von Benjamin Summa
Die Anleger schienen in den vergangenen Wochen kaum beeindruckt vom Schuldendilemma der Griechen. Die guten Quartalszahlen der Unternehmen und die noch immer reichlich am Markt vorhandene Liquidität veranlasste sie zu weiteren Zukäufen. Das ist nun vorbei. Weltweit gaben die Börsen jetzt nach. Auch wenn der Wallstreet-Crash von Donnerstag nicht in erste Linie auf die Angst vor einem Flächenbrand in Europas Schuldenstaaten zurückzuführen wäre, sondern einem schnöden Tippfehler geschuldet war (ein Wallstreet-Händler hatte angeblich 16 Milliarden Aktien, statt 16 Millionen auf dem Zettel zum Verkauf angeboten) – die Furcht vor einer drastischen Korrektur liegt nun in der Luft.
Der DAX büßte 4,38 Prozent in den vergangenen fünf Börsentagen ein, noch heftigerer Abschläge verbuchten die Werte aus der zweiten und dritten Reihe: Der MDAX lag 6,87 Prozent im Minus, der SDAX 6,15 Prozent und der Technologieindex TecDAX rutschte 5,5 Prozent ab. In den USA dasselbe Bild: Der Hauptwerteindex Dow Jones gab sechs Prozent nach, der Index der 500 größten Unternehmen, der S&P 500, 2,7 Prozent.
Die am meisten gesuchten Aktien auf finanzen.net sind derzeit Daimler, Deutsche Bank, Infineon und Commerzbank.
Investments in Nebenwerte sind in Zeiten wie diesen natürlich riskant, weil diese Papiere naturgemäß weniger liquide sind, die Kursschwankungen entsprechend hoch sein können. Dennoch bergen kleinere Aktien auch Chancen. Die Unternehmen sind oft flexibler, kommen schneller aus der Krise. Untersuchungen des Research-Hauses Ned Davis zeigen, dass Small Caps in den USA in den drei Jahren nach den 13 Rezessionen zwischen 1927 und 2002 im Durchschnitt Kursgewinne von 89 Prozent ablieferten. Die großen Blue Chips hingegen nur knapp 52 Prozent.
Die Börsenwoche der Nebenwerte im Rückblick:
Montag
An der Wallstreet beflügelte am vergangenen Montag die Megafusion der US-Luftlinien United Airlines und Continental. Zudem stützten die beschlossenen Finanzhilfen für die Griechen. Der Goldpreis erklomm mit 1187 Dollar pro Feinunze ein Jahreshoch. Zwei interessante Nebenwerte an diesem Tag waren der US-Flashkartenhersteller SanDisk (plus 9,1 Prozent) und das deutsche Systemhaus Datagroup (plus 18 Prozent). SanDisk konnte von guten Verkäufen von Flash-Datenspeichern im Handybereich profitieren. Der US-Konzern kehrte nach einem Verlust im ersten Vorjahresquartal 2010 wieder in die schwarzen Zahlen zurück. Die Aktie weist seit Beginn 2009 einen intakten Aufwärtstrend auf, der jüngst zu einem neuen Mehrjahreshoch bei 33,65 Dollar führte. Mit dem Sprung über diese Marke eröffnet sich aus charttechnischer Sicht weiteres Kurspotential bis auf rund 43 Euro.
Datagroup konnte den Umsatz im vergangenen Jahr durch Einsparungen um 8,2 Prozent steigern. Experten von "Euro am Sonntag" halten die Aktie für einen klaren Kauf. Das Kursziel wird bei 8,00 Euro gesehen. Die Aktie hat den Turnaround geschafft, nachdem sie bis auf ein Niveau von 1,78 Euro (Tief am 18 Dezember 2008) abgerutscht war. Im Anschluss ging es bis zu einer Rekordmarke von 5,55 Euro rauf. Solange die Unterstützung bei vier Euro nicht unterschritten wird, sollte sich dieser positive Trend fortsetzen. Derzeit notiert der Wert bei 4,55 Euro.
Dienstag
Am Montag noch konnte das Hilfspaket für Griechenland die Märkte stützen. Am vergangenen Dienstag machten sich dann wieder Zweifel breit. Die Kurse an der Wallstreet und in Europa drehten ins Minus – zum Teil recht deutlich. Der im S&P notierte US-Stahlwert Cliffs Natural Resources hatte mit einem Abschlag von über sieben Prozent die rote Laterne. Bei der Aktie scheint erstmal die Luft raus zu sein. Nach einem Jahreshoch bei 76,17 Dollar von Anfang April ging der Wert in eine Konsolidierungsphase über. Hält diese weiter an, so steht der langfristige Aufwärtstrend, der sich seit März 2009 entwickelt hat, vor einem Bruch. Die Geschäftszahlen lesen sich jedoch gar nicht so schlecht: Cliffs Natural Resources hat im ersten Quartal über 727 Millionen Dollar verdient, ein Anstieg um 57 Prozent im Vergleich zum Jahreszeitraum.
Mittwoch
Der Schuldenberg einiger europäischer Staaten hat am Mittwoch die Aktienmärkte kräftig verunsichert. Der DAX konnte die psychologisch wichtige Marke von 6000 Punkten nicht halten, auch der Dow Jones ging auf Tauchstation.
Bei den Werten aus Reihe drei konnte der Dortmunder Umwelttechnikspezialist Envio gegen den Trend punkten. Die Aktien legten über fünf Prozent zu. Im laufenden Jahr sollte der Gewinn vor Steuern und Zinsen auf mehr als vier Millionen Euro klettern, im besten Fall sind sogar mehr als fünf Millionen drin. Das Biogas soll bei Envio überwiegend aus Gülle, Lebensmittel- und Schlachtabfällen gewonnen und dann ins öffentliche Erdgasnetz eingespeist werden, was im übrigen den politischen Zielen der Bundesregierung entspricht. Ein interessanter Wert!
Donnerstag
Ein dramatischer Tag an den Weltbörsen: Innerhalb einer Stunde verlor der Dow Jones über 1000 Punkte – so viel wie nie zuvor. Anschließend machte er wieder 600 Punkte gut. Bis heute kann niemand genau erklären, wie es zu diesem Absturz kam: technische Panne oder Angst vor dem Griechenland-Bankrott? Auch in Europa nahmen die Sorgen Überhand, nachdem gute Unternehmenszahlen zuerst die Kurse pushten.
Interessante Nebenwerte am Donnerstag waren Berentzen (plus fünf Prozent) und der kanadische Goldexplorer Nova Gold (plus vier Prozent). Der Spirituosenhersteller Berentzen hat die vergangenen Monate zur Umstrukturierung genutzt und 2009 wieder einen Gewinn eingefahren. Die Zeiten des Penny Stocks-Daseins sind für Berentzen endgültig vorbei: Nach einer Durststrecke in 2009 hat die Aktie kraftvoll zugelegt und dieser Tage sogar die Marke bei 5,5 Erio überschritten. Der intakte Aufwärtstrend sollte weiteres Anstiegspotential bereithalten. Als nächstes Kursziel winkt der Bereich bei 7,3 Euro.
Die Aktie des kanadischen Junior-Goldexplorers NovaGold hat ebenfalls noch Potential. Es bestehen gute Chancen, dass der Kurs mittelfristig von 5,94 auf acht Euro klettert. Das in Vancouver ansässige Unternehmen besitzt eines der weltweit größten Goldvorkommen. Ein Kaufargument für die Aktie ist deshalb nicht zuletzt die glänzende Entwicklung des Goldpreises. Aus Sorge vor einer drohenden Inflationswelle befindet sich das Edelmetall derzeit in einem stabilen Aufwärtstrend.
Freitag
Der DAX stürzte zeitweise über vier Prozent ab, auf den tiefsten Stand seit Anfang März. Die Turbulenzen in Griechenland überwogen die Anzeichen auf eine kräftige Erholung der US-Wirtschaft.
Der US-Wert Office Depot (plus 5,3 Prozent) konnte dem Abwärtstrend widerstehen. Die Aktie macht seit Wochen mit Ausschlägen in beide Richtungen auf sich aufmerksam. Vergangene Woche ging es über 21 Prozent bergab, nachdem Quartalszahlen schlechter ausfielen als von Analysten vorhergesagt. Tage vorher markierte der Wert noch eine neue Jahresbestmarke bei 8,95 Dollar. Sollten die Gewinnprognosen sich bessern und der Kurs den Widerstand bei der Jahresbestmarke knacken, dann sind weitere Kursgewinne durchaus realistisch. Momentan notieren Office Depot bei 6,18 Dollar.
Bildquellen: Julian Mezger