von Benjamin Summa
Nebenwerte stehen im Fokus der Anleger, denn Studien zeigen, dass sie in Post-Rezessionsphasen die bessere Performance liefern. Zwischen 1925 und 2005 haben kleine und mittlere Werte laut einer Untersuchung von Ibbotson Associates eine jährliche Rendite von 12,6 Prozent erzielt, die Schwergewichte kamen hingegen auf Zuwächse von knapp zehn Prozent. Die Vorteile der Nebenwerte: Sie werden nur von wenigen Analysten gecovert, Anleger können vor diesem Hintergrund leicht einen Informationsvorsprung haben, wenn sie sich mit den Werten aus der zweiten und dritten Reihe beschäftigen. Ein aktueller Vergleich: Der DAX legte seit Beginn des laufenden Jahres knapp 3,26 Prozent zu, besser schnitten MDAX (plus acht Prozent) und SDAX (plus sechs Prozent) ab. Auch an der Wallstreet liegt der Dow Jones (plus 0,35 Prozent) hinter dem S&P500 (plus 2,3 Prozent). Obwohl viele
Nebenwerte bisher schon eine rasante Rally hingelegt haben, können sie noch immer interessant für Anleger sein, denn sie sollten weiterhin überproportional von der prognostizierten konjunkturellen Erholung profitieren.
Montag
Die in Europa beschlossenen Not-Kreditlinien für taumelnde EU-Staaten mit dem gigantischen Volumen von 750 Milliarden Euro haben den Wallstreet-Aktien vergangenen Montag Auftrieb gegeben. Die US-Indizes verbuchten die höchsten Tagesgewinne seit über einem Jahr. Auch in Frankfurt wurde das Paket mit Erleichterung aufgenommen.
Bei den Nebenwerten fielen die Werte des im SDAX notierten Immobilienkonzerns DIC Asset besonders auf. Sie schossen über 20 Prozent nach oben, nachdem das Unternehmen das Jahr mit einem Gewinnzuwachs gestartet hat und das Management seine positive Prognose bestätigt hat. Ein Blick auf die Aktie zeigt aber, dass der SDAX-Wert noch lange nicht aus dem Abwärtstrend raus ist. Aber: Der jüngste Kursrutsch bis auf 5,30 Euro ist weitgehend verarbeitet. Die Aktie hat sich wieder auf ein höheres Niveau bei um die 6,30 Euro vorgearbeitet. Die nächsten Widerstände lauern bei sieben Euro und 7,7 Euro – eine Seitwärtsbewegung ist nun wahrscheinlich.
Einen zweistelligen Kursverlust musste Dean Foods verkraften. Die Aktien des US-Lebensmittelproduzenten büßten über 28 Prozent ein. Zuvor gab das Unternehmen verheerende Zahlen bekannt – der Gewinn gab im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahr 43 Prozent nach. Für Dean Food-Aktien geht es seit einem Rekordhoch bei 50,5 Dollar vom März 2007 konstant bergab. Am vorvergangenen Freitag notierte der Anteilschein bei nur noch 14,63 Dollar. Am Montag dann das Drama: Die Aktie fiel auf 10,47 Dollar, am vergangenen Dienstag weiteten sich die Verluste bis auf 9,58 Dollar aus. Aufgrund der kurzfristig überverkauften Charttechnik, ist mit einer Erholung bis maximal zum Gap bei 12,8 Dollar zu rechnen. Es steht aber fest: Der Wert ist nur etwas für hart gesottene Zocker.
Dienstag
Am Montag noch waren die Börsianer begeistert vom EU-Rettungspaket für Not leidende EU-Brüder und Schwestern. Am Dienstag wurden dann schon erste Zweifel auf dem Parkett laut, ob der zur Verfügung gestellte Notschirm im Fall der Fälle ausreichen würde. Gute Nachrichten kamen nur von Seiten der Unternehmen. Diese haben mehrheitlich ihre Kosten gesenkt und können nun erste Früchte in Form höherer Margen ernten.
Im Small-Cap-Segment machten der Vermögensverwalter Legg Mason und der Internetreise-Anbieter Priceline.com auf sich aufmerksam. Legg Mason gewannen starke 12,5 Prozent hinzu, Priceline.com gab nahezu in selber Höhe ab.
Der US-Vermögensverwalter Legg Mason erzielte wieder einen Quartalsgewinn, das Unternehmen schlug die Erwartungen der Analysten und plant eine harte Restrukturierung. Hierdurch sollen bis Ende 2012 Einsparungen von 130 bis 150 Millionen Dollar realisiert werden. Die Anleger freut es: In der abgelaufenen Handelswoche gelang der Ausbruch über den Widerstand bei 33,70 Dollar, der sich aus dem Bewegungshoch von Mitte Oktober 2009 ergibt. Kann das neu gewonnne Niveau verteidigt werden, so könnten Kursgewinne bis zur Barriere bei rund 45 Dollar möglich sein.
Ein etwas anderes Bild bei Priceline.com: Der Online-Reisedienstleister hatte am Montag nach Börsenschluss die Zahlen zum ersten Quartal 2010 veröffentlicht und dabei mit dem Ausblick enttäuscht. Die Aktie von Priceline.com hat jedoch Potential. Nach den Kursverlusten der vergangenen Wochen und Monate fand nun bei rund 210 Dollar eine Stabilisierung statt. Kann der Support weiterhin aufrechterhalten werden, so sollte eine Erholung bis in die Region bei etwa 255 Dollar möglich sein.
Mittwoch
Am Mittwoch beherrschte die Freude der Börsianer über den Milliarden-Zukauf von SAP den Handel. Das deutsche Software-Haus übernimmt für insgesamt 4,6 Milliarden Euro das kalifornische Unternehmen Sybase, Spezialist für Datenbanken. Der Kauf wurde am Mittwoch erst nach Börsenschluss bestätigt, Gerüchte dominierten jedoch den ganzen Tag das Geschehen. Sybase verteuerten sich um knapp 40 Prozent.
Donnerstag
Auch am Donnerstag, in Deutschland waren die Börsen wegen des Feiertags geschlossen, legten Sybase noch mal knapp 15 Prozent zu – bis zu einem neuen Allzeithoch bei 64,54 Dollar. Insgesamt macht der Chart einen sehr positiven Eindruck: Seit 1998 ist der Wert in einem intakten Aufwärtstrend. Zwar könnte es in der kommenden Woche zum Test des Ausbruchsniveaus kommen, das würde jedoch der langfristigen, positiven Einschätzung keinen Abbruch tun.
Freitag
Zum Ende der Börsenwoche dominierte wieder die Skepsis darüber die Aktienmärkte, ob Griechenland seine Staatsschulden irgendwann begleichen kann. In den Fokus geriet auch die Furcht, dass die nun eingeleiteten Sparanstrengungen in einigen europäischen Ländern das Wachstum möglicherweise bremsen könnten. Der größte Verlierer im SDAX war der Montagssieger DIC Asset - der Wert verlor über elf Prozent. Zum einen waren sicherlich Gewinnmitnahmen hierfür verantwortlich. Richtig bleibt auch (siehe Montag): Der Wert ist noch lange nicht aus dem Abwärtstrend raus!
Die meistgesuchten Aktien auf finanzen.net sind derzeit Daimler, Mologen, Deutsche Bank, Commerzbank und Infineon.
Bildquellen: Julian Mezger