52 Prozent nach oben. „Kleine Firmen sind oft flexibler, können schneller restrukturieren und so besser auf Krisen reagieren“, sagt Fondsmanager Geiger.

Folge: Die früheren Margen aus Vorkrisenzeiten werden schneller wieder erreicht oder sogar noch übertroffen. Und damit ist auch wieder genug Geld für ansehnliche Dividenden vorhanden.

Beispiel Data Modul. 2009 gab es beim Münchner Spezialisten für Informationstechnologie und Displays Restrukturierungsaufwendungen von über einer Million Euro. Zusammen mit um 25,6 Prozent eingedampften Umsätzen lief ein hoher Verlust auf, die Dividende – in Vorkrisenzeiten manchmal sechs Prozent Rendite – wurde gestrichen.

Für Dividendenjäger: Hohe Zahlungen und Kandidaten für Überraschungen (PDF)

Nun wendet sich das Blatt aber wieder. Die Restrukturierungsaufwendungen entfallen, die Umsätze ziehen an. Zusätzlich bringen die eingeleiteten Sparmaßnahmen einen Rückgang bei den Kosten von geschätzten zwei bis drei Millionen Euro im Jahr. Damit sind wieder schwarze Zahlen drin – und die Rückkehr zu ordentlichen Ausschüttungen an die Aktionäre.

Dividendensprünge bei etlichen kleineren Firmen sind noch aus einem anderen Grund wahrscheinlich. „In der Finanzkrise waren viele Unternehmen vorsichtig. Da sie nicht wussten, wie ihre Hausbank in Finanzierungsfragen reagiert, zahlten sie lieber Schulden zurück, statt das Geld für Dividenden zu verwenden“, weiß Börsenexperte Geiger. Trotz mauer Geschäfte reduzierte beispielsweise Data Modul die Nettoverschuldung im Krisenjahr 2009 von 8,8 auf 7,8 Millionen Euro.


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Auch bei vielen anderen Firmen wurde in der Krise häufig die Dividende nicht nur gekürzt, sondern ganz gestrichen. Im MDAX und SDAX beispielsweise kappte ein Drittel der Indexmitglieder die Ausschüttung. Nach Kürzung oder Wegfall für 2009 ist nun für das laufende Jahr mit Sprüngen nach oben zu rechnen. So erwarten die von der Nachrichtenagentur Bloomberg befragten Analysten bei den 50 MDAX-Unternehmen einen Anstieg der Dividenden in den kommenden zwölf Monaten um 85 Prozent, also fast eine Verdoppelung der Zahlungen!

Hohe Dividenden beflügeln die Kurse – siehe Leifheit und Bob Mobile. „Viele Anleger setzen auf ausschüttungsstarke Firmen, weil die Dividendenrenditen dort deutlich höher sind als etwa bei Staatsanleihen, wo es nur noch Renditen um zwei Prozent gibt“, erläutert Geiger. Aber auch Fonds und andere institutionelle sind auf der Käuferseite zu finden. Dabei sind Nebenwerte besonders attraktiv. Nicht nur wegen möglicher Dividendensprünge und der schnelleren Erholung nach Rezessionen. Denn Aktien vor allem aus der dritten oder gar vierten Reihe lassen Bluechips in Sachen Dividendenrendite oft weit hinter sich zurück. Einige wenige Firmen bieten sogar nachhaltig – das heißt: über längere Zeiträume – beständig hohe Zahlungen.

Wiederkehrend hohe Dividenden nicht sind nicht zu unterschätzen. Sie sind im Endeffekt sogar der Treibsatz für Börsenkurse. So ergeben Untersuchungen der London Business School und der Credit Suisse für den US-Aktienmarkt seit 1900 inflationsbereinigte – also reale – Kursgewinne von 1,7 Prozent im Jahr. Wurden gezahlte Dividenden dagegen mit eingerechnet und reinvestiert, erhöhte sich die Performance auf real sechs Prozent im Jahr.

Wiederanlegen lohnt sich

Die Wiederanlage der Dividenden lohnt sich also. Dafür eignen sich Titel wie WMF, SMT Scharf oder Euwax, bei denen regelmäßig fünf oder sechs Prozent Rendite drin sind. Auch die Halloren Schokoladenfabrik übertrifft mit 4,4 Prozent Rendite die Verzinsung von Bundesanleihen um Längen. Etwas weniger gibt es derzeit zwar noch bei SQS Software Quality Systems. Doch bei den Kölnern sind in den kommenden Jahren deutlich steigende Gewinne drin. Der IT-Experte dürfte so mittelfristig in völlig neue Dividendendimensionen aufsteigen.

Wer aber auf Überraschungen bei den Ausschüttungen setzen will, kann sich zudem altbewährte Zahler wie Sixt oder Homag ansehen, die in der Krise ihre Dividenden gekürzt oder sogar eingestellt haben. Die Anhebung der Zahlungen auf Vorkrisenniveaus dürfte dann wieder viele Investoren anlocken. Vielversprechend ist auch Varengold. Dort gibt es große Veränderungen und operative Erfolge. Eine hohe Dividendenrendite für 2010 ist wahrscheinlich.

Ebenfalls spannend ist Telegate. Der Telefondienstleister bietet nicht nur stattliche Basisdividenden. Bei den Münchnern könnte es auch bald eine hohe Sonderzahlung geben. Da dürfte allein die Ankündigung intraday noch höhere Kursgewinne als zuletzt bei Leifheit auslösen. Apropos Leifheit. Während die hohe Ausschüttung für 2009 beim Haushaltsspezialisten ein einmaliges Strohfeuer war, sind bei Bob Mobile nachhaltig hohe Zahlungen zu erwarten. Da die Gewinne des Handydienstleisters nämlich wegen des starken organischen Wachstums (und für den Fall eines erfolgreichen Anlaufs im neuen Geschäftsfeld der Browser-Games) im kommenden Jahr deutlich zulegen dürften, ist spätestens für 2011 der nächste Knall – verbunden mit einem Kursschub – drin. Dividendenjäger haben die Aktie deshalb schon jetzt im Visier.

Bildquellen: Wolfgang Kriegbaum

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