von Benjamin Summa
Welches Thema dominiert die Finanzmärkte? Das Verschuldungsdilemma der Griechen, das nun auch auf andere Länder wie Portugal und Spanien überspringt, oder die Tatsache, dass die absolute Mehrzahl der Unternehmen in der laufenden Berichtsrunde glänzende Gewinne aufgrund strikter Sparbemühungen vorweisen konnte? Die Märkte haben das griechische Schuldendrama recht schnell verdaut und sich auf die Berichtssaison und die Fortsetzung der Nullzinspolitik der Amerikaner konzentriert.
Besonders Nebenwerte sind weiterhin hoch im Kurs. Vergangene Woche markierten MDAX und SDAX mit Kursen von 8684 beziehungsweise 4108 Punkten jeweils den höchsten Stand seit September 2008. Seit Jahresbeginn konnten die beiden Indizes knapp 16 Prozent gutmachen, der DAX hingegen hat im selben Zeitraum nur etwa ein Plus von acht Prozent eingefahren.
Die Werte aus der zweiten und dritten Reihe sind zwar stärker von konjunkturellen Schwankungen abhängig als die Papiere von Großkonzernen wie Daimler, Infineon, Apple, Citigroup oder Deutsche Bank. Aber gerade dieses erhöhte Anlegerrisiko zahlt sich langfristig häufig aus. Auch US-Nebenwerte entwickelten sich in den vergangenen Monaten prächtig. Vor allem in den Branchen Technologie und Finanzen finden sich viele attraktiv bewertete Aktien.
Montag:
Der deutsche Leitindex war zum Wochenauftakt auf den höchsten Stand seit September 2008 gestiegen, positive Zahlen von Seiten der Unternehmen und eine nach wie vor sehr hohe Liquidität am Markt waren Gründe hierfür. Bei den Nebenwerten waren C.A.T. Oil (plus 7,4 Prozent) und Eastman Kodak (plus 11,3 Prozent) Hingucker.
C.A.T. Oil, ein im SDAX notierter Dienstleister im Erdgas- und Erdölfördergeschäft, profitiert derzeit von anziehenden Ölpreisen und positiven Analysteneinschätzungen. Das Papier hat sich von Frühjahr bis Herbst 2009 von 1,8 Euro auf knapp neun Euro verfünffacht. Danach setzte eine Konsolidierung ein, die nun mit dem Ausbruch über das Jahreshoch vorüber ist. Mittelfristig ist die Region um 14 Euro realistisch
Der im S&P 500 gelistete Fotografie-Konzern Eastman Kodak machte in den vorvergangenen Woche bereits kräftige Kurssprünge wegen guter Gewinnprognosen. Nun gab eine neue Werbekampagne Rückenwind, die den Nutzen der Kodak-Produkte im Zusammenhang mit Social-Network-Anwendungen hervorhebt.
Dienstag:
Am vergangenen Dienstag wurden die europäischen und amerikanischen Börsen von der Herabstufung der Kreditwürdigkeit Portugals und Griechenlands ins Minus gezogen. Die Angst vor Staatspleiten ging um.
Den im S&P 500 gelisteten Büroausstatter Office Depot traf es mit Abschlägen von über 21 Prozent besonders hart. Grund hierfür war aber weniger die Sorge um den Staatshaushalt in Griechenland, sondern Quartalszahlen, die schlechter ausfielen, als Analysten erwartet hatten. Zum Wochenauftakt bot das Papier noch ein anderes Bild: Die Aktie markierte eine neue Jahresbestmarke bei 8,95 Dollar. Sollten die Gewinnprognosen sich bessern und der Kurs den Widerstand bei der Jahresbestmarke knacken, dann sind weitere Kursgewinne durchaus realistisch.
Mittwoch:
Die US-Börsen hatten sich am Mittwoch schnell vom Griechenland-Spanien-Portugal-Schock erholt. Die gute Bilanzsaison beherrschte wiederum das Geschehen. Das US-Chemieunternehmen Dow Chemical (plus 5,7 Prozent) führte dank höherer Nachfrage und anziehender Preise die Top-Liste an. Das gegenteilige Bild beim Personaldienstleister Robert Half International, wie Dow Chemical im S&P 500 gelistet. Die Werte verloren über zehn Prozent, nachdem Analysten eine Herabstufung von „Outperform“ zu „Neutral“ vorgenommen hatten. Seit einem Jahr befindet sich die Aktie in einem übergeordneten Aufwärtstrend. Nun stieß sie bei 32 Dollar auf eine massive Barriere. Ein Bruch der Hürde hätte wohl weiteres Anstiegspotential zur Folge.
Donnerstag:
Auch am Donnerstag legten die Kurse an den europäischen Börse und der Wallstreet wieder ungeachtet der Verschuldungskrise in Europa zu. Ein Grund hierfür ist sicherlich in der Ankündigung der US-Notenbank zu sehen, ihre Niedrigzinspolitik beizubehalten. Bei den Werten aus der zweiten Reihe legten Akamai Technologies am stärksten zu (plus 19,4 Prozent). Der IT-Dienstleister konnte beim Umsatz einen Anstieg um 14 Prozent auf 240,0 Mio. Dollar realisieren.
Freitag:
In einem insgesamt positiven Marktumfeld bildete der US-Halbleiterhersteller MEMC Electronic Materials am Freitag das Schlusslicht im S&P 500 (minus 18,6 Prozent). Die MEMC-Zahlen waren zuvor gemischt ausgefallen, zum einen konnte ein deutlicher Umsatzanstieg realisiert werden, zum anderen musste das Unternehmen einen Verlust in erwarteter Höhe ausweisen.
Bildquellen: Wolfgang Kriegbaum