von Benjamin Summa
Der deutsche Leitindex unter 6000 Punkten, der Dow Jones unter 10.000 Punkten: Es war eine Woche zum Abgewöhnen an den Weltbörsen. Verluste, soweit das Auge reicht. Die anhaltende Übernahmewelle und Spekulationen um neue Zusammenschlüsse sorgten zwar zeitweise für eine bessere Stimmung. Dem entgegen standen jedoch US-Konjunkturdaten, die keinesfalls auf einen kräftigen Aufschwung hindeuten.
In solchen Phasen setzen Anleger meist auf Solidität und Kontinuität – sie gehen keine Risiken ein, sondern flüchten sich in den Rentenmarkt. Die Euphorie aufgrund der zum Teil überraschend guten Unternehmenszahlen weicht nun wieder der kritischen Auseinandersetzungen mit dem Ist-Stand: Schuldenkrise in Europa, die Gefahr eines erneuten Konjunktureinbruchs in den USA und die Immobilienblase in China.
Der DAX hat auf Wochensicht rund ein Prozent verloren. Der US-Leitindex Dow Jones 1,8 Prozent. Auch die Werte aus der zweiten Reihe gaben ab: Der MDAX verlor 2,1 Prozent, der SDAX 1,1 Prozent. Der amerikanische S&P500 ging 1,5 Prozent leichter aus dem Wochenhandel.
Vergleicht man in Deutschland Leitindizes und Nebenwerte in den vergangenen zwölf Monaten, so ergibt sich folgendes Bild: Die Nebenwerte schneiden gegenüber den DAX-Mitgliedern inzwischen wieder deutlich besser ab. MDAX und SDAX fuhren knapp 35 Prozent ein, die Standardwerte lediglich 20 Prozent. Durch die hohe Abhängigkeit von der konjunkturellen Entwicklung verzeichnen Mid und Small Caps in schlechten Jahren häufig starke Einbrüche im Geschäft und folglich auch beim Gewinn. Damit verbunden ist meist auch eine höhere Volatilität. Was in Krisenzeiten belastet, erweist sich im Aufschwung dann häufig als Multiplikator für gute Chancen. Small und Mid Caps sind normalerweise klar auf einen Bereich fokussiert. Läuft die Konjunktur gut, geht es im Unternehmen oft steil nach oben – und im Zuge dessen klettern dann auch die Kurse in der Regel überproportional.
In der vergangenen Woche ist der Holzverarbeiter Pfleiderer aufgefallen. Operativ läuft es im Unternehmen wieder deutlich besser, aus den roten Zahlen ist Pfleiderer aber noch nicht. Der Umsatz kletterte von 334,5 Millionen Euro im zweiten Vorjahresquartal auf 381,4 Millionen Euro, unterm Strich blieb jedoch ein Verlust von 7,2 Millionen Euro stehen. Am Montag gaben Pfleiderer 3,7 Prozent nach.
Nachdem sich die Pfleiderer-Aktie im Vorjahr bis auf ein passables Niveau bei 8,50 Euro vorgekämpft hatte, verließen sie die Kräfte. Dies führte zur Ausbildung eines Abwärtstrends, der sich auch weiterhin als intakt erweist. Als Bestätigung der übergeordneten Abwärtstendenz dient der zuletzt gesehene Anstieg in der zweiten Augustwoche bis auf 5,40 Euro. Dort wurde der Kursanstieg abrupt vom Abwärtstrend ausgebremst. Dies löste eine Abprallbewegung nach unten aus, die in dieser Woche auch den seit Mai bestehenden kurzfristigen Aufwärtstrend nach unten durchschlug. Chancen für eine Kurserholung bestehen erst, wenn der Bereich bei 4,35 Euro nachhaltig zurückerobert wird. Grünes Licht würde allerdings erst gegeben, wenn sowohl die 200 Tage-Linie bei 5,37 Euro als auch der oben beschriebene Abwärtstrend bei 5,30 Euro nach oben überwunden werden.
Ein interessanter Montagswert war auch die Aktie des US-Medienunternehmens Washington Post Company, die etwas mehr als sechs Prozent zulegte. Der Wert profitierte von einem positiven Baron´s-Artikel, in dem die Aktie als „billig“ eingestuft worden ist. Das Unternehmen hatte in der ersten Augustwoche gute Zahlen vorgelegt: Der Konzernumsatz verbesserte sich um 11 Prozent auf 1,20 Mrd. Dollar, der Nettogewinn stieg auf 91,9 Millionen Dollar.
Die Kursentwicklung des Wertes sollte ab mit viel Realismus betrachtet werden: Mitte Mai sah es noch so aus, als hätte der Titel des US-Medienhauses den Turnaround geschafft. Die Aktie notierte bei über 400 Euro, ein Niveau, dass sie zuletzt in den Sommermonaten 2008 erreicht hatte. Es folgte ein drastischer Kursrückgang, der Mitte August zu einem Jahrestief bei 244,65 Euro führte. Die im Anschluss zu beobachtende Erholung kann gegenwärtig nur als technisch bedingt eingestuft werden. Erst mit dem Anstieg über die 200-Tage-Linie bei aktuell 328,28 Euro würde ein Kaufsignal generiert. Doch davon ist die Aktie noch weit entfernt.
Am vergangenen Dienstag machte der US-Medizintechnikhersteller Medtronic von sich reden. Der Wert büßte über zehn Prozent ein, nachdem der Konzern mitteilte, dass sich die Umsatzerlöse im ersten Quartal deutlich verringert haben. Die Medtronic-Aktie ist seit Monaten auf Talfahrt: Nachdem sich die Aktie vom Tief bei 24,06 Dollar im März 2009 prächtig erholte und bis zum Frühjahr dieses Jahres ein Niveau bei 45 Dollar erreichte, hat sich das Chartbild mittlerweile deutlich eingetrübt. So riss der Kurs in der abgelaufenen Handelswoche ein gewaltiges Gap zwischen 34,35 und 32,41 Dollar. Dieser Bereich stellt nun einen massiven Widerstand dar, der nicht so leicht geknackt werden sollte. Im Erfolgsfall stünde einem nachfolgenden Anstieg bis auf 38,00 Dollar nichts im Wege. Gelingt dies hingegen nicht, so drohen weitere Abgaben bis zum nächsten sinnvollen Unterstützungsbereich bei 29,00 und 28,00 Dollar.
Mitte der Woche wurden die Aktionäre des britischen Ölförderers Tullow Oil verschreckt. Die Aktie rutschte 4,6 Prozent ab. Grund für die Talfahrt waren Verzögerungen bei der Erschließung eines Ölfeldes in Uganda, dessen Erlöse Tullow schon fürs vierte Quartal mit einberechnet hatte. Jetzt könnte die Liquidität des Unternehmens in Mitleidenschaft gezogen werden.
Im Großen und Ganzen haben Tullow-Anleger seit 2008 mit der Aktie aber nichts falsch gemacht - eine Verdreifachung des Kurses steht zu Buche. Zudem markierte der Titel am Montag ein neues Allzeithoch bei 15,84 Euro. Das Aufwärtsszenario ist also intakt. Erst ein Fall unter die 200-Tage-Linie bei rund 14 Euro würde das Bild etwas eintrüben. In diesem Fall bilden die horizontalen Unterstützungen bei 13 und 12 Euro die nächsten sinnvollen Auffangnetze. Hier beachte man ebenfalls: Marktenger Wert!
Zum Schluss noch ein deutscher und ein amerikanischer Wert, die in der vergangenen Woche auffällig waren. Sandisk und Hans Einhell.
Der Flashspeicherproduzent Sandisk hat sehr davon profitiert, dass seine Technologie in iPhones eingebaut wird. Seit dem Höhepunkt der Finanzkrise haben sich Scandisk verzehnfacht. Und die Prognose bleibt weiterhin sehr rosig. In der zurückliegenden Woche mussten aber erst einmal Abschläge von gut 12 Prozent verkraftet werden. Ein Broker hatte behauptet, die Aktie sei überbewertet. Das erwartete KGV für 2010 liegt jedoch moderat bei 8,35. Nach einem Jahreshoch bei 40,90 Euro von Ende Juni sind nun leichte Schwächezeichen zu beobachten, die die Aktie wieder unter seine 30 Euro-Marke trieb. Aufgrund der aktuellen Markttechnik sollte sich die Konsolidierung weiter fortsetzen. Die nächsten sinnvollen Unterstützungen liegen bei rund 25 und 22 Euro.
Ein großes Plus von sechs Prozent konnte die deutsche Einhell AG, Spezialist für Werkzeuge und Gartengeräte, einfahren. Die Aktie, die momentan sehr niedrig bewertet ist, wird durch eine angehobene Jahresprognose angeschoben.
Der Wert läuft seit Anfang des Jahres in einer konsolidierenden Seitwärtsbewegung in den Grenzen zwischen rund 34 und 29 Euro. Ein Ausbruch über oder unter diese so genannte Rechteck-Formation wird die weitere Kursrichtung vorgeben. Dabei überwiegen die Chancen zur Oberseite, denn der Kurs notiert über seiner 200-Tage-Linie, die zudem als Unterstützung fungiert.
Die meistgesuchten Aktien auf finanzen.net waren diese Woche: Daimler, Apple, AGCO und Infineon.
Bildquellen: Julian Mezger